Leitfaden zur Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz

Berufliche Orientierung und Arbeitslehre6,08 KB

Konzept der Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

Wir können Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit als die Gesamtheit aller Maßnahmen definieren, die während der Durchführung der Arbeit getroffen werden, um die Arbeiter vor den Risiken von Verletzungen und Krankheiten zu schützen. Dies umfasst:

  • Innerhalb der Arbeitsgruppe: Sicherheit direkt am Einsatzort.
  • Wegeunfall (Itinere): Unfälle, die sich auf dem Weg von der Wohnung zur Arbeitsstätte oder umgekehrt ereignen.

Terminologie

Eines der Probleme bei der Beschreibung der Materie ist ihre Terminologie. Ursprünglich hieß es „Industriehygiene“, was jedoch als unzureichend für andere Bereiche wie Landwirtschaft oder Handel empfunden wurde. Das Konzept „Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit“ ist am treffendsten, da es aus zwei Säulen besteht:

  1. Vermeidung von Arbeitsunfällen (Sicherheit).
  2. Bekämpfung von Berufskrankheiten (Hygiene).

Gefährdung am Arbeitsplatz

Risiko ist die Möglichkeit, dass ein Schaden eintritt. Alle mit der Arbeit verbundenen Gefahren, die zu einem Unfall oder einer Berufskrankheit führen können, werden als Arbeitsrisiken bezeichnet.

Art der Schadstoffe

Diese reichen von physikalischen Stoffen bis hin zu komplexen Verbindungen:

  • Gase und Dämpfe: Flüchtige Substanzen in der Luft.
  • Partikel: Feststoffe oder Flüssigkeiten wie Staub, Rauch, Dunst und Nebel.
  • Komplexe Stoffe: „Smoke“ oder „Smog“. Smoke entsteht durch unvollständige Verbrennung (z. B. Autoabgase). Smog ist eine Kombination aus Verbrennungsprodukten und spezifischen Witterungsbedingungen, die gefährlich sein kann.

Aufnahmewege für Schadstoffe

  • a) Inhalation: Über die Atmungsorgane (Nase, Mund, Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien, Alveolen).
  • b) Dermal: Über die gesamte Hautoberfläche (Epidermis).
  • c) Verdauungstrakt: Über Mund, Speiseröhre, Magen und Darm.
  • d) Muköse Resorption: Eindringen durch die Bindehaut der Augen.
  • e) Parenteral: Eindringen durch Verletzungen der Haut (offene Wunden, Stiche oder Injektionen).

Risikoquellen und Gefahrenidentifikation

Gefährdungen entstehen durch die Arbeit selbst. Die Arbeit muss keine Gefahr darstellen, sofern Regeln für deren Umsetzung beachtet werden. Die Identifikation von Risiken ist unumgänglich, um Schäden für Arbeitnehmer zu vermeiden. Man unterscheidet:

  • Objektive Faktoren: Maschinen, Werkzeuge und Umgebungsbedingungen.
  • Subjektive Faktoren: Vom Menschen ausgehende Gefahren.

Berufsbedingte Gefahren (Occupational Hazards)

  • a) Elektrische, mechanische oder thermische Elemente, die unzureichend geschützt sind.
  • b) Mangelhafte Arbeitsbereiche: enge Passagen, rutschige Böden oder scharfe Kanten.
  • c) Unfälle beim Laden, Heben und Tragen (z. B. Kräne, Aufzüge); häufigstes Risiko: Quetschungen.
  • d) Handhabung von heißen Materialien oder ätzenden Säuren.
  • e) Arbeiten in der Höhe (Sturzgefahr).
  • f) Handverletzungen durch Arbeiten ohne Handschuhe (Stahl, Draht, Glaspartikel).
  • g) Ungeeignete Kleidung: lange Ärmel (Einzugsgefahr), High Heels oder abgetragene Schuhe.

Gefahren durch subjektive Faktoren

  1. Unvollständige oder falsche Anweisungen.
  2. Unfähigkeit des Arbeitnehmers (mangelnde Erfahrung oder Unwissenheit).
  3. Disziplinlosigkeit und Befehlsverweigerung.
  4. Mangelnde Konzentration oder Ablenkung.
  5. Unsichere Praktiken (z. B. das Umgehen von Sicherheitsvorkehrungen für mehr Schnelligkeit).
  6. Unvorsichtigkeit durch Selbstüberschätzung.
  7. Psychische und soziale Faktoren: Sorgen, Stress und Diagnosen.

Berufsschäden (Damage Professionals)

Wenn potenzielle Gefahren eintreten, entstehen Berufsschäden. Diese werden wie folgt klassifiziert:

  • a) Spezifische Arbeitspathologien: Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten.
  • b) Unspezifische Arbeitspathologien: Müdigkeit, Unzufriedenheit und vorzeitiges Altern.

Unfall und Berufskrankheit: Konzepte

Ein Arbeitsunfall ist eine Körperverletzung, die der Arbeitnehmer in Verbindung mit oder infolge seiner Arbeit erleidet. Eine Berufskrankheit entsteht durch die Einwirkung von Stoffen oder Operationen im rechtlichen Rahmen des Berufs, die zu einer dauerhaften Behinderung oder zum Tod führen können.

Unterschied zwischen Unfall und Berufskrankheit

  • Zeitlicher Verlauf: Ein Unfall geschieht plötzlich und gewaltsam; eine Berufskrankheit entwickelt sich langsam und schleichend.
  • Vorhersehbarkeit: Unfälle sind spontan und unangemeldet; Berufskrankheiten sind oft unvorhersehbar in ihrem Ausbruch.
  • Folgen: Unfallfolgen sind unmittelbar; Krankheiten können lange unentdeckt bleiben, bis sie plötzlich den Körper beeinträchtigen.

Merkmale und Folgen des Unfalls

Merkmale sind Seltenheit, spezifische Ursachen, Zufälligkeit und Multikausalität (Zusammentreffen mehrerer Ursachen). Die Folgen werden unterteilt in:

  • Schweregrad: Leicht, ernst, sehr ernst oder tödlich.
  • Vorübergehende Behinderung: Arbeitsunfähigkeit für 12 bis maximal 18 Monate.
  • Dauernde Erwerbsunfähigkeit: Unterteilt in 1. Teilweise, 2. Total für den regulären Beruf, 3. Absolut für jede Arbeit, 4. Schwerstbehinderung.

Die Bewertung erfolgt durch das EVI (Disability Assessment Team).

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