Die Bindungstheorie: Grundlagen, Stile und Modelle

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Die Bindungstheorie nach Bowlby und Ainsworth

Wichtige Autoren der Bindungstheorie sind John Bowlby, Mary Ainsworth und Mary Main.

Grundlagen der Bindungstheorie (Attachment)

John Bowlby hob die biologische Anlage zur Bindung als eine Grundvoraussetzung hervor, die das Überleben sichert. Das Attachment (Bindung) ist ein biologisch basiertes, motivationales System. Es garantiert die Nähe des Kindes zu Bezugspersonen, die differenziert wahrgenommen und bevorzugt werden.

Erfahrungen werden interaktiv strukturiert, da die Kommunikation der symbolischen Darstellung vorausgeht und sich aus dem Wunsch nach affektivem Kontakt entwickelt. Die Bindung ist auf eine bestimmte, differenzierte Person ausgerichtet. Das Kind sucht Nähe und Kontakt und reagiert mit Angst, wenn diese Bindung bedroht ist.

Das Bindungssystem wird in Stresssituationen, bei traumatischem Schmerz, Angst oder Demütigung aktiviert, um den Menschen dazu zu motivieren, Schutz und Sicherheit für sein Leben zu suchen. Auch die Bindungsverhaltensweisen von Erwachsenen sind aufeinander abgestimmt.

Das Paradigma der Fremden Situation

Mary Ainsworth (1978) entwickelte das Testverfahren der sogenannten „Fremden Situation“ (Strange Situation). Dieser Test beurteilt die Reaktion eines Kindes auf sehr kurze Trennungen von seiner Mutter bei zunehmender Belastung sowie das anschließende Verhalten bei der Wiedervereinigung.

Bindungsstile und Bindungsmuster

Dieses Testverfahren erlaubt es, die Reaktionen auf Trennung zu beobachten und verschiedene Bindungsstile zu beschreiben:

  • Sichere Bindung (Seguro): Wenn die Mutter den Raum verlässt, zeigt das Kind Protest und Angst, weint, schränkt sein Explorationsverhalten ein und meidet Fremde. Kehrt die Mutter zurück, sucht es sofort Körperkontakt, beruhigt sich schnell und beginnt wieder zu spielen.
  • Unsicher-vermeidende Bindung: Diese Kinder vermeiden die Nähe zur Mutter. Sie weinen kaum und zeigen bei der Trennung keine deutlichen Zeichen von Kummer. Kehrt die Mutter zurück, vermeiden sie aktiv den Kontakt und ignorieren sie weitgehend.
  • Unsicher-ambivalente/resistente Bindung: Diese Kinder reagieren extrem gestresst auf die Trennung. Bei der Wiedervereinigung suchen sie zwar die Nähe und Trost, zeigen gleichzeitig aber auch Wut, Widerstand oder Passivität.

Innere Arbeitsmodelle (Interne operative Modelle)

Innere Arbeitsmodelle sind kognitive Landkarten, Repräsentationen oder Skripte, die ein Individuum von sich selbst und seiner Umwelt entwickelt. Sie erfüllen folgende Funktionen:

  • Sie organisieren die subjektive Erfahrung und filtern relevante Informationen.
  • Sie entstehen durch bindungsrelevante Ereignisse und spiegeln die Qualität der erhaltenen Fürsorge wider.
  • Sie wirken weitgehend unbewusst, wobei ein unbewusstes, primitives Modell dominieren kann.

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