Anthropologische Grundlagen: Mensch, Person und Ethik
Gustavo Bueno: Anthropologische Grundlagen
Der Mensch
Der Mensch wird als Einheit aus menschlichem Wesen und menschlichem Körper definiert.
Person
Eine Person ist ein lebender Mensch in einer zivilisierten Gesellschaft, der komplexe soziale Rollen ausübt. Personen sind keine bloßen Konstrukte, sondern handelnde Subjekte. Eine Person zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Sprachfähigkeit: Die Fähigkeit zur Kommunikation mit sich selbst und anderen.
- Planung: Die Fähigkeit, Pläne zu entwerfen und zielgerichtet zu handeln.
- Soziale Rolle: Die Ausübung von Funktionen innerhalb der Gesellschaft.
Hinweis: Wenn eine Person ihre sozialen Rollen nicht mehr ausüben kann oder die Identität verliert, spricht man von einer Depersonalisierung.
Bürger
Ein Bürger ist ein Mensch, der in einem Staat mit Gesetzen, Rechten und Pflichten lebt. Der Status als Bürger beginnt mit der offiziellen Registrierung (z. B. bei der Geburt). Bürger genießen den Schutz durch das Gesetz.
Anthropologischer Raum
Der anthropologische Raum beschreibt die Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Umwelt. Er unterteilt sich in drei Achsen:
- Kreisförmige Achse: Die Beziehung Mensch zu Mensch (sozial).
- Winkelachse: Die Beziehung des Menschen zu intelligenten Wesen.
- Radikale Achse: Die Beziehung des Menschen zu unintelligenten Wesen (Natur oder künstliche Objekte).
Emisch vs. Etisch
- Emisch: Die Perspektive der handelnden Person.
- Etisch: Die beschreibende Perspektive auf die Handlung.
Bioethik und Lebensende
Beschränkung therapeutischer Anstrengungen
Hierbei wird der Krankheit ihr Lauf gelassen, um Schmerzen zu lindern, wenn diese irreversibel ist. Die Entscheidung wird gemeinsam von Patient, Arzt und Familie getroffen.
Sterbehilfe
Direkte oder indirekte Maßnahmen zur Herbeiführung des Todes bei einer unheilbaren Krankheit, auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten.
Assistierter Suizid
Unterstützung einer Person bei der Durchführung eines Suizids.
Therapeutische Hartnäckigkeit
Diagnostische oder therapeutische Maßnahmen bei fortgeschrittenen und tödlichen Krankheiten, die den Sterbeprozess unnötig verlängern.
Palliative Care
Die Versorgung von Patienten in der letzten Lebensphase mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu erhalten.
Sedierung
Die gezielte Senkung des Bewusstseins, um unerträgliche Schmerzen zu vermeiden.
Patientenverfügung (Living Will)
Ein schriftliches Dokument, in dem eine Person festlegt, welche medizinischen Maßnahmen im Falle einer zukünftigen Handlungsunfähigkeit gewünscht oder abgelehnt werden.