Grundlagen der Schifffahrtstechnik und Manöver
1 Technik
1.1 Abmessungen
Maximale Länge: Länge des Bootes. Es ist der Abstand, gemessen parallel zur Wasserlinie zwischen zwei Ebenen senkrecht zur Mittellinie, eine am Bug und eine am Heck, mit Ausnahme von nicht-strukturellen Elementen des Rumpfes.
Breite: Maximale Breite des Rumpfes inklusive fester Strukturen.
Tiefe: Hat drei mögliche Bedeutungen:
- Maximale vertikale Dimension von der Spitze des Kiels bis zum Hauptdeck.
- Jede der Säulen, die die Dächer stützen.
- Mast zum Handhaben von Lasten.
Freibord: Vertikaler Abstand von der Wasserlinie bei maximaler Belastung bis zum wasserdichten Deck.
Tiefgang: Maximale Dimension unter Wasser, gemessen senkrecht vom Rumpf, ohne Ruder, Kiel, Propeller und ähnliche Anhänge.
Tiefgang achtern: Abstand zwischen der Unterseite des Kiels und der Wasserlinie am Heck.
Tiefgang vorn: Abstand zwischen der Unterseite des Kiels und der Wasserlinie am Bug.
Tiefe in der Mitte: Abstand zwischen der Unterseite des Kiels und der Wasserlinie in der Mitte des Bootes.
Tiefgang mittschiffs: Arithmetisches Mittel der Tiefgänge an Bug und Heck.
Sheer: Wenn der mittlere Tiefgang geringer ist als der Tiefgang in der Mitte (U-förmiger Rumpf).
Broken: Wenn der mittlere Tiefgang größer ist als der Tiefgang in der Mitte.
Trimm: Der Unterschied zwischen den Tiefgängen vorn und hinten.
Trimm positiv: Der Tiefgang vorn ist geringer als am Heck.
Trimm negativ: Der Tiefgang vorn ist größer als am Heck.
Trimm neutral: Die Tiefgänge vorn und hinten sind gleich.
Gewicht: Gewicht des Bootes, gemessen in Tonnen.
Maximale Verdrängung: Maximales Gewicht des Bootes unter Sicherheitsaspekten.
Tonnage: Drückt das Innenvolumen des Behälters aus. Gemessen in Moorson-Tonnen.
Nettoregistertonnen: Volumen der gewerblichen Räume des Schiffes.
1.2 Rumpfbezeichnungen
Bug: Die Vorderseite des Bootes, die sich durch das Wasser bewegt.
Heck: Die Rückseite des Bootes.
Backbord: Die linke Seite des Bootes vom Bug zum Heck gesehen.
Steuerbord: Die rechte Seite des Bootes vom Bug zum Heck gesehen.
Seiten: Jede der äußeren Rumpfflächen.
Bands: Jede der Hälften, die durch die Längsachse geteilt werden.
Amur: Vorderer Teil der Seiten, der zum Bug hin konvergiert.
Flossen: Hinterer Teil der Seiten, der zum Heck hin konvergiert.
Mittellinie: Längsachse des Bootes.
Wasserlinie: Schnittstelle zwischen dem überfluteten Teil und dem Rumpf.
Unterwasserschiff: Teil des Rumpfes unterhalb der Wasserlinie.
Überwasserschiff: Teil des Rumpfes oberhalb der Wasserlinie.
Deck: Jedes Stockwerk des Bootes.
Plan: Das unterste Stockwerk des Bootes.
Bilge: Die unteren Teile des Rumpfes, in denen sich gefiltertes Wasser sammelt.
1.3 Struktur
Rumpf: Der Körper des Schiffes ohne bewegliche Teile wie Masten oder Aufbauten.
Kiel: Robustes Stück unten in der Mitte des Bootes vom Bug bis zum Heck, das den Rahmen stützt.
Steven: Sehr robustes Stück, das den Kiel am Bug fortsetzt.
Achtersteven: Fortführung des Kiels am Heck.
Spanten: Rumpfrippen, die ab dem Kiel die Form der Seiten definieren.
Balken: Stücke, die das Schiff von Backbord nach Steuerbord queren und das Deck halten.
