Interspezifische Beziehungen und terrestrische Biome
Interspezifische Beziehungen
Interspezifische Beziehungen sind Wechselwirkungen zwischen Individuen verschiedener Arten. Jede der beteiligten Arten kann dabei geschädigt, profitieren oder neutral betroffen sein.
Mutualismus
Mutualismus: Eine Partnerschaft, die nicht unbedingt dauerhaft oder obligatorisch sein muss, zwischen zwei Arten, bei der beide von der Präsenz oder Aktivität der jeweils anderen Art profitieren.
Symbiose
Symbiose: Eine dauerhafte, oft obligatorische Partnerschaft zwischen zwei Arten, bei der beide Arten Vorteile erhalten.
Konkurrenz
Konkurrenz: Zwei konkurrierende Arten kämpfen um die gleichen Ressourcen; dabei können beide Arten geschädigt werden.
Parasitismus
Parasitismus: Der Parasit lebt auf oder in einem Wirt und entzieht ihm Ressourcen. Dies führt nicht unbedingt zum sofortigen Tod des Wirtes, kann ihm aber Schaden zufügen.
Prädation (Räuber-Beute)
Prädation: Die Räuberart ernährt sich von der Beute und tötet diese in der Regel.
Kommensalismus ("Die Gäste")
Kommensalismus: Der Kommensale wird vom Wirt oder von dessen Materialien versorgt, ohne ihn zu verletzen. Gelegentlich kann der Kommensale dem Gastgeber einen gewissen Nutzen bringen.
Mieter (Inquilinismus)
Mieter / Inquilinismus: Eine Art findet Unterschlupf in der Struktur des Wirtes. Der Mieter profitiert, während der Wirt weitgehend indifferent bleibt.
Biom
Biom: Eine große Flächenausdehnung mit eigenen ökologischen Merkmalen.
Terrestrische Biome
Terrestrische Biome sind durch Klima und Vegetation geprägt. Sie werden gewöhnlich wie folgt eingeteilt:
Tundra
Lage und Klima: Die Tundra liegt in der nördlichen Hemisphäre, oft nördlich des Polarkreises (etwa ab 66° N), sowie in kalten Hochgebieten wie Teilen Zentralasiens und des Himalaya. Es herrscht polares Klima.
- Niederschlag: Geringe Niederschläge, meist als Schnee.
- Ökologische Besonderheiten: Produktion, Biomasse und biologische Vielfalt sind gering; im Sommer zieht eine Vielzahl wandernder Arten ein. Niedrige Temperaturen verlangsamen die Aktivität der Zersetzer, sodass sich viel organische Substanz im Boden ansammelt.
- Vegetation: Der Boden ist größtenteils dauerhaft kalt und oft mit Schnee bedeckt; Permafrost verhindert tiefes Eindringen von Wasser. Vegetation besteht aus bodennahen Sträuchern, krautigen Pflanzen, Flechten und Moosen.
- Fauna: Große Pflanzenfresser wie Elche und Rentiere sowie verschiedene Säugetiere und Vögel kommen vor.
Taiga
Lage und Klima: Die Taiga erstreckt sich südlich der Tundra in Kanada, Nordeuropa und Sibirien. Die Winter sind kalt und trocken, die Sommer kurz und mild; es gibt das ganze Jahr über Niederschläge.
- Ökologische Besonderheiten: Die Biomasseproduktion ist hoch; im Winter ist die Produktivität stark reduziert, im Frühjahr kommt es zu einem deutlichen Maximum.
- Vegetation: Dichte boreale Nadelwälder, vor allem Kiefern und Fichten/Tannen.
- Fauna: Tiere sind an Wärmeerhalt und an das Aushalten kalter Winter angepasst. Viele Arten überwintern, sammeln Vorräte oder ziehen fort (Zugvögel).
Prärien und Steppen
Lage und Klima: Diese Biome gedeihen in flachen Regionen mit kontinentalem Klima und kommen auf fünf Kontinenten vor. Die Winter sind kalt, die Sommer trocken und heiß; Niederschläge sind selten.
- Ökologische Besonderheiten: Die Biomasse ist oft dicht, und die Produktivität kann relativ hoch sein, sodass große Herden von Pflanzenfressern existieren.
