Sokrates' Apologie: Anklagen, Verteidigung und Urteil

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Zusammenfassung

Der Text fasst Platons Apologie zusammen: die drei Anklagepunkte gegen Sokrates (alte Verleumdungen, Korruption der Jugend, Einführung neuer Götter), seine Verteidigung und die Vorgeschichte mit dem Orakel von Delphi. Außerdem werden Urteil, vorgeschlagene Geldbuße und Todesstrafe sowie Sokrates' letzte Worte behandelt. Lernende erfahren, wie Sokrates Weisheit, Nichtwissen und die Rolle der Rhetorik verteidigt.

Kernpunkte

  • Die Anklage umfasst drei Punkte: alte Verleumdungen, die Verderbnis der Jugend und der Glaube an neue, eigene Gottheiten statt an die Götter der Polis.
  • Das Orakel von Delphi erklärte, niemand sei weiser als Sokrates; Sokrates deutete dies, indem er Politiker, Dichter und Handwerker befragte.
  • Sokrates' Grundsatz lautet: „Ich weiß nur, dass ich nichts weiß“ – wahre Weisheit kommt allein den Göttern zu.
  • Sokrates argumentiert, dass niemand absichtlich anderen schadet, weil dies die Gefahr schafft, selbst geschädigt zu werden.
  • Die Jury verurteilte Sokrates zum Tod; 360 Stimmen waren für die Todesstrafe und 141 für die Geldbuße.
  • Sokrates bat, seine drei Söhne zu unterstützen, und erklärte, Gutes oder Schlechtes für den Toten sei nur den Göttern bekannt.

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Sokrates' Apologie und die Anklagen

Es wird vorgeschlagen, dass die Philosophie in der Apologie dargelegt wird: Unwissenheit wird vollständig aus einem ehrlichen Eintritt hervorgehen, da alles Wissen von Nichtwissen kommt — „Ich weiß nur, dass ich nichts weiß.“ Sokrates richtet sich an die Geschworenen nicht mit leeren Worten, sondern mit der Suche nach Wahrheit. Er fragt die Jury nicht nach Worten, die ihn vorführen, sondern nach der Wahrheit, die ihre Einberufung rechtfertigt. Im Gegenzug sagt er laut, was ihm durch den Kopf geht; dieselben Worte werden in Versammlungen und Tagungen verwendet. Trotz dieser Vorgehensweise erweist sich die Rhetorik als gefährlicher Lehrmeister: sie ist nicht nur eloquent und überzeugend, sondern kann die Jury auch täuschen.

Die Ankläger und die alten Verleumdungen

Die drei Männer, die ihn anklagen, sind Meletos, ein Vertreter der Anklage, Anytos, ein prominenter Athener, und Lycon. Anytos erscheint außerdem im Meno, wo er unerwartet auftaucht, während Sokrates und Meno darüber diskutieren, ob Tugend gelehrt werden kann. Sokrates argumentiert, dass es Hinweise gibt, dass viele Athener weniger tugendhafte Kinder haben als ihre Eltern. Anytos ist darüber beleidigt und sagt, Sokrates verunglimpfe diese Menschen — ein Vorwurf, der Folgen haben wird.

Die Anklage gegen Sokrates umfasst drei Punkte: erstens die alten Verleumdungen, die behaupten, er sei ein Verbrecher und stets neugierig in Fragen „bis Himmel und Erde“; zweitens die neueren gesetzlichen Anschuldigungen, er korrumpiere die Jugend; und drittens, er glaube an übernatürliche Dinge eigener Erfindung und nicht an die Götter der Polis. Sokrates erklärt, dass die alten Verleumdungen Ergebnis jahrelanger Gerüchte und Vorurteile sind und deshalb nicht einfach durch ein Gerichtsverfahren zu beantworten wären. Er untergräbt diese "informellen Anschuldigungen", indem er ihnen in rechtlicher Form begegnet.

Die Rolle der Komödie und Aristophanes

Sokrates weist ausdrücklich darauf hin, dass viele der verleumderischen Darstellungen aus der Satire des Komödiendichters Aristophanes stammen. Die leidenschaftliche Verteidigung Sokrates' gegen den Vorwurf der Sophistik wird mitunter als Ablenkung von schwerwiegenderen Anschuldigungen gesehen. Sokrates selbst macht deutlich, dass er nicht mit den Sophisten verwechselt werden will, da diese von sich selbst angeben, weise zu sein (oder so zu denken) und dafür gut bezahlt werden, während er arm ist und sagt, er wisse nichts.

