Phylum Arthropoda: Merkmale und Klassifizierung
Phylum Arthropoda – Die Gliederfüßer
Arthropoden sind Tiere mit vorgeformten Beinen. Diese anatomische Anpassung begünstigt die Fortbewegungsgeschwindigkeit, die Nahrungssuche sowie den Schutz vor Räubern. Die Gruppe umfasst zahlreiche Arten. Sie sind triploblastisch, Protostomier und Acoelomata. Sie besitzen ein Exoskelett aus Chitin, welches sich während der Entwicklung des Tieres durch ein Phänomen namens Ecdysis (Häutung) verändert.
Klassifizierung der Arthropoden
Innerhalb des Stammes der Arthropoden werden fünf Klassen unterschieden:
1. Klasse Insecta (Insekten)
Vertreter: Heuschrecken, Fliegen, Schmetterlinge, Bienen und Mücken.
- Körperbau: Der Körper ist in drei Teile gegliedert: Kopf, Thorax (Brust) und Abdomen (Hinterleib).
- Extremitäten: Sie besitzen drei Beinpaare (Hexapoda). Die meisten haben zwei Paar Flügel (Tetrapoda in Bezug auf die Flügelanzahl).
- Sinnesorgane: Zwei Facettenaugen am Kopf ermöglichen eine ungehinderte Sicht, während vier Ocellen lediglich die Helligkeit identifizieren.
- Mundwerkzeuge: Je nach Lebensweise spezialisiert:
- Leckend (Bienen)
- Stechend-saugend (Mücken)
- Saugend (Schmetterlinge)
- Beißend (Heuschrecken)
- Vitalfunktionen:
- Verdauung: Vollständiges System.
- Atmung: Tracheensystem.
- Kreislauf: Offenes System; die Hämolymphe zirkuliert nicht nur in Gefäßen, sondern auch in Körperlücken.
- Exkretion: Erfolgt durch Malpighische Gefäße.
- Nervensystem: Ganglientyp.
- Fortpflanzung: Sie sind getrenntgeschlechtlich (diözisch). Das Männchen gibt Spermien ab, die in der Samentasche des Weibchens gespeichert werden, bis die Eier zur Befruchtung bereit sind. Sie sind eierlegend (ovipar).
- Entwicklungstypen:
- Ametabol: Direkte Entwicklung; aus dem Ei schlüpfen kleine Wesen mit den gleichen Eigenschaften wie die Erwachsenen (z. B. Motten/Silberfischchen).
- Hemimetabol: Unvollständige Metamorphose; aus dem Ei schlüpfen Nymphen mit kleinen Flügeln und kleinem Körper (z. B. Heuschrecken und Kakerlaken).
- Holometabol: Indirekte Entwicklung mit vollständiger Metamorphose: Ei → Larve → Puppe → Erwachsener (z. B. Schmetterlinge).
2. Klasse Crustacea (Krebstiere)
Vertreter:
- Marine Formen: Garnelen, Krabben, Krebse, Langusten.
- Süßwasser: Flusskrebse (Lagostina).
- Terrestrisch: Rollasseln (Garten-Gürteltier / Tatu-Kugel).
- Merkmale: Hartes Exoskelett, da es neben Chitin auch Calciumsalze enthält. Der Körper ist in zwei Segmente unterteilt: Cephalothorax und Abdomen.
- Extremitäten: Sie haben fünf Beinpaare. Das vordere Paar ist oft als Scheren zur Verteidigung ausgebildet; die anderen vier dienen der Fortbewegung.
- Sinnesorgane: Zwei Paar Antennen und Facettenaugen.
- Abdomen: Beinhaltet den Telson, der wichtig für den Schutz der Eier ist.
- Vitalfunktionen: Vollständiges Verdauungssystem, Kiemenatmung und ein offenes Kreislaufsystem. Das Plasma enthält das kupferreiche Pigment Hämocyanin, welches dem Blut eine blaue Farbe verleiht. Die Exkretion erfolgt über die Grünen Drüsen.
- Fortpflanzung: Getrenntgeschlechtlich. Die Befruchtung führt zur Bildung von Eiern und Larven. Kleine Krebstiere weisen oft eine direkte Entwicklung auf.
3. Klasse Arachnida (Spinnentiere)
Vertreter: Spinnen, Skorpione, Milben, Krätze-Milben und Zecken.
- Besonderheiten: Meist terrestrische Räuber, wichtig für das ökologische Gleichgewicht.
- Körperbau: Unterteilt in Cephalothorax und Abdomen.
- Extremitäten: Vier Paar Laufbeine, keine Antennen (Acenteren). Insgesamt sechs Paar Anhänge:
- 1. Paar: Chelizeren zum Ergreifen der Beute und Injizieren von Gift.
- 2. Paar: Pedipalpen mit sensorischen, ernährungsbezogenen und reproduktiven Funktionen.
- Die letzten vier Paare dienen der Fortbewegung.
- Spinnwarzen: Befinden sich am Abdomen und produzieren Seide für Netze, die zum Fang von Insekten dienen.
- Vitalfunktionen:
- Ernährung: Extrakorporale Verdauung; Enzyme verflüssigen die Nahrung, die dann aufgesaugt wird.
- Atmung: Fächerlunge (Filotraqueal).
- Exkretion: Über Coxaldrüsen (Produkt: Guanin) oder Malpighische Gefäße.
- Kreislauf: Offen, mit Hämocyanin.
- Nervensystem: Ganglientyp.
- Fortpflanzung: Getrenntgeschlechtlich. Das Männchen füllt einen Spermiensack mithilfe der Pedipalpen und injiziert diesen in die Geschlechtsöffnung des Weibchens. Es wird ein Eisack (Ovissaco) voller Eier produziert.
4. & 5. Klasse: Chilopoda und Diplopoda (Tausendfüßer)
Diese Gruppen werden unter dem Begriff Myriapoda zusammengefasst.
- Chilopoda (Hundertfüßer): Ein Beinpaar pro Segment. Sie besitzen Giftklauen am ersten Segment und leben räuberisch.
- Diplopoda (Doppelfüßer): Zwei Beinpaare pro Segment. Sie leben an feuchten Orten unter Steinen, sind harmlos und produzieren Humus.
- Gemeinsame Merkmale: Der Körper ist in Kopf und Rumpf unterteilt. Sie besitzen ein Paar Antennen, ein vollständiges Verdauungssystem, Tracheenatmung, Exkretion über Malpighische Gefäße und ein Gangliennervensystem.