Die spanische Erzählliteratur nach 1936

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Punkt 10: Die spanische Erzählliteratur nach 1936

1. Hintergrund

Nach dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Beginn der Franco-Diktatur durchlief Spanien drei Phasen: Zunächst eine politische und wirtschaftliche Isolation, gefolgt von einer schrittweisen Öffnung und schließlich einer Modernisierung durch Tourismus und ausländische Investitionen.

Die soziale Situation spiegelte die Entwicklung des Franco-Regimes wider: Von einer Wirtschaftskrise hin zu einem langsamen Wohlstand, der zu großen Migrationsbewegungen sowie einem Wiedererstarken der Arbeiterbewegung und Streiks führte.

Nach dem Krieg befand sich Spanien in einer literarischen Depression, die erst in den 60er Jahren durch neue Strömungen aufgebrochen wurde. Die Kunstszene war verarmt, und es entwickelte sich eine Sub-Literatur (Comics, Liebesromane). Bedeutende Autoren wie Juan Ramón Jiménez oder Severo Ochoa lebten im Exil.

2. Merkmale

Der Roman und das literarische Experimentieren litten unter dem Verlust vieler Autoren durch Tod, Exil oder Zensur. Zu den wesentlichen Merkmalen dieser Zeit gehören:

  • Exil: Viele Vorkriegsautoren mussten das Land verlassen.
  • Zensur: Das Verbot der Verbreitung vieler Werke führte zu Selbstzensur, aber auch zu einer gesteigerten Kreativität.
  • Bürgerkrieg: Er dient als direkte Erfahrung, Erinnerung oder als prägender Kontext für die Autoren.
  • Bruch und Diskontinuität: Die Vorkriegsperspektive wurde als unzureichend für die neue Situation empfunden.
  • Suche nach Modellen: Orientierung an ausländischer Literatur oder der realistischen Tradition.

3. Trends und Epochen

Die 40er Jahre

Die Wirklichkeit wurde je nach ideologischer Perspektive unterschiedlich literarisch verarbeitet:

  • Nationalistische/Falangistische Fiktion: Eine Vision, in der die Sieger als „gut“ und die Besiegten als „böse“ dargestellt werden. Beispiel: Die gläubige Infanterie von García Serrano.
  • Fantasy-Fiktion: Humor und Fantasie dienten als Flucht vor der düsteren Realität. Beispiel: Der lebende Wald von Wenceslao Fernández Flórez.
  • Traditioneller Realismus: Fokus auf das Bürgertum, lange Zeiträume und psychologische Konsistenz. Beispiel: Das Totenschiff von Zunzunegui.
  • Existenzielle Fiktion: Ausdruck von Enttäuschung und tragischem Schicksal. Protagonisten sind oft gewalttätige oder unterdrückte Individuen in chaotischen Umgebungen. Beispiel: Die Familie des Pascual Duarte von Camilo José Cela.

Die 50er Jahre

Fortsetzung der Tradition des Realismus mit einer objektiven Darstellung, die zum Sozialen Realismus führte. Beeinflusst durch amerikanische, französische und italienische Autoren, zeigt die Literatur eine ethische Verpflichtung zur Realität. Der „Antinovel“-Stil reduziert das Argument und begrenzt Zeit und Raum.

  • Sozialer und kritischer Realismus: Ziel ist es, das Gewissen zu rühren und soziale Ungerechtigkeit anzuprangern. Beispiel: Ratten von Miguel Delibes.
  • Objektivismus oder Neorealismus: Der Autor vermittelt die Realität detailgetreu, ohne explizite eigene Schlüsse zu ziehen. Themen sind Einsamkeit und Frustration. Beispiel: Jarama von Sánchez Ferlosio.

Die 60er Jahre

Erneuerung des Romans durch kontinuierliches Experimentieren und eine aktivere Rolle des Lesers. Beeinflusst durch europäische und amerikanische Strömungen, wird die lineare Zeit aufgebrochen. Der innere Monolog und eine innovative Sprache rücken in den Vordergrund. Beispiel: Don Juan von Gonzalo Torrente Ballester.

Die 70er Jahre

Der Roman setzt die Suche nach neuen Formen des vollen Experimentalismus fort und lehnt die traditionelle Geschichte ab. Beispiel: Die Wahrheit über den Fall Savolta von Eduardo Mendoza.

Exilliteratur

Autoren im Exil entwickelten ihre Arbeit vom traditionellen Realismus hin zur Avantgarde, mit Fokus auf soziale Inhalte und die Stabilisierung der spanischen Realität. Beispiel: Dog Kills von Francisco Ayala.

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