Politische Krisen und Zerfall der Ära Alfons XIII. (1902–1923)
Politische Probleme unter Alfons XIII. (1902–1918)
Im Jahr 1902 beendete Alfons XIII. die Regentschaft seiner Mutter. Seine Regierungszeit war von Instabilität geprägt, die sich in mehreren Phasen entwickelte:
Stufe 1: Die Krise des Parteiensystems (1901–1907)
Nach dem Tod von Cánovas und Sagasta begann der Kampf um die Führung:
- Konservative: Antonio Maura wurde der neue Parteiführer.
- Liberale: Es kam zu internen Machtkämpfen um die Führung.
Das Turnismo (Wechselspiel der Parteien) setzte sich fort, wobei das Ley de Jurisdicciones (Gesetz über die Zuständigkeiten) die Armee stärkte und Kritik an ihr unter Militärgerichtsbarkeit stellte.
Stufe 2: Die Ära von Maura und Canalejas (1907–1912)
Ziel war die Modernisierung des parlamentarischen Systems:
- Regierung Maura (1907–1909): Geprägt durch die Semana Trágica (Tragische Woche) in Barcelona und den Beginn der Marokko-Kampagnen. Die Mobilisierung von Reservisten führte zu einem Generalstreik im Juli 1909, der gewaltsam niedergeschlagen wurde und zum Rücktritt Mauras führte.
- Regierung Canalejas (1909–1912): Er versuchte Reformen, wie das Verbot neuer religiöser Orden und die Reform der Wehrpflicht, wurde jedoch 1912 ermordet.
Stufe 3: Die Ära der Parteienzersplitterung (1913–1918)
Nach dem Tod von Canalejas zerfielen die großen Parteien in verschiedene Fraktionen, was die politische Stabilität weiter schwächte.
Die Krise von 1917
Das Jahr 1917 war durch drei zentrale Probleme gekennzeichnet:
- Revolutionärer Generalstreik: Unzufriedenheit der Arbeiter und Forderungen nach sozialen Reformen.
- Militärjuntas (Juntas de Defensa): Die Armee forderte Gehaltserhöhungen und Beförderungen nach Dienstalter, wobei sie sich von der Arbeiterbewegung distanzierte.
- Parlamentarische Versammlung: Katalanische Nationalisten und andere Gruppen forderten das Ende des Wahlbetrugs und der Zensur.
Der Generalstreik von 1917 scheiterte, da er weder von den Bauern noch vom Bürgertum oder der Armee unterstützt wurde.
Der Zerfall des Canovistischen Systems (1917–1923)
Die Endphase der Restauration war durch folgende Faktoren geprägt:
- Politische Instabilität: Trotz Koalitionsregierungen blieb der Wahlbetrug bestehen.
- Soziale Konflikte: Das „Bolschewistische Triennium“ in Andalusien und Streiks in Katalonien (z. B. „La Canadiense“).
- Das Marokko-Problem: Die militärische Niederlage bei Annual (1921) im Rifkrieg führte zu einer Untersuchung der Korruption in der Armeeführung.
- Der Weg in die Diktatur: Das politische System war am Ende. 1923 führte Miguel Primo de Rivera einen Staatsstreich durch. König Alfons XIII. billigte die Bildung eines Militärdirektoriums, wodurch die Verfassung von 1876 suspendiert wurde.