Spanische Literatur: Novecentismo, Generation 27 & Nachkrieg

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Novecentismo und die Generation von 27

In Spanien verfolgten die Generationen von 1914 und 1927 eine Erneuerung literarischer Formen und Themen. Beide wurden zwischen 1905 und 1930 von europäischen Avantgarden, den sogenannten „Ismen“ (Kubismus, Futurismus, Surrealismus etc.), beeinflusst. Während die Autoren von 1914 eine reine, entmenschlichte Literatur vertraten, verband die Generation von 1927 Kunst mit Tradition.

1. Die Avantgarden

Um 1910 entstanden in Europa künstlerische und literarische Avantgarden, die traditionelle Kunstformen ablehnten und neue Ausdrucksweisen suchten. Bedeutende Strömungen waren:

  • Kreationismus: Versucht, durch sprachliche Spiele eine eigene Wirklichkeit im Werk zu erschaffen.
  • Surrealismus: Zielt darauf ab, Emotionen und unbewusste Gedanken durch automatisches Schreiben und irrationale Bilder auszudrücken.

1.1 Der neue Roman des Jahrhunderts

Das europäische Romanmodell erlebte eine Revolution:

  • Marcel Proust: Analysierte in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit die Psychologie der High Society.
  • Franz Kafka: Thematisierte in Die Verwandlung und Der Process menschliche Angst und soziale Absurdität.
  • James Joyce: Nutzte in Ulysses Homers Epos als Vorlage für eine moderne Erzählweise in Dublin.

2. Der Novecentismo

Im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts entstand eine Gruppe von Schriftstellern, die sich durch Intellektualismus und die Suche nach einer reinen, europäischen Kunst auszeichnete – frei von Sentimentalität. Hauptvertreter der Lyrik ist Juan Ramón Jiménez.

2.1 Der Roman des Novecentismo

Er zeichnet sich durch zwei Merkmale aus: beschreibende Lyrik und Non-Fiction. Im Vordergrund stehen Reflexion und Charakterbeschreibung statt der Handlung.

  • Gabriel Miró: Lyrische Romane wie Unser Vater San Daniel.
  • Ramón Pérez de Ayala: Entwicklung vom Realismus zur Symbolik (z. B. Belarmino und Apolonio).
  • Ramón Gómez de la Serna: Schöpfer der Greguerías (Humor + Metapher).

2.2 Der Essay

José Ortega y Gasset prägte mit Die Vertreibung der Kunst das Denken der Zeit, indem er Originalität, Anti-Realismus und die Dominanz des Bildes verteidigte.

3. Die Generation von 27

Diese Gruppe traf sich 1927 anlässlich des 300. Todestages von Luis de Góngora. Sie bewunderten Juan Ramón Jiménez und Ortega y Gasset, verbanden jedoch moderne Avantgarde mit spanischer Tradition.

Wichtige Autoren und Werke

  • Pedro Salinas: Die Stimme, die dir geschuldet ist
  • Jorge Guillén: Aire nuestro
  • Gerardo Diego: Manual de espumas
  • Vicente Aleixandre: Zerstörung oder Liebe
  • Dámaso Alonso: Kinder des Zorns
  • Federico García Lorca: Zigeuner-Romanzen, Dichter in New York
  • Luis Cernuda: Wirklichkeit und Wunsch
  • Rafael Alberti: Marinero en tierra

Vertiefung: Autoren und Stadien

Juan Ramón Jiménez: Seine Entwicklung umfasst drei Phasen: die sensible Phase (Modernismus), die intellektuelle Phase (Tagebuch eines frischvermählten Dichters) und die wahre Phase (Suche nach Gott und Perfektion).

Federico García Lorca: Seine Lyrik teilt sich in die Phase der Zigeuner-Romanzen und die surrealistische Phase von Dichter in New York. Sein Theater (z. B. Bernarda Albas Haus) ist von hoher dramatischer Intensität geprägt.

Die Nachkriegsliteratur (Franco-Ära)

In den 1940er Jahren spiegelte die Literatur Armut und soziale Ungleichheit wider. Es entwickelte sich die soziale Literatur. Später, in den 1960er Jahren, suchte man nach neuen Modellen, beeinflusst durch den lateinamerikanischen Boom.

  • Poesie: Von der „verwurzelten“ Lyrik (Leopoldo Panero) zur „entwurzelten“ Lyrik (Dámaso Alonso, Blas de Otero) und schließlich zur sozialen Poesie der 50er Jahre (Gabriel Celaya).
  • Roman: Camilo José Cela (Die Familie des Pascual Duarte) und Carmen Laforet (Nada) prägten die 40er Jahre. In den 50ern folgten soziale Romane (z. B. Die Bienenwabe von Cela). Die 60er Jahre brachten experimentelle Romane (Luis Martín-Santos, Zeit der Schweigsamkeit).
  • Theater: Neben dem humoristischen Theater (Enrique Jardiel Poncela) entwickelte sich in den 50ern das soziale Theater von Antonio Buero Vallejo.

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