Muskelgewebe: Struktur, Typen und Funktionen
Muskelgewebe: Grundlagen
Muskelgewebe besteht aus kontraktilen Zellen, die aus dem Mesoderm stammen. Sie bilden längliche Fasern, die auf Kontraktion spezialisiert sind. Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Glatte Muskulatur (Leiomiofibras)
- Gestreifte Muskulatur (Rabdomiofibras): Skelett- und Herzmuskulatur
Glatte Muskulatur
Struktur und Verteilung
Glatte Muskelzellen sind spindelförmig, verlängert und besitzen ein homogenes, eosinophiles Zytoplasma. Sie haben meist einen zentralen Kern mit kondensiertem Chromatin. Die Zellen sind durch eine Basallamina begrenzt, in die Retikulinfasern eingebettet sind.
Vorkommen:
- Einzeln: Skrotum, Brustwarze, Duodenum-Zotten.
- Gruppiert: Blutgefäße, Magen-Darm-Trakt, Atemwege.
- Muskelbündel: Auge, Musculus arrector pili.
Innervation und Kontraktion
Die Innervation erfolgt durch das vegetative Nervensystem. Man unterscheidet:
- Unitäre Kontraktion: Eine Nervenfaser pro Muskelzelle.
- Multi-unitäre Kontraktion: Kontraktionssignale werden über Gap Junctions von Zelle zu Zelle übertragen.
Der Kontraktionsmechanismus basiert auf dem Gleiten der Myofilamente, reguliert durch Hormone (z. B. Oxytocin, Adrenalin) und Nervenimpulse.
Gestreifte Skelettmuskulatur
Aufbau und Organisation
Die Skelettmuskulatur macht 30–40 % des Körpergewichts aus. Das Gewebe ist durch Bindegewebshüllen strukturiert:
- Endomysium: Umgibt jede einzelne Zelle.
- Perimysium: Umgibt eine Gruppe von Zellen.
- Epimysium: Umgibt den gesamten Muskel.
Ultrastruktur
Die Zellen (Extrafusalfasern) sind langgestreckt und mehrkernig. Das Sarkoplasma enthält zahlreiche Myofibrillen, die in Sarkomere unterteilt sind. Das T-Tubuli-System und das sarkoplasmatische Retikulum ermöglichen die schnelle Ausbreitung der Depolarisationswelle und die Freisetzung von Calciumionen.
Herzmuskulatur
Strukturmerkmale
Herzmuskelzellen bilden ein dreidimensionales Syncytium. Sie sind durch Glanzstreifen (Disci intercalares) miteinander verbunden. Im Gegensatz zur Skelettmuskulatur besitzen sie keine Satellitenzellen und sind daher nicht regenerationsfähig.
Erregungsleitung
Das Herz besitzt ein spezialisiertes Reizleitungssystem (Sinusknoten, AV-Knoten, His-Bündel, Purkinje-Fasern), das den automatischen Rhythmus des Herzens steuert.
Regeneration von Muskelgewebe
- Glatte Muskulatur: Besitzt mitotische Regenerationsfähigkeit.
- Skelettmuskulatur: Regeneration erfolgt durch Satellitenzellen.
- Herzmuskulatur: Keine Regenerationsfähigkeit; Läsionen führen zur Bildung von Bindegewebe (Narbengewebe).