Bordwand: Teil der Seite zwischen Deck und Schanzkleid.
Schanzkleid: Oberer Teil der Bordwand.
Schott: Trennwände eines Schiffes.
1.4 Dichtheit
Dichtung: Qualität, die sicherstellt, dass kein Wasser in das Schiff eindringt und Auftrieb gewährleistet.
Cockpit: Offene Kammer achtern bei Sportbooten, wo sich meist Pinne oder Rad befinden.
Speigatte: Löcher, um Wasser vom Deck oder aus dem Cockpit abzuführen.
Abflüsse: Wasserleitungen für den gleichen Zweck wie Speigatte.
Seeventile: Ventile unterhalb der Wasserlinie zur Kontrolle des Wasserdurchgangs für Kühlung, Toiletten etc.
Motorauspuffanlage: Schlauch zur Ableitung der verbrannten Gase.
Stopfbuchse: Dichtung, die in einer Öffnung verpackt ist, z. B. an der Wellenanlage.
Ruderlager: Öffnung, durch die die Drehachse des Ruders verläuft.
Bullaugen: Meist runde Öffnungen in den Seiten oder Schotten für Licht und Belüftung.
Luken: Meist rechteckige Öffnungen in Decks zur Kommunikation zwischen Abteilungen.
Locker: Verschluss zum Schutz einer Öffnung.
Lumbreras: Verglaste Schränke für Licht und Belüftung.
Lüfter: Vertikale Rohre auf dem Deck mit halbkugelförmiger Kappe zur Belüftung.
Bilgenpumpen: Maschinen zum Abpumpen von Flüssigkeiten aus den internen Abteilungen.
1.5 Zubehör
Handläufe: Stücke, die als Griff dienen.
Relingstützen: Vertikale Stücke an den Seiten des Bootes.
Klampen: T-förmige Stücke zum Festmachen.
Poller: Starke Holz- oder Eisenstangen auf dem Deck nahe dem Bug.
Ankerwinde: Maschine zum Heben der Ankerkette.
Kettennuss: Trommel mit Rillen für die Kettenglieder.
Kupplung: Mechanismus zum Ein- und Auskuppeln der Kettennuss.
Bremse: Mechanismus zum Blockieren der Kettennuss.
Stopper: Mechanismus zum Festhalten der Kette.
Spillkopf: Glatte Trommel zum Einholen von Leinen.
Winch: Vertikalachser zum Heben von Ketten.
Klüsen: Öffnung, durch die die Ankerkette läuft.
Kettenkasten: Fach zur Aufbewahrung der Ankerkette.
Ruder: Eisen oder Schaufel am Heck zur Steuerung.
Balancerruder: Wenn ein Teil der Ruderfläche vor der Drehachse liegt.
Ruderblatt: Fläche, die durch Druck auf das Wasser die Drehung erzeugt.
Ruderschaft: Achse des Ruders.
Steueranlage: Mechanismen zur Übertragung der Bewegung auf das Ruderblatt.
Propeller: Antriebsfaktor bei Motorbooten.
Steigung: Theoretischer Weg, den ein Propeller bei einer Umdrehung in einem festen Medium zurücklegen würde.
Schlupf: Verlust gegenüber dem theoretischen Fortschritt.
Durchmesser: Abstand zwischen den Spitzen gegenüberliegender Blätter.
Rechtsdrehend: Dreht im Uhrzeigersinn bei Vorwärtsfahrt.
Linksdrehend: Dreht gegen den Uhrzeigersinn bei Vorwärtsfahrt.
Kavitation: Vibrationen durch die Drehung der Schraube in einem Hohlraum.
1.6 Leinen
Leinen: An Bord verwendete Seile.
Schikote: Ende eines Seils.
Bucht: Krümmung zwischen den Enden einer Leine.
Festes Ende: Hauptteil der Leine.
Auge: Ring am Ende eines Seils zum Befestigen.
Boza: Stück Seil oder Kette, um eine Leine unter Spannung zu halten.
Noray: Feste Teile am Kai zum Belegen der Leinen.
Grundgewicht: Schwere feste Teile am Boden zur Befestigung von Bojen.
Bojen: Variable Elemente zur Anlegestelle oder Signalisierung.
