Landwirtschaft und Agrarlandschaften in Spanien
Die landwirtschaftliche Tätigkeit
Die traditionelle Landwirtschaft basierte auf Polykultur-Techniken und extensiven Systemen, die zu geringen Erträgen führten. Die heutige Landwirtschaft hat große Veränderungen in Struktur und Produktion erfahren, was zu einer deutlichen Steigerung der Erträge geführt hat.
1 Agrarstruktur und jüngste Transformationen
- a) Spezialisierung: Die Landwirtschaft neigt dazu, sich auf die besten Produkte der jeweiligen Region zu spezialisieren.
- b) Moderne Techniken: Die Kultur umfasst moderne Methoden: Einsatz von ausgewähltem oder gentechnisch verändertem Saatgut, Pestiziden, Düngemitteln und Maschinen, um natürliche Einschränkungen zu überwinden.
- c) Intensive Landwirtschaft: Diese gewinnt gegenüber der extensiven Form an Bedeutung, bedingt durch die Reduzierung der Brache in Trockengebieten und die Ausweitung der Bewässerung. Stilllegung ist eine traditionelle Praxis, bei der das Land zeitweise ruht. Bewässerung bezeichnet die künstliche Wasserzufuhr für Nutzpflanzen durch Oberflächen- oder Grundwasser.
2 Landwirtschaftliche Produktion
Die Landwirtschaft trägt zwischen 60 % und 65 % zur gesamten spanischen Agrarproduktion bei. Die Veränderungen der verschiedenen Kulturen resultieren aus der Notwendigkeit, auf dem europäischen und dem Weltmarkt zu konkurrieren.
- a) Getreide: Pflanzen für den menschlichen Verzehr, vorwiegend in Trockengebieten der Halbinsel angebaut.
- b) Hülsenfrüchte: Dienen als Futter für den menschlichen Verzehr (grün oder trocken) sowie für Vieh. Die Anbaufläche deckt sich weitgehend mit der des Getreides.
- c) Weinbau: Anbau in Trockengebieten; Schwerpunkt liegt in Kastilien-La Mancha.
- d) Olivenbaum: Baumkultur in Trockengebieten zur Öl- und Tafelolivenproduktion, vor allem in Andalusien. Die Erträge sind aufgrund der Vecera (Wechsel von guten und schlechten Erntejahren) variabel.
- e) Gartenbaukulturen: Frischverzehr oder industrielle Konservierung, konzentriert auf bewässerte Gebiete der Halbinsel und Inseln.
- f) Handelsgewächse: Industrielle Verarbeitung (z. B. Sonnenblumen, Zuckerrüben), konzentriert auf die bewässerte südliche Halbinsel.
- g) Futterpflanzen: Bestimmt für die Viehfütterung, konzentriert auf die Trockengebiete der nördlichen Halbinsel.
Die Tierhaltung
Die aktuelle Tierhaltung hat wichtige Veränderungen erfahren, die zu höheren Erträgen führten:
- a) Spezialisierung: Fokus auf Fleisch- oder Milchproduktion.
- b) Automatisierung: Zunehmender Einsatz von Technik, wie z. B. Melkmaschinen.
- c) Intensivtierhaltung: Gewinnt gegenüber der extensiven Haltung an Bedeutung. Die industrielle Tierhaltung ist unabhängig von der physischen Umgebung, findet im Stall statt und basiert auf zugekauftem Futter.
2 Vieharten und Transformationen
- a) Rinder: Beschäftigt in der Milch- und Fleischproduktion. Die Fleischproduktion steht unter Konkurrenz durch billigeres Schweine- und Geflügelfleisch.
- b) Schafe: Produktion von Wolle, Fleisch und Milch. Bevorzugte Lage sind die Trockengebiete der Halbinsel.
- c) Schweinehaltung: Fokus auf Fleisch für den frischen und verarbeiteten Konsum; die Produktion ist aufgrund der hohen Nachfrage gestiegen.
- d) Geflügelzucht: Produktion von Eiern und Fleisch, zentriert in Katalonien, Kastilien-León und Aragonien.
Forstwirtschaftliche Tätigkeit
Die Waldfläche umfasst 18,8 Millionen Hektar. Die wichtigsten Arten sind Laubhölzer und Koniferen. Das Hauptziel ist die Produktion von Schnittholz für die Bau- und Möbelindustrie. Die GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) fördert die Aufforstung und Waldwirtschaft.
Die Landschaft von Spanien
Agrarlandschaft der nassen Nordhalbinsel
Umfasst den Norden und Nordwesten der Iberischen Halbinsel.
- Struktur: Geringe Bevölkerungsdichte, Kleinbauernbetriebe.
- Landwirtschaft: Fokus auf Gartenbau und Futterrüben.
- Tierhaltung: Wichtigste Tätigkeit, begünstigt durch Klima und städtische Nachfrage nach Fleisch und Milch.
- Forstwirtschaft: Wichtiger Wirtschaftszweig für die Möbelindustrie.
Agrarlandschaft des Binnenlandes
Umfasst das Hochland und das Ebro-Tal.
- Struktur: Überwiegend arme, ältere bäuerliche Bevölkerung.
- Landwirtschaft: Unterschiede zwischen extensivem Regenfeldbau und intensiver Bewässerung.
- Tierhaltung: Wichtig in der Trockenzeit auf Weiden und Stoppelfeldern (Schafe).
Mediterrane Kulturlandschaft
Umfasst die Mittelmeerküste, das Guadalquivir-Tal und die Balearen.
- Landwirtschaft: Trockenfeldbau (Getreide, Trauben, Oliven, Mandeln) und bewässerte Flächen (Obst, Gartenbau).
- Tierhaltung: Rinder und Schweine in Katalonien, Schafe in Trockengebieten.
Berglandschaft
Geprägt durch extreme physische Umweltbedingungen, geringe Bevölkerungsdichte und Abwanderung. Vielfältige, sich ergänzende Nutzungen (Landwirtschaft, extensive Tierhaltung, Forstwirtschaft).
Agrarlandschaft der Kanarischen Inseln
Vulkanische Landschaft. Landwirtschaftliche Flächen sind knapp. Küstengebiete sind auf exportorientierte Monokulturen spezialisiert, während im Landesinneren traditioneller Regenfeldbau dominiert.
Dynamik des ländlichen Raums
Neue Nutzungen
Dezentralisierung führt zu neuen Wohn-, Industrie-, Dienstleistungs- und kulturellen Nutzungen.
Krise des ländlichen Raums
Ursachen sind der Bevölkerungsrückgang, der sinkende Beitrag zum BIP und der abnehmende Anteil der Landwirtschaft am Außenhandel.
Probleme und Entwicklungspolitik
Herausforderungen werden durch die EU, den spanischen Staat und die Autonomen Gemeinschaften adressiert. Die Probleme umfassen demografische, wirtschaftliche, soziale (Ausstattung/Lebensqualität) und ökologische Aspekte.