San Juan de la Cruz und der Schelmenroman: Literaturanalyse
San Juan de la Cruz
Er ist neben Santa Teresa die führende Persönlichkeit der religiösen Literatur der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.
Themen
Seine Gedichte sind von einer großen religiösen Inspiration geprägt. Er versucht, seine mystische Erfahrung zu kommunizieren, die als unaussprechlich dargestellt wird und dennoch durch Worte übertragen werden soll.
Stil
Er verwendet das Bild der Verbindung zwischen Mann und Frau durch die Ehe, um die mystische Vereinigung zwischen der Seele und Gott zu symbolisieren. Seine poetischen Kompositionen zeichnen sich durch eine Fülle von Vergleichen und Metaphern aus, die mit Einfachheit, Schönheit und Zärtlichkeit gestaltet sind.
Werk
Sein Werk besteht aus traditionellen Gedichten und drei mystischen Werken, die während seines Gefängnisaufenthalts entstanden:
- Noche oscura del alma (Dunkle Nacht der Seele): Ein Gedicht in Lira-Form, in dem ein Mädchen mitten in der Nacht sein Haus verlässt, getrieben von der Liebe zur Vereinigung mit dem Geliebten.
- Cántico espiritual (Geistlicher Gesang): Ebenfalls in Lira-Form verfasst, stellt es einen Dialog zwischen einer Schäferin und einem Hirten dar, die sich vereinen wollen.
- Llama de amor viva (Lebendige Liebesflamme): Beschreibt das Bild des Liebesfeuers, mit dem der Heilige Geist die Seele erleuchtet, wenn sie eine Vereinigung mit Gott erfährt.
Der Schelmenroman
Der Schelmenroman entstand als Reaktion auf die idealisierten Figuren des Ritter- und Pastoralromans. Die Hauptfigur ist ein sehr realer Antiheld. Der Schelmenroman dient als Dokument des sozialen Lebens der Epoche.
Merkmale
- Hauptfigur: Ein Pícaro (Schelm) aus der Unterschicht, dessen Ehre durch die Herkunft seiner marginalisierten Eltern belastet ist. Sein einziges Ziel ist der soziale Aufstieg durch List, Betrug und Veruntreuung.
- Autobiografische Form: Der Schelm erzählt seine Abenteuer in der ersten Person.
- Offene Struktur: Der Roman besteht aus losen Szenen, die nur durch die Figur des Schelms verbunden sind.
- Determinismus: Die Herkunft aus niedrigen sozialen Schichten bestimmt den Lebensweg des Protagonisten.
- Technik der Einschübe: Einfügung von Sprichwörtern oder Elementen traditioneller und populärer Art zur Ausschmückung der Geschichte.
- Rechtfertigung: Die gesamte Geschichte dient dazu, die schändliche Situation des Protagonisten zu rechtfertigen.
- Satire: Eine scharfe Kritik an der Gesellschaft, die in allen Schichten vertreten ist.
- Realismus: Die Wirklichkeit wird so beschrieben, wie sie ist.