Die formale Anklage: Meletos

Das erste, was Sokrates vorgeworfen wird, stammt von Meletos. Während des Verhörs weist Sokrates darauf hin, dass niemand absichtlich anderen Schaden zufügt, weil er dann die Gefahr schafft, selbst in der Zukunft geschädigt zu werden. Die schwerwiegendste Anklage lautet, Sokrates würde die Jugend verderben, indem er eine Form des Atheismus lehrt; außerdem wird ihm vorgeworfen, an neue Gottheiten oder Halbgötter zu glauben, anstatt an die traditionellen Götter der Polis.

Sokrates legt das Paradoxon dar, dass ein Mensch, der seine eigene Unwissenheit erkennt, weiser sein könnte als viele, die vermeintlich viel wissen. Er versucht zu zeigen, dass das Orakel von Delphi offenbar ausgesagt hat, dass kein Mensch weiser sei als Sokrates, und dass dies zu lösen sei, indem er die angeblich Weisen — Politiker, Dichter und Handwerker — befragt. Dabei stellt sich heraus, dass viele von ihnen ihre eigenen Werke nicht wirklich verstehen; auch Seher und Propheten verstehen ihre Visionen nicht immer vollständig, und Dritte bleiben nicht von Eitelkeit oder Voreingenommenheit verschont.

Verteidigung gegen die Anklage der Jugendverderbung

Sokrates verteidigt sich gegen die formelle Anklage, die Jugend zu verderben, und gegen den Vorwurf des Atheismus. Er zeigt auf, dass die Idee, jemand würde absichtlich die Jugend verderben, inkohärent ist: Wenn er die Jugend wirklich geschädigt hätte, dann wäre er selbst bei seinen Mitbürgern in Ungnade gefallen und hätte Feinde gemacht, was seinem Verhalten widerspräche. Außerdem fragt er, wo die Zeugen seien, warum nicht die Familien der angeblich Geschädigten im Namen ihrer Kinder aufgetreten seien. Viele dieser Familien nahmen später sogar an der Verteidigung Sokrates' teil.

Die Geschichte mit dem Orakel

Seine Probleme begannen mit einem Besuch des Orakels: Chaerephon (in einigen Überlieferungen Querofonte genannt) ging zum Orakel von Delphi und fragte, ob es jemanden klüger gebe als Sokrates. Die Antwort des Gottes lautete, dass es niemanden gebe. Als Sokrates davon erfuhr, nahm er dies als Rätsel und begann, verschiedene Menschen zu befragen, um die Bedeutung zu klären. Daraus erwuchs ihm der Ruf des Neugierigen oder Klatschers, doch diese Aktion wurde für ihn zur Lebensmission: als Beweis dafür, dass wahre Weisheit allein den Göttern zukomme und menschliche Weisheit nur wenig oder keinen Wert habe.

Der Konfrontation mit Meletos

Bei der Auseinandersetzung mit Meletos bringt Sokrates dessen Widersprüche an den Tag und demütigt ihn argumentativ. In einem der umstrittensten Teile der Apologie behauptet Sokrates, dass seine Sorge um die Bürger Athens vielen mehr nütze als schade: Reichtum und Wohlergehen seien Folgen der Tugend, und die Götter würden nicht zulassen, dass ein guter Mann durch einen schlechteren geschädigt werde. Sokrates bestreitet, je ein Lehrer gewesen zu sein, denn er habe nie systematisch Wissen vermittelt; deshalb könne er auch nicht für das verantwortlich gemacht werden, was andere daraus machten.

Zum Abschluss dieses Abschnitts appelliert Sokrates an die Geschworenen, ihm kein Mitleid schenkend zu verfallen; er verweigert die üblichen Rührungsmanöver wie das Weinen, die oft dazu dienen, das Urteil zu beeinflussen.

Urteil, Geldstrafe und Todesstrafe

Nach dem Prozess folgte eine Verurteilung: Es wurde eine Geldbuße vorgeschlagen — in einem Teil der Überlieferung ist von einer Geldbuße in Höhe einer Silbermine (100 Drachmen) die Rede, welche nicht ausreichte, um eine höhere Forderung zu begleichen. Die Jury, die eine deutlich höhere Strafe in Betracht zog, entschied sich schließlich für die Todesstrafe. Sokrates' Freunde boten an, die ursprünglich vorgeschlagene Summe zu erhöhen; einige entschieden sich jedoch dafür, dass Sokrates lieber dem Tod zustimmen solle und den Schierling trinken würde.

