Moralphilosophische Ansätze und Nietzsches Kritik
Positionen zu moralischen Begriffen
Es gibt drei wesentliche moralische Ansätze:
1. Der göttliche Ansatz
Dieser Ansatz basiert auf einem göttlichen Charakter. Unter Berufung auf einen oder mehrere Götter, die sich offenbart haben, erfahren wir durch den Glauben an diese Offenbarung, was richtig und was falsch ist. Der Wille Gottes dient hier als Orientierung für das menschliche Verhalten. Die Ethik wird somit zu einem göttlichen Problem, da sie als ein übergeordnetes Gesetz verkündet wird, das für alle Menschen und Regionen gilt, jedoch primär für Gläubige verpflichtend ist.
2. Die rationale Begründung
Dieser Ansatz sucht nach einer Begründung durch die menschliche Vernunft, ohne sich auf Gott zu berufen. Ein Beispiel hierfür ist Immanuel Kants kategorischer Imperativ. Kants zentrale Frage lautet: „Was soll ich tun?“ Er formulierte das Prinzip, dass man nur nach derjenigen Maxime handeln soll, von der man wollen kann, dass sie ein allgemeines Gesetz wird.
3. Das Prinzip des Nutzens (Utilitarismus)
Dieser Ansatz basiert auf dem Prinzip des größtmöglichen Glücks für die größtmögliche Zahl an Menschen. Während Kants Ethik auf dem Pflichtbegriff beruht und keine Ausnahmen zulässt, fokussiert sich dieser Ansatz auf das Ergebnis. Oft fallen das Glücksprinzip und Kants Pflichtethik zusammen, doch der Utilitarismus versucht, die Ethik von der Religion zu lösen und eine Säkularisierung zu rechtfertigen.
Nietzsches Position zu moralischen Begriffen
Friedrich Nietzsche analysiert die klassische Kultur vor dem Auftreten der großen Religionen:
- Die ursprüngliche Bedeutung von „gut“: Ursprünglich bezeichnete das Wort „gut“ die Mächtigen und Starken, die sich selbst als solche identifizierten.
- Die Bedeutung von „schlecht“: Das Wort „schlecht“ wurde für die Schwachen, Kranken und Feigen verwendet.
Die Starken empfanden keinen Hass gegenüber den Schwachen, sondern sahen sich als die natürlichen Herrscher. Nietzsche argumentiert, dass aus dem Neid der Schwachen gegenüber den Mächtigen ein Gefühl des Hasses entstand. Da die Schwachen die Mächtigen nicht stürzen konnten, erfanden sie Legenden von Rettern und ein Leben nach dem Tod, in dem die Rollen vertauscht werden – der Ursprung von Himmel und Hölle.
Nietzsche sieht in der klassischen griechischen Tragödie zwei Prinzipien der Realität:
- Dionysisch: Die Werte des Lebens und des Geistes.
- Apollinisch: Die Werte der Vernunft.