Analyse von Szene 5 in Büchners "Woyzeck": Der Hauptmann und Woyzeck

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Zusammenfassung

Die Analyse untersucht das Gespräch zwischen dem Hauptmann und Woyzeck in Szene 5 von Georg Büchners Drama "Woyzeck". Im Mittelpunkt stehen die Langeweile und Melancholie des Hauptmanns, seine moralischen Ansichten sowie Woyzecks Armut und fehlende Tugend. Der Text zeigt, wie der Hauptmann Woyzeck demütigt, um sich selbst überlegen zu fühlen.

Kernpunkte

  • Woyzeck rasiert den Hauptmann und hat wenig Zeit, weil er am Ernährungsexperiment des Doktors teilnimmt und seinen schmalen Sold aufbessern muss.
  • Der Hauptmann führt seine Melancholie auf Langeweile und die ständige Wiederholung zurück und unterscheidet zwischen "guten" und "schlechten" Menschen.
  • Der Hauptmann demütigt Woyzeck, etwa durch die absurde Windrichtung Süd-Nord, und fühlt sich dadurch besser.
  • Woyzeck verweist auf Gott, der sich allen Kindern zuwendet, und erklärt, dass Arme sich Moral nicht leisten können.
  • Woyzeck darf Marie nicht heiraten, weil er den geforderten Geldbetrag nicht nachweisen kann.
  • Das Gespräch endet wie es begann: Der Hauptmann ermahnt Woyzeck erneut zur Langsamkeit, ohne dass sich etwas verändert hat.

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Szene 5: Analyse

Der Hauptmann und Woyzeck

Woyzecks Eile und die Langeweile des Hauptmanns

Woyzeck rasiert den Hauptmann, der ihn ermahnt, sich nicht so zu hetzen (Vgl. Z. 1). Er legt ihm dar, dass er nur Langeweile haben wird, wenn er seine Aufgaben zu schnell erledigt und dadurch Freizeit hat. Dies zeigt das mangelnde Einfühlungsvermögen des Hauptmanns, denn für Woyzeck ist diese Tätigkeit eine unter mehreren, die er ausführt, um seinen schmalen Sold aufzubessern. Er beeilt sich, um möglichst rasch zum Doktor zu kommen, an dessen Ernährungsexperiment er teilnimmt. Auf die Ausführungen seines Vorgesetzten geht er nicht weiter ein, sondern gibt ihm lediglich formelhaft mit "Ja wohl, Herr Hauptmann" Recht (Z. 8).

Die Melancholie des Hauptmanns und seine moralischen Ansichten

Der Hauptmann legt Woyzeck seine Melancholie dar, die aus Langeweile und ständiger Wiederholung (die Drehung der Erde um die Sonne) herrührt. Er meint, man brauche immer eine Beschäftigung, um nicht in Langeweile zu verfallen (Vgl. Z. 9ff.). Gleichzeitig teilt er dies in "gut" und "schlecht" ein. Das bedeutet, dass sich ein guter Mensch nicht hetzt, ein schlechter jedoch schon (Vgl. Z. 18ff.). Da Woyzeck mit keiner seiner Äußerungen aus der Reserve locken kann, fragt er ihn nach dem Wetter (Z. 20) und demütigt ihn, indem er eine unmögliche Windrichtung angibt (Süd-Nord) (Z. 25) und sich nach Woyzecks Zustimmung dazu über seine Dummheit lustig macht. Es geht ihm also nicht wirklich um ein Gespräch, sondern er will sich selbst durch die Erniedrigung eines anderen besser fühlen.

Der Hauptmann und die Moral

Dies führt er dann noch weiter, indem er auf Woyzecks Mangel an Moral wegen seines unehelichen Kindes anspielt (Vgl. Z. 31ff.), aber gleichzeitig betont, dass dies der Garnisonspfarrer gesagt habe. Das zeigt sein mangelndes Rückgrat, da er Kritik nicht direkt äußert. Darauf reagiert Woyzeck nun und verweist auf Gott, der sich allen Kindern zuwendet (Z. 35ff.). Diese unerwarteten Widerworte bringen den Hauptmann aus dem Konzept. Woyzeck führt dann weiter aus, dass er es sich als armer Mann nicht leisten kann, moralisch zu sein und er so wie alle anderen armen Menschen weder hier auf der Erde noch im Himmel Seligkeit finden kann (Vgl. Z. 42ff.), da Arme überall arbeiten müssen. Im Himmel müssten sie dann beim Donnern helfen (Z. 46).

Die Tugend des Hauptmanns und Woyzecks Antwort

Der Hauptmann verweist wieder auf Woyzecks fehlende Tugend und hebt seine eigene hervor (Z. 48), da er nur den Frauen hinterherschaut, ohne sich ihnen unsittlich zu nähern. Dies könnte auch seinen mangelnden Erfolg bei den Frauen zeigen, den er hinter seiner vermeintlichen Tugendhaftigkeit versteckt. Woyzeck führt daraufhin noch einmal aus, dass es mit Geld einfach ist, tugendhaft zu sein und er es eigentlich sein wollte, wenn er könnte (Vgl. Z. 56ff.). Woyzeck darf Marie nämlich nicht heiraten, da ein Soldat für eine Hochzeit nachweisen musste, dass er über einen bestimmten Geldbetrag verfügt. Der Sold reicht aber dafür nicht aus.

Das Ende des Gesprächs

Der Hauptmann lenkt daraufhin ein, da er offenbar von Woyzecks Argumentation überfordert ist. Er bezeichnet Woyzeck als guten Menschen (Z. 63), obwohl er ihm vorher vorgeworfen hat, dies gerade nicht zu sein. Er schlägt dann wieder den Bogen zum Beginn des Gesprächs und ermahnt Woyzeck zur Langsamkeit (Vgl. Z. 64ff.). Dies zeigt, dass das Gespräch nichts gebracht hat, da am Ende alles wieder wie zu Anfang ist. Der Hauptmann wollte sich lediglich selbst darstellen und seine Überlegenheit auskosten.

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Häufige Fragen

Warum darf Woyzeck Marie nicht heiraten?

Ein Soldat musste für eine Hochzeit nachweisen, dass er über einen bestimmten Geldbetrag verfügt. Woyzecks Sold reicht dafür nicht aus.

Wie begründet der Hauptmann seine Melancholie?

Er führt sie auf Langeweile und die ständige Wiederholung zurück, etwa die Drehung der Erde um die Sonne. Man brauche daher immer eine Beschäftigung.

Wie reagiert Woyzeck auf die moralischen Vorwürfe des Hauptmanns?

Er verweist auf Gott, der sich allen Kindern zuwendet, und erklärt, dass er als armer Mann sich Moral nicht leisten kann. Diese Widerworte bringen den Hauptmann aus dem Konzept.

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Test

1. Warum beeilt sich Woyzeck bei der Rasur des Hauptmanns?
2. Welche Windrichtung nennt der Hauptmann, um Woyzeck zu demütigen?
3. Wie teilt der Hauptmann die Menschen ein?
4. Was entgegnet Woyzeck auf den Vorwurf mangelnder Moral wegen seines unehelichen Kindes?
5. Womit begründet der Hauptmann seine eigene Tugend?
6. Wie endet das Gespräch zwischen dem Hauptmann und Woyzeck?

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