Medizinische Ethik und Disziplinarverfahren in Kolumbien
Teil III: Kontrollinstanzen und Disziplinarsystem
Kapitel I: Medizinischer Verband und Ethikgerichte
Artikel 62: Anerkennung der Föderation
Die Regierung erkennt hiermit die Kolumbianische Medizinische Föderation als beratende Institution des Staates an.
Artikel 63: Nationales Medizinisches Ethikgericht
Es wird das Nationale Medizinische Ethikgericht der Republik mit Sitz in der Hauptstadt geschaffen. Es ist befugt, ethisch-professionelle Disziplinarverfahren zu führen, die sich aus der Ausübung der Medizin in Kolumbien ergeben.
Artikel 64: Zusammensetzung des Gerichts
Das Nationale Medizinische Ethikgericht besteht aus fünf Ärzten, die vom Gesundheitsministerium aus einer Liste von zehn Kandidaten ernannt werden. Davon werden jeweils drei von der Kolumbianischen Medizinischen Föderation, drei von der Nationalen Akademie für Medizin und vier von den gesetzlich zugelassenen medizinischen Fakultäten vorgeschlagen.
Artikel 65: Anforderungen an die Mitglieder
Um Mitglied des Nationalen Medizinischen Ethikgerichts zu werden, ist erforderlich:
- a) Anerkannte moralische und berufliche Qualifikationen zu besitzen.
- b) Die Medizin seit mindestens fünfzehn Jahren auszuüben oder mindestens fünf Jahre lang eine Professur an einer staatlich anerkannten medizinischen Fakultät innegehabt zu haben.
Artikel 66: Amtszeit und Ernennung
Die Mitglieder des Nationalen Medizinischen Ethikgerichts werden für einen Zeitraum von zwei Jahren ernannt, können wiedergewählt werden und legen ihren Amtseid vor dem Gesundheitsminister ab.
Artikel 67: Regionale Ethikgerichte
In jedem Departement, jeder Intendanz (Quartiermeisteramt) und jeder Kommissarie wird eine Sektion des ethisch-professionellen Gerichts eingerichtet.
Artikel 68: Sektionale Ethikgerichte
Das Sektionale Medizinische Ethikgericht besteht aus fünf Medizinern. Diese werden vom Nationalen Ethikgericht gemäß den Bestimmungen von Artikel 73 aus Listen gewählt, die von den zuständigen medizinischen Hochschulen eingereicht werden. Jede Liste muss mindestens zehn Fachkräfte enthalten, sofern im jeweiligen Hoheitsgebiet genügend qualifizierte Personen vorhanden sind.
Artikel 69: Qualifikation für Sektionalgerichte
Für die Mitgliedschaft in einem Sektionalen Medizinischen Ethikgericht ist erforderlich:
- a) Anerkannte moralische und fachliche Qualifikationen zu besitzen.
- b) Die Medizin seit mindestens zehn Jahren auszuüben oder seit mindestens fünf Jahren eine Universitätsprofessur an einer gesetzlich anerkannten medizinischen Fakultät innegehabt zu haben.
Artikel 70: Amtszeit der Sektionalmitglieder
Die Mitglieder der Sektionalen Medizinischen Ethikgerichte werden für einen Zeitraum von zwei Jahren ernannt (verlängerbar) und legen ihren Amtseid vor der primären politischen Autorität oder deren Delegierten ab.
Artikel 71: Fachliche Vielfalt
Die Mitglieder der nationalen und sektionalen Gerichte für Berufsethik sollen nach Möglichkeit verschiedene medizinische Fachrichtungen repräsentieren.
Kapitel II: Disziplinarverfahren in der Berufsethik
Artikel 72: Ernennungsverfahren und Einwände
Das Nationale Medizinische Ethikgericht übermittelt dem Gesundheitsministerium die Namen der gewählten Mitglieder, damit dieses gegebenenfalls Einwände gegen eine Ernennung prüfen kann. Die Ernennung wird rechtswirksam, wenn innerhalb von dreißig Arbeitstagen nach Eingang der Mitteilung beim Ministerium keine Einwände erhoben wurden.
Artikel 73: Status der Gerichtsmitglieder
Die ethisch-professionellen Gerichte nehmen bei der Ausübung ihrer gesetzlichen Befugnisse eine öffentliche Funktion wahr. Ihre Mitglieder erlangen jedoch allein durch diese Tatsache nicht den Status von Beamten.
Artikel 74: Einleitung des Disziplinarverfahrens
Das ethisch-professionelle Disziplinarverfahren wird eingeleitet:
- a) Von Amts wegen, wenn ein Mitglied des Gerichts Kenntnis von einer mutmaßlichen Verletzung der Regeln dieses Gesetzes erhält.
- b) Auf Antrag einer öffentlichen oder privaten Einrichtung oder einer beliebigen Person.
In jedem Fall muss der Antrag mindestens eine Zusammenfassung der Beweise enthalten, die auf einen Widerspruch zur medizinischen Ethik hindeuten.
Artikel 76: Weiterleitung an andere Behörden
Wenn nach Meinung des Obersten Gerichtshofs oder des Untersuchungsführers der Inhalt des Berichts die Vermutung einer Verletzung straf-, zivil- oder verwaltungsrechtlicher Vorschriften zulässt, werden die Fakten parallel zur disziplinarischen Untersuchung der zuständigen Behörde zur Kenntnis gebracht.
Artikel 78: Fristverlängerung für Berichte
Sofern die Natur der Sache es erfordert, kann der Untersuchungsführer beim Gericht eine Verlängerung der Frist für die Einreichung des Berichts beantragen. Diese Verlängerung darf fünfzehn Tage nicht überschreiten.
Artikel 79: Prüfung des Ergebnisberichts
Nach Vorlage des Ergebnisberichts befasst sich das Plenum innerhalb von fünfzehn Arbeitstagen nach Antragstellung damit. Gegebenenfalls kann eine Verlängerung der Informationsfrist vermerkt werden, die keinesfalls 15 Tage überschreiten darf.
Artikel 80: Entscheidungsfindung des Gerichts
Nach Untersuchung und Auswertung des Berichts trifft das Gericht eine der folgenden Entscheidungen:
- a) Feststellung, dass kein Grund für eine Anklage wegen Verletzung der ärztlichen Ethik gegen den Beschuldigten vorliegt.
- b) Feststellung, dass Gründe für eine Anklage wegen Verletzung der ärztlichen Ethik vorliegen. In diesem Fall wird der Beschuldigte schriftlich über die mutmaßlichen Handlungen informiert sowie Datum und Uhrzeit für die Anhörung zur Verteidigung (Widerlegung) vor dem Plenum festgesetzt.
Artikel 81: Ergänzende Informationen
Nach der Anhörung zur Verteidigung kann das Gericht eine Verlängerung der Informationsbeschaffung für eine Frist von höchstens fünfzehn Arbeitstagen festlegen, um weitere Sachverhalte zu klären.
Artikel 82: Anwendung der Strafprozessordnung
In Angelegenheiten, die nicht durch dieses Gesetz geregelt sind, werden die einschlägigen Vorschriften der Strafprozessordnung ergänzend angewandt.