Berufsethik und Kompetenzen von Gebärdensprachdolmetschern

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Zusammenfassung

Der Text erläutert die Berufsethik von Gebärdensprachdolmetschern (ILS): wann Dienstleistungen abgelehnt werden dürfen, welche Rechte und Pflichten ILS und Nutzer haben und worauf es bei der Botschaft in der Interpretation ankommt. Außerdem werden Registerebenen und zentrale Fähigkeiten wie geistige Beweglichkeit und Wortflüssigkeit behandelt.

Kernpunkte

  • Ein ILS darf Dienstleistungen ablehnen bei mangelnder Fachkompetenz, fehlender Erfahrung, unzureichenden Rahmenbedingungen oder Verstößen gegen den Ethikkodex.
  • Der Nutzer muss über die Gründe einer Ablehnung rechtzeitig und klar informiert werden.
  • Pflichten des ILS sind die Einhaltung des Ethikkodex, die korrekte Identifikation als Gebärdensprachdolmetscher und der Beitrag zum Ansehen des Berufsstandes.
  • Die Botschaft umfasst Inhalt, Kontext, emotionalen Charakter, Stil und Register.
  • Es werden fünf Registerebenen unterschieden: feierlich, formal, beratend, informell und intim.
  • Gelassenheit, kontrollierte Stimmproduktion und neutrale Wiedergabe des Ausdrucks gehören zu den wichtigen Aspekten für das ILS.

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Verzicht auf Dienstleistungen

Das ILS hat das Recht, auf die Bereitstellung von professionellen Dienstleistungen in den folgenden Fällen zu verzichten:

  • Mangelnde Fachkompetenz: Wenn der Dienst außerhalb der beruflichen Fähigkeiten liegt (z. B. rechtliche Beratung bei Kreditanträgen).
  • Mangelnde Erfahrung: Wenn aufgrund fehlender Ausbildung oder Erfahrung keine qualitativ hochwertige Dienstleistung erbracht werden kann (z. B. Fachkonferenzen zu komplexen technischen Themen).
  • Unzureichende Rahmenbedingungen: Wenn die Bedingungen für eine effiziente Interpretation nicht gegeben sind (z. B. bei mehrtägigen Konferenzen ohne ausreichende personelle Besetzung).
  • Verstoß gegen den Ethikkodex: Wenn die Würde des Nutzers oder des Dolmetschers verletzt wird oder der Ethikkodex nicht eingehalten werden kann (z. B. bei Belästigung).

In diesen Fällen muss der Nutzer rechtzeitig und klar über die Gründe informiert werden.

Rechte und Pflichten des ILS

Das ILS hat folgende Rechte:

  • Professionelle Anerkennung und Respekt für die Arbeit.
  • Ablehnung von Aufträgen, die gegen den Ethikkodex oder die eigene Würde verstoßen.
  • Angemessene finanzielle Entschädigung gemäß den Standards der Berufsverbände.
  • Geeignete Arbeits- und Umweltbedingungen.
  • Einhaltung von Pausenzeiten zur Sicherung der Qualität.
  • Recht auf Beschwerde bei Verletzung dieser Rechte.

Das ILS hat folgende Pflichten:

  • Einhaltung des Ethikkodex und professioneller Standards.
  • Korrekte Identifikation als Gebärdensprachdolmetscher.
  • Beitrag zur Förderung des Ansehens des Berufsstandes.

Rechte und Pflichten der Nutzer

Die Nutzungsrechte sind:

  • Anspruch auf eine professionelle und effiziente Interpretation.
  • Wahl des geeigneten Dolmetschers, sofern die Situation dies zulässt.
  • Anerkennung des Ethikkodex des Berufsstandes.
  • Information über die geltenden Tarife.
  • Erhalt einer Begründung bei Ablehnung eines Auftrags.
  • Recht auf Beschwerde bei Verletzung der Rechte.

Die Nutzerpflichten sind:

  • Respekt gegenüber dem Dolmetscher und seinem Beruf.
  • Einhaltung der geltenden Verhaltenskodizes.
  • Bereitstellung geeigneter Arbeitsbedingungen.
  • Pünktliche Zahlung der vereinbarten Honorare.

Die Botschaft in der Interpretation

Die Botschaft ist das Ergebnis der Interpretation, bestehend aus Inhalten und Ausdrücken mit einer bestimmten Absicht. Der Dolmetscher muss folgende Elemente berücksichtigen:

  • Inhalt: Die kommunikative Absicht, die über die rein grammatikalische Bedeutung hinausgeht (Sinn, Bezeichnung, Sensibles).
  • Kontext: Das externe Umfeld und die Absicht des Emittenten.
  • Emotionaler Charakter: Implizite oder explizite Gefühle (Tonfall, Mimik).
  • Stil: Die individuelle Art der Kommunikation.
  • Register: Der Grad der Distanz zwischen den Kommunikationspartnern.

Register-Ebenen

  • Feierlich: Rituale und Zeremonien.
  • Formal: Einseitige Kommunikation, große Distanz (z. B. Reden).
  • Beratend: Interaktion mit professioneller Distanz (z. B. Arzt-Patient).
  • Informell: Gleichberechtigte Kommunikation (z. B. Freunde).
  • Intim: Enge persönliche Beziehung und gemeinsame Geschichte.

Geistige Beweglichkeit und Wortflüssigkeit

Agilität und Wortflüssigkeit sind essenzielle Fähigkeiten, die durch Vorbereitung, Wortschatzerweiterung und ständiges Training erreicht werden.

Wichtige Aspekte für das ILS

  • Gelassenheit: Sicherheit und Ruhe in der Ausübung der Tätigkeit.
  • Vokale Produktion: Kontrolle der Luftzufuhr, aufrechte Haltung und Entspannung der Muskeln zur Vermeidung von Fehlbelastungen.
  • Ausdruck: Der Dolmetscher interpretiert die Nachricht neutral, ohne den Ausdruck des Sprechers zu beschönigen oder zu verfälschen.

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Häufige Fragen

Wann darf ein Gebärdensprachdolmetscher einen Auftrag ablehnen?

Ein ILS darf verzichten, wenn der Dienst außerhalb seiner Fachkompetenz liegt, ihm Erfahrung fehlt, die Rahmenbedingungen für eine effiziente Interpretation nicht gegeben sind oder der Ethikkodex verletzt würde. Der Nutzer muss dabei rechtzeitig und klar über die Gründe informiert werden.

Was umfasst die Botschaft in der Interpretation?

Die Botschaft ist das Ergebnis der Interpretation und besteht aus Inhalt, Kontext, emotionalem Charakter, Stil und Register. Der Dolmetscher muss alle diese Elemente berücksichtigen.

Welche Registerebenen gibt es?

Der Text nennt feierlich (Rituale und Zeremonien), formal (z. B. Reden), beratend (z. B. Arzt-Patient), informell (z. B. Freunde) und intim (enge persönliche Beziehung).

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Test

1. Wann darf ein ILS auf eine Dienstleistung verzichten?
2. Was muss der Nutzer bei einer Ablehnung erhalten?
3. Welche Pflicht hat das ILS?
4. Welches Element gehört nicht zur Botschaft in der Interpretation?
5. Welche Registerebene beschreibt Rituale und Zeremonien?
6. Wie soll der Dolmetscher den Ausdruck des Sprechers wiedergeben?

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