Erziehungsstile und die Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule
Erziehungsstile nach Baumrind und Gordon
Baumrinds Erziehungsstile (1971-1973)
Diana Baumrind identifizierte verschiedene Erziehungsstile, die das Verhalten und die Entwicklung von Kindern maßgeblich beeinflussen:
Autoritative Eltern (oft auch als "demokratisch" bezeichnet)
Diese Eltern kommunizieren offen mit ihren Kindern, setzen klare Grenzen und treffen gemeinsame Entscheidungen. Sie fördern die Autonomie ihrer Kinder, bieten aber gleichzeitig viel Unterstützung und Wärme. Kinder autoritativer Eltern zeigen tendenziell positive Verhaltensweisen, sind selbstbewusst und sozial kompetent.
Autoritäre Eltern
Autoritäre Eltern zeichnen sich durch einen restriktiven und strengen Erziehungsstil aus. Sie legen großen Wert auf Gehorsam, setzen viele Regeln und erwarten, dass diese ohne Widerrede befolgt werden. Die Kommunikation ist oft einseitig, und Bestrafungen sind häufig. Kinder autoritärer Eltern können ängstlich, zurückhaltend oder rebellisch sein.
Permissive Eltern
Permissive Eltern üben wenig Kontrolle aus und stellen nur wenige Anforderungen an ihre Kinder. Sie sind nachgiebig, vermeiden Konfrontationen und verhängen selten Strafen. Kinder permissiver Eltern können Schwierigkeiten mit der Selbstkontrolle haben, impulsiv sein und mangelnde soziale Kompetenzen zeigen.
Thomas Gordons PET-Methode (1962)
Thomas Gordon entwickelte die PET-Methode (Parent Effectiveness Training), die Eltern dabei unterstützen soll, ihre Erziehungsaufgaben effektiver wahrzunehmen. Gordon unterscheidet drei Typen von Eltern in Bezug auf Konfliktlösung und Kommunikation:
Verlierer-Eltern
Diese Eltern geben bei Konflikten nach und lassen die Kinder gewinnen, um den Frieden zu wahren. Dies kann dazu führen, dass Kinder die Grenzen der Eltern nicht respektieren.
Oszillierende Eltern
Diese Eltern wechseln zwischen Nachgiebigkeit und Strenge. Ihre Erziehung ist inkonstant und unvorhersehbar, was Kinder verunsichern kann.
Gewinner-Eltern
Diese Eltern streben eine Win-Win-Lösung bei Konflikten an, bei der die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigt werden. Sie nutzen effektive Kommunikationsstrategien, um eine respektvolle Beziehung aufzubauen.
Familie und Schule: Eine Partnerschaft für die Bildung
Wenn ein Kind in die Schule kommt, zeigen sich in seinem noch nicht vollständig ausgeprägten Charakter und seiner Sprache oft das kulturelle Niveau der Familie. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule ist entscheidend für den Bildungserfolg.
Bedeutung der Elternbildung
Elternbildung umfasst freiwillige Lernaktivitäten für Eltern, die darauf abzielen, geeignete Erziehungsmodelle zu vermitteln oder bestehende Praktiken zu modifizieren und zu verbessern. Ziel ist es, Verhaltensweisen der Kinder zu fördern, die positive Resonanz hervorrufen, und negative Verhaltensweisen abzubauen.
Wege zur Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern
Eine effektive Zusammenarbeit kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden:
Pädagogische Ziele und persönliche Entwicklung
Eltern sollten sich darüber informieren, was ihr Kind lernt und welche pädagogischen Ziele verfolgt werden. Es ist wichtig, neue Erfahrungen auf persönlicher Ebene zu fördern und das schulische Lernen auch außerhalb der Schule zu unterstützen und zu vertiefen.
Verallgemeinerung und Transfer des Gelernten
Eltern sollten wissen, was in der Schule gemacht wird, und können sogar aktiv mithelfen, um die Verallgemeinerung und Übertragung des Gelernten zu fördern.
Förderung der Selbstreflexion
Kinder benötigen Unterstützung, um ihr Lernen tiefgreifend und nachhaltig zu reflektieren. Eltern können dies anregen und begleiten.
Die Rolle der Elternvereinigung (AMPA)
Ziele der AMPA
Elternvereinigungen (AMPA) spielen eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Eltern und der Zusammenarbeit mit der Schule. Ihre Hauptziele sind:
- Eltern/Erziehungsberechtigte bei der Erziehung ihrer Kinder unterstützen.
- Bei Bildungsaktivitäten der Einrichtungen mitwirken.
- Die Beteiligung der Eltern an der Verwaltung der Einrichtung fördern.
- Eltern bei der Mitwirkung und Kontrolle der Einrichtungen unterstützen.
- Die Vertretung und Beteiligung in Schulgremien erleichtern.
- Kooperative Beziehungen zu anderen Programmen und Einrichtungen fördern.
- Zur Entwicklung und zum Betrieb verschiedener Dienste des Zentrums beitragen.
Ebenen der Interaktion zwischen Familie und Schule
Die Zusammenarbeit kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen:
- Bildungspolitische und schulische Leitungsebene: Beteiligung an Entscheidungen und Gestaltung der Schulpolitik.
- Freiwillige Mitarbeit: Aktive Teilnahme an Schulprojekten, Veranstaltungen oder im Schulalltag.
- Individuelle Beratung/Betreuung: Persönlicher Austausch zwischen Eltern und Lehrern über die Entwicklung des Kindes.
Grundlegende Strategien zur Förderung der Zusammenarbeit
Um eine erfolgreiche Zusammenarbeit zu gewährleisten, können verschiedene Strategien angewendet werden:
Beziehungsstrategien
Förderung von Kooperation und einer herzlichen Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule.
Akademische Strategien
Eltern sollten aktiv in die schulischen Arbeiten ihrer Kinder einbezogen werden und diese unterstützen.
Wirtschaftliche Strategien
Eltern sollten über die finanziellen Belange und Aktivitäten der Schule informiert sein und sich gegebenenfalls beteiligen.
Technologische Strategien
Eltern sollten mit neuen Technologien vertraut sein und diese nutzen können, um die schulische Kommunikation und das Lernen zu unterstützen.
Beobachtungsstrategien
Eltern müssen aufmerksam das tägliche Leben ihrer Kinder beobachten und wachsam sein, wenn ihre Kinder Schwierigkeiten haben oder sich unwohl fühlen.
Partizipative Strategien
Das Recht der Eltern, sich aktiv an der Erziehung und Bildung ihrer Kinder zu beteiligen, sollte gefördert werden.
Barrieren für die Interaktion zwischen Familie und Schule
Trotz der Vorteile gibt es oft Hindernisse für eine effektive Zusammenarbeit:
- Vorurteile gegenüber bestimmten Konzepten und Funktionen der Eltern oder der Schule.
- Vorurteile gegenüber Eltern aus sozioökonomisch benachteiligten Schichten.
- Vorurteile von Lehrern gegenüber der Erziehungskompetenz der Eltern.
- Mangelnde Ausbildung des administrativen Personals in Bezug auf Elternkommunikation.
- Mangelnde soziale Unterstützung für Familien.
- Mangel an Raum und Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Austausch.