Luis Martín-Santos und sein Meisterwerk Tiempo de Silencio

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Luis Martín-Santos: Leben und wissenschaftlicher Hintergrund

Luis Martín-Santos Ribera wurde 1924 in Larache (Marokko) geboren. Nach fünf Jahren zog er jedoch nach San Sebastián, wohin sein Vater als Militärarzt versetzt worden war. Er absolvierte sein Studium an einer religiösen Schule in der Hauptstadt San Sebastián. Später studierte er Medizin und promovierte 1947 in Madrid (Salamanca). Zunächst praktizierte er als Chirurg beim Nationalen Forschungsrat (eine Tätigkeit, die in Tiempo de silencio verspottet wird). Er verließ diesen Weg jedoch, um sich sowohl in Madrid als auch in Deutschland auf die Psychiatrie zu spezialisieren.

Nach seiner Rückkehr gewann er den Posten des Direktors des psychiatrischen Krankenhauses in San Sebastián. Er hielt sich jedoch häufig in Madrid auf, wo er Freunde wie Sánchez Ferlosio, Aldecoa, Sastre und Juan Benet hatte. Auf der anderen Seite bewegte er sich in Kreisen der politischen Opposition (er war in der Sozialistischen Partei aktiv), was dazu führte, dass er mehrere Male verhaftet wurde. Im Frühjahr 1964 kam er bei einem Autounfall ums Leben.

Intellektuelle Einflüsse und literarische Bildung

Luis Martín-Santos war ein Mann von außergewöhnlicher Intelligenz. Seine fundierte wissenschaftliche Ausbildung verband er mit einer soliden philosophischen Bildung, deren Pole der Existentialismus und der Marxismus waren (als Psychiater praktizierte er die „existenzielle Psychoanalyse“). Er gestand eine besondere Bewunderung für Sartre, eine Tatsache, die bei der Prüfung seiner Arbeit berücksichtigt werden muss.

Seine literarische Ausbildung war sehr umfangreich und reichte von den griechischen Klassikern bis hin zu neueren Autoren. Er kannte die spanischen Klassiker gut und hegte einen besonderen Eifer für Cervantes (was in seiner Arbeit bestätigt wird). In Bezug auf zeitgenössische Romanciers zeigte er großes Interesse an Kafka, Faulkner und dem „Nouveau Roman“. Besonders hervorzuheben ist seine Bewunderung für James Joyce: Er kannte den Ulysses sehr genau und betrachtete dessen Verfahren als genialen Beitrag für die moderne Literatur.

Das Hauptwerk: Tiempo de silencio

In Bezug auf seine Arbeit muss man Folgendes beachten: Tiempo de silencio erschien 1962 (obwohl die erste Auflage von 1961 datiert) und löste zunächst Verwunderung und Unverständnis aus. Bald jedoch folgte eine begeisterte Bewertung: Die Kritik empfand, dass sich ein neuer Weg eröffnet hatte. Man erwartete neue Früchte des Talents des Autors, als die Nachricht von seinem Tod eintraf.

Die Geschichte hat viele melodramatische Elemente mit einem Hauch von Thriller. Es ist ein Konglomerat von Ereignissen. Besonders hervorzuheben sind die sozialen Gegensätze (von der Hütte bis zur prunkvollen Residenz). Ein wesentlicher Aspekt in der Arbeit ist die Ironie.

Sprache, Stil und Charakterisierung

Seine Sprache ist voll von barockem Kultismus; wie die Figur Pedro verwendet er häufig medizinische Fachbegriffe. In den Hütten wird hingegen ein vulgäres Vokabular verwendet, das charakteristisch für die dortige Umgebung ist. In diesem Roman ist die Hauptfigur Pedro. Über seine Vergangenheit und Gegenwart erfahren wir wenig; wir kennen nur seine Forschungsprojekte. Er erscheint entwurzelt, schwankt zwischen Neid auf die Reichen und Abscheu vor dem Elend und oszilliert zwischen Sympathie und Ekel. Sein Verhalten ist von Widersprüchen geprägt, die nicht vollständig überwunden werden. Er ist nicht in der Lage, die Kontrolle über sein eigenes Schicksal zu gewinnen. Es scheint, dass dieser Charaktertypus nach diesem Roman auch von anderen Autoren übernommen wurde. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf Entwurzelung, Ohnmacht und Frustration.

Weitere Charaktere des Romans:

  • Matías: Eine oberflächliche und nutzlose Person.
  • Die Wirtin: Eine Frau von großer moralischer Degradation.
  • Florita, die Grimassen, Prostituierte, Cartridge etc.: Repräsentanten der niedrigsten sozialen Ebene.

Soziales Spektrum und dialektischer Realismus

Soziales Spektrum: Der Roman zeigt einen brutalen Kontrast zwischen den einander gegenüberstehenden sozialen Schichten (vom Vorstadt-Wohnzimmer bis zum Elendsviertel). Auch werden in diesem Buch historische Bezüge auf das Spanien der Vergangenheit hergestellt und aufgezeigt, wie die Geschichte des Dorfes begründet wurde.

Die Arbeit wird mit einem dialektischen Realismus behandelt; sie versucht nicht nur ein Zeugnis zu sein, sondern komplexe und widersprüchliche Elemente darzustellen. Es gibt eine Kluft zwischen dem Autor und dem Erzähler. In einigen Fällen wird den Figuren das Wort erteilt (Monologe), in anderen werden die Ereignisse aus der Sicht des Protagonisten oder zumindest aus der Sicht des Erzählers geschildert.

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