Physiologie der Verdauung: Schlucken, Magen- und Darmsekretion

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Der Schluckakt

Der Schluckvorgang beginnt, sobald die Nahrung zerkleinert und eingespeichelt ist. Der Transport erfolgt vom Mund in den Magen.

Orale Phase

Die orale Phase ist willkürlich steuerbar. Die Zungenspitze bewegt sich gegen den harten Gaumen, die Glottis ist geöffnet und die Speiseröhre ist bereit. Die Nahrung gelangt in den Rachen.

Pharyngeale Phase

Diese Phase ist unwillkürlich und dauert etwa 1 Sekunde. Durch Berührungsreize (stimuliert durch den IX. Hirnnerv) hebt sich der weiche Gaumen und verschließt den Nasopharynx. Die palatopharyngealen Falten bilden einen engen Kanal, um das Schlucken großer Bissen zu verhindern.

Der Kehlkopf hebt sich, sodass die Epiglottis den Eingang zur Luftröhre verschließt. Die Kontraktion des oberen Konstriktormuskels hemmt die Atmung und leitet die Peristaltik ein.

Ösophageale Phase

Die peristaltische Kontraktion setzt sich in der Speiseröhre fort und dauert in der Regel 7 bis 10 Sekunden. Das Schluckzentrum im Hirnstamm (V, IX, X) koordiniert diesen Prozess. Der untere Ösophagussphinkter (LES) wirkt wie ein Ventil, das sich kurz vor Eintreffen der peristaltischen Welle entspannt, um Reflux zu vermeiden.

  • Oberes Drittel: Quergestreifte Muskulatur.
  • Untere zwei Drittel: Glatte Muskulatur.
  • Druckverhältnisse: Der Ruhedruck des oberen Ösophagussphinkters (OES) liegt bei 30 mmHg, entspannt sinkt er auf nahe 0 mmHg, nach der Kontraktion steigt er auf 60 mmHg.

Magensekretion

Die Magensekretion unterteilt sich in drei Phasen, die sich zeitlich überschneiden:

Cephalische Phase (20 % der HCl-Sekretion)

Diese Phase tritt ein, bevor Nahrung den Magen erreicht. Ausgelöst durch Anblick, Geruch oder Geschmack von Lebensmitteln, erreichen neuronale Signale über den Vagusnerv den Magen. Dies führt zur Freisetzung von Acetylcholin (ACh), was wiederum Gastrin und Histamin stimuliert.

Gastrische Phase (70 % der HCl-Sekretion)

Diese Phase findet statt, während sich Nahrung im Magen befindet. Dehnung und chemische Reize stimulieren Mechanorezeptoren, die vagale Reflexe auslösen. Proteinabbauprodukte stimulieren direkt die G-Zellen zur Gastrinfreisetzung. Sinkt der pH-Wert unter 2, wird die Sekretion durch Somatostatin (D-Zellen) gehemmt.

Intestinale Phase (10 % der HCl-Sekretion)

Wenn Nahrung in den Zwölffingerdarm gelangt, beginnt diese Phase. Zunächst stimuliert der Chymus die Gastrinfreisetzung. Im weiteren Verlauf hemmen enterogastrische Reflexe sowie Hormone wie Sekretin, CCK und GIP die Magensäureproduktion.

Darm- und Pankreassekretion

Die Regulation erfolgt primär hormonell, unterstützt durch das Nervensystem.

  • Cephalische Phase (10 %): Gesteuert durch den Vagusnerv (ACh). Stimuliert die Freisetzung von Zymogengranula aus den Azinuszellen.
  • Gastrische Phase (20 %): Gastrin wird durch Dehnung und Proteinprodukte freigesetzt. Der vagovagale Reflex stimuliert den Pankreasfluss.
  • Intestinale Phase (70 %): Antwort auf CCK (enzymreiche Flüssigkeit) und Sekretin (bikarbonatreiche Flüssigkeit).

Gallensekretion

Die Gallenblase kontrahiert, während sich der Sphincter Oddi entspannt. Der stärkste Reiz für die Gallenentleerung ist das Vorhandensein von Fett im Darm, welches CCK freisetzt.

  • Choleretika: Fördern die Gallenbildung (z. B. Gallensäuren).
  • Hydrocholeretika: Fördern die Bikarbonat-reiche Gallensekretion (z. B. Serotonin).
  • Interdigestive Phase: Während der Nüchternphasen wird die Gallenblase durch Motilin zur Kontraktion angeregt, um Gallenstau zu vermeiden.

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