Grundlagen der Ethik, Philosophie und Moral

Philosophie und Ethik6,41 KB

Wissenschaft, Philosophie und Religion

Wissenschaft (Science)

Wissen ist systematisch, genau und objektiv. Es besteht aus einer Reihe von Beschreibungen, Erklärungen, Theorien und Gesetzen über die Natur der Dinge. Es basiert auf beobachtbaren Daten, ist mathematisiert sowie quantifiziert und unterliegt der experimentellen Verifikation. Es handelt sich um nicht wertendes Wissen.

Philosophie

Wissen ist systematisch, streng, objektiv und rational. Die Philosophie versucht, über das Beobachtbare und Messbare hinauszugehen, ohne jedoch in Mythen, Glauben oder nicht unterstützte Spekulationen zu verfallen. Es handelt sich speziell um rationale Erkenntnis, die rational begründet ist. Sie versucht, menschliche und soziale Fragen zu beantworten. Die Philosophie ist im Unterschied zur Wissenschaft ein Wissen, das nicht nur Erklärungen liefert, sondern auch wertet.

Religion

Religion ist eine Art der Erklärung, die ebenfalls wertet und Normen vorgibt. Sie geht über die Wissenschaft hinaus, ist jedoch nicht ausschließlich rational. Sie basiert auf dem Glauben und Überzeugungen – etwas, das nicht beweisbar ist. Sie stützt sich nicht auf objektive Daten und rein rationale Argumente.

Ethik und Moral: Definitionen und Unterschiede

Ethik

Ethik ist eine philosophische Erkenntnis und das rationale Nachdenken über Gut und Böse, Pflichten und Rechte. Sie umfasst vor allem die Prinzipien und Grundlagen moralischer Normen und Werte. Als Theorie und Praxis ist sie eine Wissenschaft mit praktischem Zweck; sie bringt rationales Argumentieren in das grundlegende menschliche Wissen ein.

Moral

Moral beschreibt eine Reihe von besonderen Vorschriften oder moralischen Codes, die angeben, was richtig oder falsch ist und was wir tun oder vermeiden sollten. Sie ist charakteristisch für Personen, Kulturen und Religionen.

Ethik (als Reflexion)

Ethik bezeichnet hier das rationale Denken, namentlich das Argumentieren über grundlegende ethische Normen und Standards. Sie ist daher eine Reflexion über Gut und Böse sowie darüber, was wir tun und was wir vermeiden sollten.

Menschliches Verhalten und Handeln

Instinkt

Instinkt ist ein angeborenes, mechanisches, blindes und irrationales Verhalten. Er ist an bestimmte Schlüsselreize gebunden, bei allen Individuen einer Art ähnlich und genetisch programmiert.

Immanuel Kant und der moralische Wert

Nach Kant hängt der moralische Wert einer Handlung nicht von der Nützlichkeit oder dem Erfolg ab, also nicht von den Folgen oder den erreichten Leistungen. Er hängt einzig und allein vom Willen und der Absicht ab. Dies bedeutet den ernsthaften Versuch der Umsetzung, bei dem man alle in seinem Besitz befindlichen Mittel sammelt; die Handlung erfolgt mit aller Kraft und ist nicht bloß ein Wunsch (Desire).

Menschliches Handeln (Human Action)

Dieses Handeln erfolgt mit vollem Bewusstsein und voller Freiheit; es wird freiwillig und bewusst vollzogen. Es ist die Handlung, die den Menschen als rationales und freies Wesen ausmacht. Es ist die einzige Handlung mit moralischem Wert und die einzige Maßnahme, für die wir verantwortlich sind. Nur menschliches Handeln verdient Lob oder Tadel.

Handlungen des Menschen (Acts of Man)

Hierbei handelt es sich um Taten von Menschen, bei denen eine der oben genannten Bedingungen fehlt: volles Bewusstsein oder Freiheit. Handlungen, die gegen den Willen oder unbewusst geschehen, sind nicht moralisch (weder gut noch schlecht), sondern amoralisch. Sie ziehen keine moralische Verantwortung nach sich.

Wille, Gewohnheit und Charakter

Freiwilliges Handeln und Wollen

Wollen bedeutet, sich zu entscheiden und alle notwendigen Mittel einzusetzen, um etwas zu erreichen. Ein Wunsch hingegen ist das Gefühl einer Anziehung zu etwas, ohne jedoch die Absicht zu haben, dies mit allen Mitteln zu erreichen.

Gewohnheit (Habit)

Eine Gewohnheit ist eine dauerhafte, mechanische und manchmal unfreiwillige Art zu handeln. Sie ist gewöhnlich und wird durch wiederholte Handlungen erworben, welche die Disposition oder eine mechanische Tendenz entwickeln.

Charakter

Der Charakter ist der Teil der Persönlichkeit und die Art und Weise sich zu verhalten, die erworben wurde; er ist somit nicht angeboren. Er besteht aus der Menge der erworbenen Gewohnheiten. Der moralische Charakter einer Person besteht aus der Summe ihrer moralischen Gewohnheiten.

Emotionen, Tugenden und Laster

Eifersucht: Wut über das Wohlergehen anderer empfinden.
Böswilligkeit (Malevolence): Sich über das Unglück anderer freuen.

Tugend (Virtue)

Eine lebenslange Gewohnheit, aus moralischer Sicht Gutes zu tun. Beispiele sind:

  • Besonnenheit, Großzügigkeit, Mut
  • Ehrlichkeit, Güte, Demut
  • Solidarität, Altruismus, Verantwortlichkeit
  • Friedfertigkeit und Treue (Fidelity)

Laster (Vice)

Aus moralischer Sicht ist dies die ständige Gewohnheit, Böses zu tun oder falsch zu handeln. Beispiele sind:

  • Neid, Feigheit, Egoismus
  • Lüge, Unehrlichkeit, Antipathie
  • Arroganz, Trägheit (vage), Verantwortungslosigkeit
  • Aggression und Untreue

Phasen der freiwilligen Handlung

Freiwilliges Handeln ist ein Ergebnis des gesamten Menschen, da es alle seine Fähigkeiten beansprucht: Intelligenz sowie gelernte Sitten und Gebräuche, die die endgültige Entscheidung beeinflussen können.

  1. Erkenntnis (Knowledge): Dies ist die Phase der Datenerhebung über Alternativen, Möglichkeiten und interessante Fälle, um eine Entscheidung zu treffen.
  2. Überlegung (Deliberation): Dies ist die Bewertung, bei der Vor- und Nachteile der verschiedenen Alternativen abgewogen werden. Die Überlegung kann schnell oder verzögert erfolgen.
  3. Entscheidung (Decision): Die Phase, in der die Wahl für eine Handlung getroffen wird. Sie kann stark oder schwach ausfallen.
  4. Ausführung (Execution): Die Phase, welche die notwendigen Handlungen einleitet, um das gewählte Ziel zu erreichen.

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