- Vegetation: Vorherrschend krautige Pflanzen (Gräser).
- Fauna: Große Herden von Pflanzenfressern und die zugehörigen Raubtiere; viele Tiere leben oft in Höhlen oder unterirdischen Bauten.
Laubwald
Lage und Klima: Laubwälder finden sich in vielen Teilen Europas (von der Iberischen Halbinsel bis zum nördlichen Schwarzen Meer), in großen Teilen der östlichen USA, in Ostchina, Korea und dem nördlichen Japan. Charakteristisch sind kalte Winter und milde Sommer sowie regelmäßige Niederschläge ohne längere Dürreperioden.
- Ökologische Besonderheiten: Hohe Biomasse durch dichte Waldbestände; Produktion ist im Winter reduziert und im Frühling und Sommer hoch. Artenvielfalt ist groß aufgrund vielfältiger wirbelloser Fauna und reichlich Unterwuchs, Moosen und Flechten.
- Vegetation: Dichte Laubwälder mit Bäumen wie Buche, Eiche, Kastanie u. a.
- Fauna: Üppige Vegetation unterstützt eine vielfältige Tierwelt.
Tropischer Regenwald
Lage und Klima: Tropische Regenwälder erstrecken sich in einem breiten Gürtel um den Äquator, z. B. in Teilen Ecuadors, Südamerikas, Südostasiens und Nordaustraliens. Das Klima ist ganzjährig warm mit kontinuierlich reichlich Niederschlag.
- Ökologische Besonderheiten: Große Biomasse, aber aufgrund intensiver Zersetzungsaktivität im Boden ist die Nettoproduktion oft relativ gering im Verhältnis zur Bruttoproduktion (hohe Atmungsraten der Produzenten und Zersetzer).
- Vegetation und Tierwelt: Der Dschungel ist stark vertikal geschichtet; jede Schicht hat eine eigene Flora und Fauna mit komplexen ökologischen Beziehungen.
Mediterraner Wald
Lage und Klima: Entwickelt in Ländern des Mittelmeerraums sowie in Teilen Kaliforniens, Australiens und Chiles. Milde Winter mit moderatem Niederschlag und heiße, trockene Sommer; Niederschläge konzentrieren sich auf Frühling und Herbst.
- Ökologische Besonderheiten: Biomasse und Diversität sind relativ hoch.
- Vegetation: Xerophile (trockenheitsangepasste) Pflanzen mit harter Borke, dichten Büschen und oft immergrünen Blättern.
- Fauna: Vorwiegend mediterrane Vogelarten, Insekten, Reptilien und Säugetiere, die sich von Samen, Früchten und Kräutern ernähren.
Savanne
Lage und Klima: Savannen nehmen große Flächen in Afrika, Australien, Südamerika und Indien ein. Sie weisen zwei ausgeprägte Jahreszeiten auf: eine trockene und eine regenreiche Saison; die Temperaturen sind das ganze Jahr über hoch.
- Ökologische Besonderheiten: Die Biomasse ist nicht sehr groß, aber die Produktivität kann in der Regenzeit hoch sein. Trotz geringer Biomasse kann die biologische Vielfalt hoch sein.
- Vegetation: Vorherrschend krautige Vegetation mit vereinzelten Büschen und Bäumen wie Akazien und Baobabs.
- Fauna: Große pflanzenfressende Säugetiere, wandernde Arten und die zugehörigen räuberischen Tiere.
Wüsten
Lage und Klima: Wüsten umfassen tropische, subtropische und kalte aride Gebiete, z. B. die Atacama-Wüste oder hochgelegene trockene Regionen wie Teile Tibets. Niederschläge sind extrem gering; die Temperatur kann tagsüber sehr hoch und nachts sehr niedrig sein.
- Ökologische Besonderheiten: Biomasse und Produktion gehören zu den niedrigsten aller Biome. Die Artenvielfalt ist gering und konzentriert sich auf an Trockenheit angepasste Organismen.
- Vegetation: Sehr spärliche Vegetation, meist Sträucher, Gräser und Sukkulenten wie Kakteen.
- Fauna: Tiere und Pflanzen sind speziell an Wassermangel und extreme Temperaturen angepasst.