Der primäre Sektor: Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei
Der primäre Sektor und seine Grundlagen
TOP 6: Der primäre Sektor umfasst alle Aktivitäten, die direkt die Ressourcen der Natur nutzen, wie die Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei, den Bergbau und den Holzeinschlag.
Die Neolithische Revolution
Die Neolithische Revolution markiert den Beginn der Domestizierung von Pflanzen und der Zucht von Tieren zur Gewinnung von Fleisch, Fett und Fell sowie zur Nutzung als Zugtiere.
Struktur landwirtschaftlicher Nutzflächen
Die Elemente, aus denen der Agrarraum besteht, sind kultivierte und bewohnte Flächen. Die Anbaufläche besteht aus einzelnen Parzellen, die als Grundeinheit des Anbaus dienen. Diese werden definiert durch:
- Größe: Klein (weniger als 1 ha), Mittel (zwischen 1 ha und 10 ha) oder Groß (mehr als 10 ha).
- Form: Regulär (geometrisch) oder unregelmäßig (nicht-geometrisch).
- Grenzen: Bocage (die Felder sind durch Hecken, Bäume oder Mauern getrennt) oder Openfield (offene Felder ohne trennende Elemente, die sich nur durch die Ernte unterscheiden).
Siedlungsformen im ländlichen Raum
Es gibt zwei Arten der Besiedlung:
- Siedlung verteilt: Die Häuser sind über das gesamte Feld verstreut.
- Bevölkerung konzentriert: Die Menschen leben in Städten oder Dörfern mit zentralen Diensten und Wohnfunktionen.
Bewirtschaftungsmethoden und Wassernutzung
Ausschöpfung von Wasser:
- Bewässerungslandwirtschaft: Hierbei wird zusätzlich zum Regenwasser eine große Menge Wasser zugeführt, was oft hohe finanzielle Investitionen erfordert.
- Regenfeldbau (Rainfed): Die Bewässerung erfolgt ausschließlich durch natürliches Regenwasser.
Pflanzenvielfalt und Landnutzung
Pflanzensorten:
- Monokultur: Es wird nur eine einzige Pflanzenart auf einer Fläche angebaut (z. B. Reis, Baumwolle), was die Nährstoffe im Boden einseitig beansprucht.
- Polykultur: Die Bewirtschaftung verschiedener Pflanzenarten auf derselben Fläche (z. B. Obst und Tomaten). Diese sind in der Regel klein oder mittelgroß und dienen oft dem Eigenverbrauch.
Die Landnutzung:
- Intensive Landwirtschaft: Setzt hohe Kapitalinvestitionen ein, um maximale Erträge zu erzielen. Man unterscheidet zwischen hochproduktiver intensiver Landwirtschaft (hohe Erträge mit wenig Arbeit) und intensiver Landwirtschaft mit geringer Produktivität (arbeitsintensiv bei niedrigen Investitionskosten).
- Extensive Landwirtschaft: Erzielt oft geringere Erträge pro Fläche. Es gibt die extensive Landwirtschaft mit hoher Produktivität (wenige Arbeiter erzielen auf großen Flächen eine hohe Gesamtproduktion) und die extensive Landwirtschaft mit niedriger Produktivität (hoher Arbeitsaufwand bei sehr geringem Ertrag).
Agrarlandschaften der Subsistenzwirtschaft
Subsistenzwirtschaft: Dient der Eigenversorgung, nutzt veraltete Techniken und erzielt nur geringe Erträge.
- Landwirtschaft durch Brandrodung: Eine rudimentäre Form, bei der Flächen abgebrannt werden, um die Asche als Dünger zu nutzen. Der Boden ist schnell erschöpft, sodass die Bauern weiterziehen müssen.
- Extensive Agrarwirtschaft: Nutzt den Pflug und kürzere Brachzeiten (ca. 1 bis 3 Jahre).
- Intensive Landwirtschaft im Monsun-Asien: Ein intensives System des Reisanbaus auf kleinen, durch Deiche und Kanäle bewässerten Grundstücken, das mehrere Ernten pro Jahr ermöglicht.
Die moderne Marktwirtschaft in der Landwirtschaft
Gekennzeichnet durch hohe Kapitalisierung, den Einsatz moderner Maschinen, hohe Produktivität und die Vermarktung der Erzeugnisse.
- Moderne europäische Landwirtschaft: Fokus auf Blumen und Gartenprodukte (Holland, Deutschland) sowie Getreide (Pariser Becken).
- Mittelmeer-Landwirtschaft: Regenfeldbau (Trauben, Weizen, Oliven) und Bewässerungsfeldbau (Obstbäume).
- Extensive Landwirtschaft in neuen Ländern: Die profitabelste der Welt, zu finden in den Ebenen der USA, Kanadas, Australiens und Argentiniens.
- Plantagenwirtschaft: Große Betriebe in Monokultur für Kaffee, Kakao, Tee, Bananen oder Ananas.
Viehzucht: Haltungsformen und Mobilität
Haltungsformen:
- Extensive Viehzucht: Weiden auf großen Grasflächen (z. B. im Westen der USA, Norden Mexikos, Nordosten Brasiliens). In armen Ländern sind die Herden oft klein, in reichen Ländern umfassen sie Tausende Tiere.
- Intensive Viehzucht (Stallhaltung): Die Tiere sind in Ställen konzentriert, werden mit Futtermitteln versorgt und unter Einsatz modernster Technologie sowie künstlicher Besamung gezüchtet.
Mobilität der Tiere:
- Nomadismus: Ständige Mobilität der Hirten und Herden auf der Suche nach Weidegrund (Nord- und Subsahara-Afrika, Zentralasien).
- Transhumanz (Wanderschäferei): Saisonale Bewegung der Herden (Mittelmeerraum, Nordafrika).
- Sesshaft: Das Vieh wird nicht bewegt, da der Viehzüchter Futter bereitstellt.
Fischerei: Methoden und Fanggebiete
Fangmethoden:
- Langleine (Longline): Ein langes Seil mit vielen hängenden Zweigen und Haken.
- Ringwade (Cerco): Boote umkreisen die Fische mit einem Netz, das unten zugezogen wird.
- Almadraba: Ein fest installiertes Netzsystem zum Abfangen wandernder Fische wie Thunfisch.
Arten der Fischerei:
- Küstenfischerei: In Küstennähe (bis 200 m Tiefe). Nutzung von Netzen und Fallen für Plankton, Garnelen und Sardinen. Die Schiffe sind meist nur ein bis zwei Tage unterwegs.
- Hochseefischerei: Auf offenem Meer (bis 700 m Tiefe) mit großen Booten und Besatzungen. Die Fische werden direkt an Bord verarbeitet und eingefroren. Wichtige Gebiete: Grönland, Chile, Peru, Neufundland, Namibia und der Nordwestpazifik.
Zusätzliche Techniken: Köderfischerei (Trolling für Schwertfisch/Thunfisch), Schleppnetze (trichterförmige Netze für Sardinen) und Stellnetze.