Spracherwerb und Kinderliteratur in der Frühpädagogik
Thema 19: Spracherwerb im Kindergarten
Das Lehren und Lernen der Sprache umfasst sowohl die mündliche als auch die schriftliche Sprache.
Mündliche Sprache: Ziele und Inhalte
- Ziele: Verstehen und Formulieren von Botschaften sowie die Nutzung von Sprachmustern, die den Austausch in Sprachgemeinschaften regeln.
- Inhalte: Mündlicher Sprachgebrauch, Wortschatz, mündliche Textformen, Assoziationen und Erzählungen von Ereignissen, Geschichten und Vorfällen.
- Wertschätzung: Anerkennung der mündlichen Sprache als Verfahren; kontinuierliche Bemühungen zur Bereicherung der eigenen Sprachproduktion.
Didaktische und methodische Orientierungen
- Schaffung eines Klimas des Vertrauens und der Zuneigung.
- Bereitstellung eines reichhaltigen Sprachmodells durch die Bezugspersonen.
- Gestaltung von Alltagssituationen, in denen das Sprechen aktiv gefordert und notwendig wird.
- Verwendung von Geschichten und Erzählungen zur Reflexion und als Instrument zur Verhaltenskontrolle.
Schriftliche Sprache im Kindergarten
- Ziele: Interesse an der geschriebenen Sprache wecken; Bilder lesen, interpretieren und gestalten.
- Inhalte: Geschriebene Sprache als Mittel zur Kommunikation, Information und Freude. Interpretation von Bildern, Plakaten, Drucken und Fotos, die geschriebene Texte begleiten.
- Methodik: Motivation und Neugierde der Kinder nutzen; spielerische und sportliche Aktivitäten verknüpfen, in denen der Erzieher als Vorbild fungiert.
Ressourcen und Techniken zur Sprachförderung
Techniken zur Förderung von Artikulation, Verstehen und Ausdruck:
- Artikulation und Motorik: Zungenbrecher, Lieder, Mundmotorik- und Sprechspiele, Atem- und Entspannungsübungen.
- Wortschatz und Austausch: Versammlungen (Morgenkreis), Wortschatzübungen, gezielte Dialoge und freie Konversation.
- Kreativer Ausdruck: Dramatisierung, Rezitation, Bildbeschreibungen, Geschichtenerzählen, Brainstorming, kreative Analogien und Synästhesie.
Mehrsprachigkeit und Bildungsprogramme
- Sprachkontakt: Wenn Kinder zwei oder mehr Sprachen alternativ verwenden, sind gezielte pädagogische Konzepte notwendig (z. B. bilinguale Modelle, Erhaltsprogramme, Immersion oder Submersion).
- Methodische Empfehlung: Eine Heranführung an eine Zweitsprache ist ab einem Alter von 3 bis 4 Jahren ratsam. Der Erwerb sollte dem natürlichen Spracherwerb der Muttersprache ähneln.
- Partizipation: Das Kind muss aktiv eingebunden werden; spielerische Aktivitäten motivieren und fördern Ausdruck und Kommunikation nachhaltig.
Thema 20: Kinderliteratur
Konzept: Kinderliteratur richtet sich gezielt an Kinder und umfasst alle künstlerischen Ausdrucksformen und Aktivitäten, deren Basis das gesprochene oder geschriebene Wort ist und die das Interesse des Kindes wecken.
Literarische Gattungen für Kinder
- Lyrik und Reime: Eignen sich durch Sprachrhythmus, Klangfarbe und emotionale Ansprache ideal für das Vorschulalter.
- Fabeln: Zeichnen sich durch eine einfache Handlungsstruktur und leicht verständliche Symbolik aus.
- Lieder und Reime: Dienen als grundlegendes Verfahren zur ganzheitlichen Ausdrucksförderung.
- Rätsel und Sprachspiele: Fördern das abstrakte Denken ab etwa 4 bis 5 Jahren.
- Theater und Rollenspiel: Besitzen einen hohen pädagogischen Wert, da Kinder nicht nur passive Zuschauer sind, sondern selbst als Schauspieler agieren.
Die pädagogische Bedeutung von Erzählungen
- Werte und Ziele: Kurze Erzählungen besitzen erzählerische Kraft und Unterhaltungswert. Sie fördern die kindliche Kreativität, schulen die künstlerische Sensibilität und erweitern den Wortschatz durch prägnante und suggestive Sprachbilder.
- Vorteile und Merkmale: Eine lineare, geordnete Handlungsabfolge mit klarer Ursache-Wirkungs-Struktur; leicht wiedererkennbare Figuren mit nachvollziehbaren Motiven; wiederkehrende Sprachelemente erleichtern das Merken.
Kriterien zur Auswahl von Kindergeschichten
- 0 bis 2 Jahre: Vorherrschaft von Bewegung und Lautmalerei; reine Bildgeschichten ohne Text; Inhalte aus dem vertrauten Alltag; angstfreie Themen.
- 2 bis 4/5 Jahre: Freude an Reimen, Magie und Fantasie; kurze Begleittexte zu aussagekräftigen Illustrationen; erste eigene Nacherzählungen.
- 5 bis 6 Jahre: Annäherung an den Schriftspracherwerb; gut strukturierte Handlungen mit ausgewogener Länge, um Neugierde ohne Überforderung zu erhalten.
Didaktische Aktivitäten rund um das Buch
- Visuelle Beobachtung detailreicher, farbenfroher Illustrationen.
- Mündliche Analyse und Zusammenfassung von Texten zur Sicherung des Textverständnisses.
- Psychomotorische und dramatische Umsetzung mit vollem Körpereinsatz.
- Mathematisch-logische Aktivitäten: Reihenfolgen ordnen, zeitliche und räumliche Abstände nachvollziehen.
- Kreative Weiterverarbeitung: Figuren zeichnen, Marionetten bauen, Lieder erfinden, Stimmmodulationen ausprobieren, alternative Enden oder neue Titel erfinden.
Die Klassenbibliothek und ihre Organisation
Die Klassenbibliothek (Leseecke) muss ansprechend und zugänglich gestaltet sein:
- Bücher müssen in kindgerechter Höhe auf Regalen präsentiert werden.
- Die Leseecke soll gemütlich und einladend eingerichtet sein.
- Ein freier, diskriminierungsfreier Zugang zu vielfältiger Literatur muss gewährleistet sein.