TENA 2: Leitfaden zur Obstbaumvermehrung

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Überblick

Eine hochwertige Baumschule ist der Schlüssel zum Erfolg eines Obstgartens. Wesentliche Merkmale für den Erfolg sind hierbei die Größe, das Alter, die Beschaffenheit und die Gesundheit der Pflanzen.

Errichtung einer Obstbaumschule

Die Baumschule sollte in Gebieten mit guter Verkehrsanbindung liegen. Zudem müssen die klimatischen Bedingungen der Region berücksichtigt werden und die Böden über reichlich organische Substanz verfügen.

Grundtypen der Vermehrungsmethoden

  • Sexuelle Fortpflanzung: Verwendung von Saatgut mit zygotischen Embryonen. Vorteile: Produktion kräftiger und virusfreier Pflanzen. Nachteile: Uneinheitlichkeit der erzeugten Pflanzen.
  • Apomixis: Asexuelle Vermehrung durch Samen mit asexuellen Embryonen (Polyembryonie).
  • Vegetative oder ungeschlechtliche Fortpflanzung: Nutzung von Pflanzenteilen als Vermehrungseinheiten. Vorteile: Erhalt der Eigenschaften der Mutterpflanze, Förderung der Frühreife. Nachteile: Risiko der Übertragung von Viruserkrankungen und Gefahr der genetischen Erosion.

Methoden der Pflanzenvermehrung (Hartman und Kester, 1994)

Geschlechtliche Vermehrung

  • A) Vermehrung durch Samen (Direktsaat).
  • B) In-vitro-Kultivierung von Embryonen (Nelken, Tabak, Petunie).
  • C) Embryonenkultur (Iris, Oliven).
  • D) Samenkultur (Orchideen).
  • E) Sporen (Farne).

Apomixis (asexuelle Embryonen)

  • A) Direktsaat nuzellarer Embryonen (Zitrusfrüchte, Mango).
  • B) In-vitro-Kultur nuzellarer Embryonen (Zitrusfrüchte).

Vegetative Vermehrung

  • Vermehrung durch Stecklinge: Spross, Blatt mit Knospen, Wurzel, Frucht.
  • Veredelung (Pfropfung): Okulation (Augenveredelung), Kopulation, Chip-Budding, Plattenokulation, Ringveredelung. Spaltpfropfen, Kronenpfropfen, Seitenpfropfen, Zungenpfropfen, Überbrückungspfropfung, Anplatten, Stützpfropfung.
  • Absenken (Layering): Triebspitzenabsenker, einfaches Absenken, Grabenabsenker, Luftableger.
  • Ausläufer und Teilung: Vermehrung durch Ausläufer oder Teilung.

Samenlagerung und Vorbehandlung

Das Saatgut sollte gereinigt und desinfiziert werden (z. B. mit Busan 10 %, Kupfer 5 %, Benomyl 5 %). Die Lagerung sollte in luftdurchlässigen Beuteln an einem kühlen, trockenen und gut belüfteten Ort erfolgen. Ein Schutz vor Insekten ist zwingend erforderlich.

  • Skarifizierung (Vertikutieren): Mechanische Bearbeitung des Endokarps und anderer Schutzschichten des Samens.
  • Stratifizierung: Lagerung der Samen in Behältern mit Sandschichten oder an geeigneten Standorten im Freien.

Detaillierte Methoden der vegetativen Vermehrung

  • Stecklingsvermehrung: Abtrennung eines Pflanzenteils oder Organs, um dieses am Leben zu erhalten und die fehlenden Organe zu regenerieren, um eine neue Pflanze zu gewinnen.
  • Absenken (Layering): Bildung von Adventivwurzeln an einem noch mit der Mutterpflanze verbundenen Trieb, der später abgetrennt wird, um eine neue Pflanze zu bilden.
  • Kindel/Schösslinge (Hijuelos): Tochterpflanzen, die sich an der Basis des Stammes, am Wurzelhals oder an den Wurzeln bilden; verbreitete Methode zur kommerziellen Vermehrung, oft im Winter.
  • Veredelung (Grafting): Ein Verfahren, bei dem ein Teil einer Pflanze mit einer anderen Pflanze (Unterlage) verbunden wird, welche die Nährstoffe für das Wachstum liefert, sodass beide Teile zu einer Pflanze verwachsen.
  • In-vitro-Vermehrung: Eine moderne Labormethode zur Gewinnung zahlreicher Pflanzen aus kleinsten Pflanzenteilen, Fragmenten oder Zellen unter sterilen Bedingungen.

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