Sokrates selbst schlug als Alternative eine Buße vor, was die Jury erzürnte. Am Ende stimmten 360 für die Todesstrafe und nur 141 für die Geldbuße (in einigen Überlieferungen ist von 3.000 Drachmen die Rede). Sokrates äußerte, dass der Tod entweder ein Segen sei — die Vernichtung und damit das Ende aller Sorgen — oder eine Übersiedlung an einen anderen Ort, an dem die Seelen alles wüssten und er dort berühmt mit den Großen der Vergangenheit weiterfragen und wirken könne. Die Apologie schließt mit den Worten, dass er keinen Groll gegen diejenigen hege, die ihn verurteilt hatten, und in einem Akt vollkommenen Vertrauens bat er darum, auf seine drei Söhne achtzugeben, damit sie gut aufwachsen und Interesse an einem guten Leben entwickeln.

Letzte Worte und Haltung

Sokrates sagt zum Schluss: „Es ist Zeit, dass ich sterbe; und du lebst. Wer von uns besser wegkommt, weiß niemand — nur die Götter wissen das.“

Sokrates beginnt seine Rede damit, der Jury zu sagen, ihr Geist sei durch die Verleumdungen seiner Feinde vergiftet worden, die in jungen Jahren Eindruck auf sie gemacht hätten. Sein Ruf als Sophist sei eifersüchtig von seinen Feinden verbreitet worden; er nennt diese Anschuldigungen bösartig, macht aber die Verleumder nicht namentlich verantwortlich. Er begegnet der formellen Anklage mit sorgfältiger Argumentation und zeigt die Widersprüche seiner Ankläger auf.

Sokrates beginnt mit den Worten, er wisse nicht, ob die Athener bereits durch jene verleumdet worden seien, die ihm vorgeworfen hatten, die Jugend zu verderben. Als Reaktion auf die Anklage argumentiert er, dass die Idee, jemand könne absichtlich die Jugend verderben, widersprüchlich sei. Wie bereits erwähnt, begann alles mit dem Orakel: Chaerephon fragte das Orakel in Delphi, ob jemand klüger sei als Sokrates, und die Antwort lautete, es gebe niemanden. Sokrates nahm dies als Rätsel und entdeckte dabei, dass viele, die für weise gehalten wurden, ihre eigenen Werke oder Gedanken nicht wirklich verstanden. Diese Erfahrung begründete seinen Ruf als Fragender, aber auch seine Mission, die Glaubwürdigkeit des menschlichen Wissens zu prüfen.

Sokrates verteidigt sich weiter gegen die Vorwürfe der Korruption der Jugend und des Atheismus. Er zeigt, dass Meletos sich selbst widerspricht, wenn er sagt, Sokrates sei Atheist und gleichzeitig glaube an Halbgötter und Dämonen. Sokrates widerlegt diese Argumente und argumentiert an einer Stelle, dass es besser für Athen sei, wenn er weiterhin seiner Prüfung der Mitbürger nachgeht, da wahre Güte und Tugend der Stadt nützen. Zuletzt betont er, dass er niemals systematisch jemandes Lehrer gewesen sei und daher nicht verantwortlich gemacht werden könne für das, was andere aus einer Begegnung mit ihm machten. Ferner fragt er, warum keine Angehörigen der angeblich Geschädigten als Zeugen auftraten, wenn tatsächlich Schaden geschehen wäre.

Zum Abschluss erinnert Sokrates die Geschworenen daran, nicht den üblichen Appellen an Mitleid nachzugeben, sondern eine gerechte Entscheidung zu treffen, die auf Vernunft beruht.

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Häufige Fragen

Welche drei Anklagepunkte wurden gegen Sokrates erhoben?

Erstens die alten Verleumdungen, zweitens die Anschuldigung, er verderbe die Jugend, und drittens der Vorwurf, er glaube an eigene übernatürliche Wesen statt an die Götter der Polis. Die alten Verleumdungen stammen laut Sokrates teils aus der Satire des Aristophanes.

Warum sagte das Orakel von Delphi, niemand sei weiser als Sokrates?

Chaerephon fragte das Orakel, ob es jemanden klüger gebe als Sokrates, und die Antwort lautete nein. Sokrates deutete dies als Rätsel und befragte angeblich Weise, die ihr Wissen jedoch nicht wirklich verstanden.

Wie stimmte die Jury über Sokrates ab?

Am Ende stimmten 360 Geschworene für die Todesstrafe und 141 für die Geldbuße. Sokrates hatte selbst eine Buße vorgeschlagen, was die Jury verärgerte.

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Test

1. Welchen Grundsatz formuliert Sokrates in der Apologie?
2. Wer gehörte zu den Anklägern des Sokrates?
3. Was entschied das Orakel von Delphi über Sokrates?
4. Mit welcher Begründung weist Sokrates den Vorwurf zurück, er verderbe die Jugend?
5. Welches Ergebnis hatte die Abstimmung über die Strafe?
6. Welche Rolle spielt Aristophanes in der Apologie?

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