Gottesbeweise bei Anselm von Canterbury und Ockham
1.1 Sein und Denken in der Philosophie
Dieses Konzept gehört zu den Vorsokratikern, den Rationalisten. Der erste Vertreter ist Parmenides, für den beide Bedingungen identisch sind; darauf bauen alle weiteren Vorsokratiker (wenn auch weniger kritisch) auf. Für Wilhelm von Ockham ist das Problem nicht die Existenz Gottes, sondern das Wesen dieser Namensgebung, ähnlich wie bei Thomas von Aquin. Er argumentiert, dass man dies nicht wissen kann, da wir Gott hierfür kennen müssten.
Nach Anselm von Canterbury ist Gott das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Damit etwas Vollkommenheit erreicht, muss es nicht nur im Denken, sondern auch in der Realität existieren. Ein Wesen, das nur im Geist existiert, wäre weniger perfekt als eines, das in der Realität existiert. Ockham hingegen verteidigte die Ansicht, dass es keine rationale Rechtfertigung der Realität Gottes braucht; man müsse nicht denken, sondern glauben (Fe), da Gott durch den Verstand nicht zu begreifen sei.
1.2 Das Verhältnis von Glaube und Vernunft
Nach Anselm sind sowohl Glaube als auch Vernunft notwendig, um die Existenz Gottes zu gewährleisten; sie ergänzen einander beim Verständnis der christlichen Wahrheit. Die Vernunft hilft dem Glauben, seine Inhalte zu klassifizieren, während der Glaube die Vernunft erleuchtet. Das Ziel der Religion ist das Heil, das Ziel der Vernunft die Erkenntnis der Realität. Diese Beziehung entstand aus einer Reihe von Bedrohungen für die Religion und wurde als Argument zur Verteidigung genutzt, woraus die ersten christlichen Philosophen hervorgingen. Für Ockham sind Vernunft und Glaube hingegen völlig getrennte Wege des Wissens.
2. Kommentar zum ontologischen Gottesbeweis
Das Argument beginnt mit einem Gebet, welches die Philosophie mit der Religion verknüpft und versucht, die Existenz Gottes rational zu beweisen. Es folgt eine Definition Gottes, die in der Schlussfolgerung manifestiert, dass die Existenz Gottes bereits darin enthalten ist: „Das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann“.
Anselm setzt jedoch zu sehr auf die menschliche Vernunft. Dieser Definition würden auch Ungläubige zustimmen, die er als „Toren“ (insensatos) bezeichnet, da sie die Idee in ihrem Verstand begreifen könnten, ohne jedoch daran zu glauben. Anselm hinterfragt, ob der reale Gott oder die bloße Idee realer sei. Dies führte ihn zu dem Ergebnis, dass Gott sowohl im Verstand als auch in der Realität existiert.
3. Philosophische Modelle und Kritik
Das Modell von Anselm ist ein platonisches Modell, das im Rationalismus und Realismus verwurzelt ist. Platoniker wie Descartes oder Spinoza würden diesem Argument zustimmen. Andere, wie Thomas von Aquin, widersprechen jedoch. Thomas stützt sich auf die sinnliche Beobachtung: Die Existenz Gottes lässt sich nur durch sein Werk beweisen – wer eine Schöpfung sieht, muss einen Schöpfer anerkennen.
Auch Immanuel Kant basierte auf sinnlicher Beobachtung, verteidigte jedoch die Ansicht, dass man zwar an Gott glauben, ihn aber nicht erkennen kann. Diese Autoren kritisierten Anselms Modell aus mehreren Gründen:
- Der Sprung vom Denken zum Sein: Kant argumentiert, dass es ein Unterschied ist, ob man 10 Münzen in der Tasche hat oder sie sich nur vorstellt.
- Begrenzte Definition: Die menschliche Vorstellung von Gott ist notwendigerweise begrenzt.
- Subjektivität: Da jeder Mensch unterschiedliche Denkweisen hat, stellt sich die Frage, wie viele Versionen Gottes existieren müssten.
- Ockhams Rasiermesser: Ockham trennte Religionsphilosophie und Metaphysik. Er kritisierte, dass Philosophen unnötige Einheiten vermehrten. Nach dem Prinzip der Sparsamkeit arbeitet die Natur so einfach wie möglich; die einfachste Erklärung ist oft die wahre.