Werteerziehung in Schule und Unterricht – Leitlinien, Ziele und Methoden
TOP 2: Werte in der Erziehung
Werteerziehung ist nicht neu und sehr notwendig, denn:
- Die Werte sind ein aktuelles Thema.
- Weil Bildung Fehler begehen kann, ist es Aufgabe der Lehrkräfte, Werte zu vermitteln und zu erziehen.
- Einflussfaktoren zeigen die Dringlichkeit, Werte in den Lehrplan einzubeziehen.
- Die Schulkultur als Mikrokultur ist nicht unabhängig von der sozialen Kultur.
- Sie muss eine umfassende Ausbildung der Schülerinnen und Schüler sicherstellen.
- Lehrerinnen und Lehrer können persönliche, kulturelle sowie lehr- und evaluative Einstellungs‑Komponenten nicht voneinander trennen; die Werte der Lehrkraft beeinflussen die Lehrleistung.
Begriff des Wertes
→ Wert: „Die Werte sind ideale Entwürfe, die das Leben leiten.“ (Bolívar, 1992).
Pädagogische Konsequenzen: Gemeinsame Entdeckung der Prinzipien, nach denen das Leben lebenswert ist. Werte müssen während des gesamten Prozesses des persönlichen Ausdrucks präsent sein und in dynamischer Beziehung zu allen Lebensbereichen stehen.
→ Wert: „Beständige Überzeugung, dass eine bestimmte Handlungsweise, ein Verhalten oder ein Endzustand des Daseins persönlich oder gesellschaftlich besser ist als eine entgegengesetzte.“ (Rokeach, 1973)
Folgen für die Lehre (Die Werteerziehung sollte...): Offene Alternativen bestehen lassen, diese durch Reflexion und Kritik fördern; Alternativen sollen Einsicht in einen Rahmen der Wahlfreiheit ermöglichen. Die vorzugswürdige Option sollte sich auf ein konsistentes, hierarchisches und gemeinschaftlich getragenes Wertesystem beziehen.
→ Wert: „Der Wert ist ein normatives Prinzip, das Verhalten steuert und regelt.“ (Coll, 1987)
Folgen für die Lehre (Die Werteerziehung sollte...): Aus Interaktion resultierende Förderung des kritischen Denkens mit dem Ziel, zu Handlung zu führen und Ergebnisse in einem Handlungsklima zu erzielen, das mit dem gewählten Wertesystem im Einklang steht.
→ Wert: Ideales Modell persönlicher Erfüllung, das unser Verhalten prägt, ohne notwendigerweise jemals vollständig realisiert zu werden.
→ Wert als Kernüberzeugung: Kernüberzeugungen sind die grundlegende Schicht, durch die wir die Welt interpretieren; sie geben Ereignissen und unserer Existenz Sinn.
→ Ortega y Gasset (1973, 18): „Überzeugungen sind die Kernschicht, die tiefste Schicht der Architektur unseres Lebens. Wir leben von ihnen und denken deswegen in der Regel nicht an sie. Wir sind mehr oder weniger von ihnen betroffen. Deshalb sagen wir, dass wir diese oder jene Ideen haben; unsere Überzeugungen haben wir nicht, sie sind vielmehr wir.“
Eigenschaften des Wertes
- Wahrer Charakter: Nach empirischer Auffassung ist real, was wir durch die Sinne wahrnehmen. Werte sind zwar subtil, aber real.
- Zwangsläufigkeit: Unsere Werte sind Teil unserer Persönlichkeit und wirken zwangsläufig mit.
- Alltäglichkeit: Werte sind im Alltag präsent; sie können entmystifiziert werden.
Struktur der Werte
Werte lassen sich strukturell wie folgt unterscheiden:
- Ziel- bzw. Objekt-Dimension: das ideale Ziel (Gerechtigkeit, Freiheit ...).
- Subjektive Dimension: die Wahrnehmung und das Erleben der Werte (Geschmack, Bedürfnisse ...).
- Relationale Dimension: die Beziehung zwischen den Bedürfnissen des Subjekts (Subjektivität) und den Gütern, die diese Bedürfnisse befriedigen können (Objektivität). Diese Beziehung verändert sich über die Zeit; in manchen Situationen ist die objektive, in anderen die subjektive Seite stärker gewichtet.
Man kann Werte auch folgendermaßen unterscheiden:
- Idee / Konzept: stabil, objektiv und universal (Universalismus).
- Erleben / Manifestation: veränderlich, subjektiv, individuell, relativ und historisch-dynamisch (Relativismus; Veränderung über die Zeit und aus individueller Perspektive).
Werte: Zwecke der Bildung
Es ist notwendig, Werte durch Bildung zu vermitteln, um folgende Zwecke zu erreichen:
- Mehr Autonomie der Menschen zu fördern.
- Integration der Lernenden in die Gesellschaft.
- Die Welt lebenswerter und bewohnbarer zu gestalten.
- Eine demokratische Gesellschaft zu pflegen und zu stärken.
Die Vermittlung von Werten
Die Vermittlung von Werten erfordert spezifische methodische Zugänge, die sich von anderen Fachdisziplinen unterscheiden:
- Werteerziehung ist eine gemeinsame Aufgabe von Schule, Familie und Gemeinschaft.
- Werte brauchen erfahrungsbasierte Zugänge; Werte müssen erlebt und reflektiert werden.
- Es gibt widersprüchliche Erfahrungen (Wert versus Gegenwert), die bearbeitet werden müssen.
Felder / Bereiche der Werterziehung:
- Unmittelbare Umgebung (Familie, Schule, Nachbarschaft).
- Das eigene Ich (Selbstwahrnehmung, Selbstverantwortung).
- Beziehungen zu anderen (Empathie, Solidarität).
Commitment und Engagement
Commitment to Action: Engagement, das zu konkretem Handeln verpflichtet.
- Engagementzentrum: Gemeinsames Handeln (Gemeinschaft) versus individuelles Handeln.
- Handlungsklima: Fokus auf lokales und globales Handeln ("Climate Action" → globaler Bezugspunkt).
Lehrerausbildung
Es gibt Schwierigkeiten beim Lehren von Werten; deshalb ist die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften entscheidend.
Benötigte Kompetenzen: technische und pädagogische Fähigkeiten kombiniert mit moralischer Sensibilität.
Strategien und Methoden:
- Empathie und Kommunikationsfähigkeit fördern.
- Ausbildung moralischer Urteilsfähigkeit und kritischen Denkens.
- Förderung von Dialog, Gastfreundschaft und Mitgefühl.
Integration der Werte in den Lehrplan
Es gibt verschiedene modellbezogene Maßnahmen zur Integration von Werten:
- Thematisches Modell (fächerübergreifende Themen mit Schwerpunkt Werten).
- Integrationsmodell (Werte in den regulären Fachunterricht einbetten).
Die Zusammenarbeit mit der Familie
Die Schule allein ist unzureichend; die Familie muss als natürlicher Lebensraum für die Aneignung von Werten fungieren.
- Ein Klima von Zuneigung und Akzeptanz in der Familie ist wichtig für die Wertevermittlung.
Hinweis: Dieses Dokument fasst zentrale Begriffe, Konsequenzen und methodische Hinweise zur Werteerziehung zusammen und kann als Grundlage für didaktische Planungen und die Lehrerausbildung dienen.