Grundlagen des Zweitspracherwerbs: IL, UG und Markiertheit
Die Rolle der Interlanguage (IL) im Spracherwerb
Adjemians Ansatz betrachtet Übergangssysteme als natürliche sprachliche Systeme. L2-Lernende erzeugen wie Muttersprachler unendlich viele Strukturen, die jedoch nicht immer grammatikalisch korrekt sind. Ein wesentlicher Unterschied zwischen L1- und IL-Grammatiken ist die Permeabilität der letzteren. Sprache wird hier als Produkt menschlicher geistiger Entwicklungsprozesse verstanden.
Theoretische Einordnung
Zur Erklärung semantischer und pragmatischer Probleme greift die Forschung auf Chomskys Government and Binding-Theorie zurück. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Übergangssysteme denselben Beschränkungen unterliegen wie natürliche Sprachen.
Das Konzept der Markiertheit
Der Begriff „markiert“ bezieht sich auf sprachliche Elemente, die weniger häufig oder weniger typisch sind. Eckmans Markedness Differential Hypothesis besagt, dass Lernende mit einer unmarkierten L1-Struktur Schwierigkeiten haben, äquivalente markierte L2-Strukturen zu erwerben.
Sprachliche Universalien und Typologie
In den späten 1970er Jahren begannen Forscher, sprachliche Universalien auf den L2-Kontext anzuwenden. Muster, die seltener vorkommen, gelten als markiert und sind oft schwieriger zu erwerben.
Parametereinstellung und Universalgrammatik (UG)
Nach Chomsky können Sprachen nicht nur über die Oberflächenstruktur klassifiziert werden. Die grammatikalische Beschaffenheit natürlicher Sprachen unterscheidet sich durch parametrische Variation. Kinder suchen in den Eingabedaten nach Funktionen, die durch die UG vorgegeben sind. Die UG reduziert die Anzahl der möglichen Hypothesen durch eine begrenzte Anzahl von Parametern.
Positiver Nachweis
Beweise aus dem Input, durch die der Lernende eine Annahme über die L2 widerlegen kann, werden als positiver Nachweis bezeichnet.
Variabilität und Lehrbarkeit
Variabilität im Sprachgebrauch ist ein psycholinguistisches Phänomen. Lernende greifen oft auf vertrautere, wenn auch grammatikalisch inkorrekte Formen zurück, wenn sie unsicher sind oder unter Ablenkung stehen.
Pienemanns Lehrbarkeitshypothese
Diese Hypothese besagt, dass Lehrer natürliche Erwerbsprozesse abwarten müssen. Lernende können keine Merkmale erwerben, die über ihr aktuelles Entwicklungsstadium hinausgehen.
Psycholinguistische vs. soziolinguistische Variabilität
Tarone betrachtet Gespräche als ein Fähigkeitskontinuum, das von einem stabilen, L1-unabhängigen Stil bis hin zu einem Stil reicht, der stark von der Aufmerksamkeit des Sprechers beeinflusst wird. Sharwood Smith schlägt vor, den Begriff „Native Command“ auf Sprecher zu beschränken, die in jedem Kontext spontan fließend kommunizieren können.
Versteinerung (Fossilization)
Der Begriff beschreibt den Zustand, in dem die Entwicklung in bestimmten Bereichen stoppt, obwohl weiterhin Kontakt mit der Zielsprache besteht. Die versteinerte UG-Ansicht postuliert, dass Lernende bei der L2-Bildung nicht mehr auf die UG zugreifen können, sondern sich auf L1-Prinzipien stützen.
Implizites vs. explizites Wissen
Der Erwerb der L1 erfolgt implizit durch Erfahrung. Beim L2-Erwerb sind oft zusätzliche Ressourcen für explizites Lernen erforderlich. Es besteht Konsens darüber, dass der L2-Erwerb die Entwicklung impliziten Wissens beinhaltet, die Rolle expliziten Wissens bleibt jedoch umstritten.
Krashens Monitor-Modell
- Erwerbs-Lern-Hypothese: Akquisition ist ein unterbewusster Prozess.
- Monitor-Hypothese: Bewusstes Lernen dient lediglich als „Monitor“ zur Korrektur von Äußerungen.
- Input-Hypothese: Verständlicher Input ist die Voraussetzung für den Erwerb.