Altes Ägypten: Gesellschaft, Pyramiden und Religion
Die Gesellschaft im Alten Ägypten
Im Alten Ägypten bildeten verschiedene soziale Schichten eine streng hierarchisch gegliederte Gesellschaft. An oberster Stelle stand der Pharao. Direkt unter ihm folgten die königliche Familie sowie der Adel und die Priester. Die Priesterschaft besaß außerordentlich viel Macht; sie verwaltete Vermögenswerte und Güter, die das Volk dem Staat anvertraute oder den Göttern opferte, und übte großen Einfluss auf den Pharao aus. Die Ämter des Adels waren erblich und wurden traditionell vom Vater an den Sohn weitergegeben.
Unterhalb des Adels standen einfache Beamte, zahlreiche Priester kleinerer Tempel, Militäroffiziere, Künstler, Händler und Handwerker. Eine Schlüsselrolle nahmen die Schreiber ein: Sie beherrschten die Schrift und trugen die Verantwortung für die staatliche Verwaltung sowie die rechtliche Organisation. Am unteren Ende der Sozialpyramide befanden sich die Arbeiter, unter denen auch Sklaven, Ausländer und Kriegsgefangene vertreten waren. Den größten Teil der arbeitenden Bevölkerung stellten jedoch die Bauern, die sogenannten Fellachen. Sie waren verpflichtet, unentgeltliche Zwangsarbeit bei öffentlichen Bauprojekten des theokratischen Staates zu leisten (ein Staat, in dem politische Herrschaft und Religion unmittelbar verschmelzen). Sie lebten unter erbärmlichen Bedingungen und ernährten sich im Wesentlichen von Brot, Fisch und Hülsenfrüchten.
Pyramiden und Bestattungsriten
Die Ägypter maßen der Bestattungszeremonie höchste Bedeutung bei. Unabhängig vom Stand – ob Pharao, Adliger oder Bauer – glaubte man fest an ein Weiterleben nach dem Tod und an die leibliche Rückkehr der Seele. Das Grab galt somit als ewige Wohnstätte für das Jenseits. Die Beschaffenheit dieser Ruhestätte reichte von einfachen Erdgruben bis hin zu monumentalen Pyramiden, stets abhängig vom gesellschaftlichen Rang des Verstorbenen.
Die Pyramiden dienten vor allem als monumentale Totentempel für den Pharao und dessen Familie. Um dem Herrscher ein vollkommenes Weiterleben im Jenseits zu sichern, wurden Gebrauchsgegenstände des Alltags in die Grabkammern gelegt und die Innenwände mit Szenen des täglichen Lebens bemalt. Aus diesem Grund stellen die Pyramiden bis heute ein unschätzbares, lebendiges Dokument der Geschichte dar. Der Tod wurde lediglich als Übergangsphase verstanden, auf die das ewige Verweilen in der Grabstätte folgte.
Mumifizierung und Balsamierungstechniken
Da die Unversehrtheit des Körpers für die Rückkehr der Seele als unverzichtbar galt, entwickelten die Ägypter ausgefeilte Techniken der Mumifizierung und Einbalsamierung. Starb der Pharao, wurde sein Leichnam präpariert, um ihm die Unsterblichkeit zu garantieren. Spezialisierte Balsamierer führten das Ritual durch:
- Zunächst wurden die Eingeweide entnommen und in speziellen Gefäßen (Kanopen) aufbewahrt. Auch Herz, Lunge und Augen wurden sorgfältig behandelt bzw. entnommen.
- Anschließend wurde der Körper für etwa 70 Tage in ein Bad aus Wasser und Natron (Natriumbicarbonat) gelegt.
- Danach füllte man den Hohlraum mit aromatischen Harzen und Substanzen wie Myrrhe und Zimt, um Verwesungsprozesse zu verhindern.
- Nach dem Trocknen wurde der Leichnam kunstvoll in Leinenbinden gewickelt und mit Harzkleber versiegelt, um jeglichen Luftkontakt auszuschließen.
- Schließlich wurde die Mumie in einen Sarkophag gebettet, der die Gesichtszüge des Verstorbenen trug, damit die Seele ihren Körper wiedererkennen konnte, bevor er in die Grabkammer überführt wurde.
Die ägyptische Religion und die Götterwelt
Die Gesellschaft des Alten Ägyptens war tief von religiösen Vorstellungen durchdrungen. Man glaubte fest daran, dass die Gottheiten das irdische Dasein ebenso wie das Leben nach dem Tod maßgeblich beeinflussten.
Das Totengericht und das Totenbuch
Nach dem Glauben der Ägypter führte der schakalköpfige Gott Anubis die Seele des Verstorbenen vor Osiris, die oberste Totengottheit und Richter über das Jenseits. Auf dieser gefährlichen Reise führte der Verstorbene das Totenbuch mit sich – eine auf Papyrus verfasste Spruchsammlung, die vor den 42 Richtergöttern die Tugendhaftigkeit des Toten bezeugen sollte.
Beim Totengericht wurde das Herz auf eine Waagschale gelegt und gegen die Feder der Wahrheit (Maat) aufgewogen. Erwies sich das Herz als rein und wog nicht schwerer als die Feder, wurde die Seele freigesprochen und durfte sich wieder mit dem Körper vereinen; hierbei halfen die Inschriften an den Grabwänden. Wurde der Verstorbene jedoch schuldig gesprochen, verschlang ihn die Göttin Ammit, ein Ungeheuer mit Krokodilkopf.
Polytheismus und Tiergestalt der Götter
Die Religion war polytheistisch: Die Ägypter verehrten eine Vielzahl an Göttern unterschiedlichen Ursprungs. Einige Gottheiten verkörperten Naturkräfte, andere standen für abstrakte Prinzipien wie Wahrheit, Recht und Ordnung. Charakteristisch war der Anthropozoomorphismus, bei dem menschliche Gestalten mit Tierköpfen verschmolzen.