Spanien: Politische und soziale Transformation (1982–2004)
Die Ära der demokratischen Regierungen in Spanien war geprägt von tiefgreifenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen sowie der ständigen Herausforderung durch den Terrorismus.
Der Aufstieg der PSOE unter Felipe González
Nach dem Zerfall der UCD und der Amtszeit von Calvo Sotelo führten die Wahlen vom 28. Oktober 1982 zu einem historischen Machtwechsel. Die PSOE gewann die Wahlen und Felipe González wurde zum Ministerpräsidenten ernannt.
Modernisierung und wirtschaftliche Reformen
Die Regierung leitete eine umfassende Modernisierung Spaniens ein:
- Armee und Verwaltung: Reformen zur Demokratisierung und Effizienzsteigerung.
- Gesellschaft: Änderungen im Zivilgesetzbuch, Bildungsreformen und die Legalisierung der Abtreibung.
- Wirtschaft: Maßnahmen gegen die Krise, darunter die Abwertung der Peseta, Lohnzurückhaltung und die Bekämpfung der Inflation.
- Strukturwandel: Der Fall Rumasa und die industrielle Umstrukturierung unter Carlos Solchaga führten zu notwendigen Sanierungen, aber auch zu steigender Arbeitslosigkeit.
- Steuerreform: Einführung der Mehrwertsteuer zur Finanzierung des Wohlfahrtsstaates.
Wirtschaftlicher Aufschwung und politische Krisen
Spanien erlebte ein bemerkenswertes Wachstum, symbolisiert durch die Expo 92 in Sevilla und die Olympischen Spiele in Barcelona. Dennoch führten Korruptionsfälle, wie der „Fall Guerra“, zu einem Vertrauensverlust in die PSOE, was 1996 zum Regierungswechsel führte.
Die Ära Aznar und die PP
Unter der Führung von José María Aznar reorganisierte sich die konservative Partido Popular (PP). Die Regierung Aznar setzte auf:
- Liberalisierung der Wirtschaft durch Privatisierung von Staatsbetrieben.
- Einführung des Euro als einheitliche Währung.
- Arbeitsmarktreformen und das Ausländergesetz.
Terrorismus und gesellschaftlicher Wandel
Die Bedrohung durch die ETA blieb präsent, insbesondere durch die Ermordung von Miguel Ángel Blanco. Das Ende der Ära Aznar wurde durch die verheerenden Terroranschläge vom 11. März 2004 in Madrid überschattet. Das Management dieser Krise führte zum Wahlsieg von José Luis Rodríguez Zapatero (PSOE).
Soziale Entwicklung
Parallel dazu wandelte sich die spanische Gesellschaft grundlegend:
- Aufbau eines Wohlfahrtsstaates.
- Erhöhte Erwerbsbeteiligung von Frauen.
- Massiver Zustrom von Einwanderern.
- Zunahme des privaten Konsums als prägendes Merkmal der neuen Gesellschaft.