Fender: Zubehör zum Schutz des Bootes beim Anlegen.
Bootshaken: Stab mit Haken zum An- oder Ablegen.
Kunstfaserseile:
- Polyester: Hohe Festigkeit, flexibel, sinkt, unempfindlich gegen Umwelteinflüsse. Verwendung: laufendes Gut.
- Nylon: Sehr stark und elastisch. Verwendung: Anker, Liegeplätze.
- Polypropylen: Abriebfest, hart, schwimmt, günstig. Verwendung: Rettungsring-Leinen.
- Kevlar: Nahezu keine Elastizität, sehr teuer. Verwendung: Fallen und Schoten bei Regattabooten.
1.7 Terminologie
Krängung: Neigung des Bootes zur Seite.
Aufrichten: Aktion, ein Boot wieder in die aufrechte Lage zu bringen.
Rollen: Querbewegung des Bootes.
Stampfen: Längsbewegung des Bootes.
Slamming: Heftiges Aufschlagen des Rumpfes auf das Wasser durch Stampfen.
Luv: Die Seite, von der der Wind kommt.
Lee: Die Seite, zu der der Wind weht.
Holen: Ein Seil einziehen.
Spannen: Ein Seil oder eine Kette straffen.
Fieren: Ein Seil lösen oder senken.
Arria: Ein Seil lösen.
Loswerfen: Ein Seil vollständig freigeben.
2 Manöver
2.1 Liegeplatz
Festmacher: Seile oder Kabel zum Sichern des Bootes am Steg.
Längen: Festmacher, die schräg zum Kiel ziehen. Es gibt Vor- und Achterleinen.
Querleinen: Leinen, die senkrecht zum Boot verlaufen.
Springs: Leinen, die vom Bug oder Heck schräg zur Seite führen, um Vor- oder Rückwärtsbewegungen zu verhindern.
Coder: Öffnen der Seite gegenüber der Anlegestelle.
Leinenmanagement:
- Aufschießen: Rollen von Leinen in Buchten.
- Belegen: Eine Leine um eine Klampe oder einen Poller legen.
- Festmachen: Sichern durch Knoten oder Stiche.
- Knoten: Ein Merkmal ist die Leichtigkeit des Lösens, auch unter Spannung.
2.2 Regierung
Pinne: Bei Pinnensteuerung bewegt sich das Boot in die entgegengesetzte Richtung des Ausschlags.
Rad: Bei Radsteuerung bewegt sich das Boot in die gleiche Richtung wie das Rad.
Steuerseile: Übertragen die Rotation des Rades auf das Ruder.
Ruderwirkung: Ein Schiff schwingt in die Richtung, in die das Ruder gelegt wird.
Mindestgeschwindigkeit: Geschwindigkeit, bei der das Ruder wirksam wird.
Propellereffekt: Bei Vorwärtsfahrt ist die Wirkung der Rotation praktisch null.
Ciaboga: Drehen des Bootes auf engem Raum durch Vor- und Rückwärtsmanöver.
2.3 Manövereinflüsse
Wind: Seitliche Verschiebung durch Wind (Abdrift).
Strömung: Seitliche Verschiebung durch Wasserströmung (Versatz).
Wellen: Erschweren das Manövrieren.
Wahrer Wind: Wind, der an einem festen Punkt gemessen wird.
Scheinbarer Wind: Wind, der an Bord wahrgenommen wird (Kombination aus wahrem Wind und Fahrtwind).
2.4 Anlegemanöver
Anlegen: Festmachen am Heck oder Bug an einem Steg oder anderen Booten.
Längsseits: Parallel zu einem Kai oder einem anderen Schiff anlegen.
Boje: Festmachen an einer Boje, die mit einer Kette am Grund verankert ist.
2.5 Ankern
Definition: Sichern eines Bootes am Grund mit Ankern und Ketten.
Guter Ankergrund: Feiner Sand, kompakter Schlamm.
Schlechter Ankergrund: Steiniger oder harter Boden.
Ankerlänge: Die Länge der Kette sollte das Drei- bis Vierfache der Tiefe betragen.
Schwojen: Kreis, den das Boot um den Anker durch Wind oder Strom beschreibt.
Levar: Einholen des Ankers und der Kette.