Analyse der Rede als soziale Praxis
Punkt 5: Analyse der Rede
Einführung
Die Rede wird als soziale Praxis vorgestellt, wobei verschiedene Analysezwecke und deren Anwendungen verglichen werden. Ziel ist es, die Mängel einer diskursiven Analyse aufzuzeigen, welche die Präsenz der Subjekte und den gesellschaftlichen Kontext bei der Produktion und Interpretation des Textes ignoriert.
1. Definition der Rede
Dies ist keine leichte Aufgabe, angesichts der Unklarheit der zu definierenden Begriffe. Erstens wird sie als Sprache verstanden (politisch, rechtlich, administrativ etc.). Die Sprache dient dabei als Vermittlung: Wir drücken uns selbst aus und bringen andere zum Ausdruck.
So offenbart sich die Sprache als Rede in zwei Aspekten:
- Die Rede als ein Prädikat (Teil eines Satzes).
- Die Rede als Kommunikationssituation: Umstände, unter denen der Satz einen Sinn ergibt.
In diesem Sinne ist das Wort geordnet; Texte sind austauschbar und werden in ähnlicher Weise verwendet, aber manchmal verwechselt. Der Begriff Text wird oft als schriftlich verstanden (das Lesen eines Textes), während die Rede mit mündlicher Kompetenz assoziiert wird (eine Rede vor Zuhörern). Dieses Unterscheidungsmerkmal darf jedoch die schriftliche Fassung einer Rede nicht verkennen.
Hierbei müssen wir den Text als statischen Ausdruck betrachten, während die Rede lebendig und dynamisch ist. Der Text ist in einem zwischenmenschlichen Dialog sinnvoll, in dem sich die Worte und ihre Bedeutung auf Umstände oder die persönliche Situation des Subjekts beziehen. Er spricht darüber hinaus, was gesagt oder ausgesagt wird. Aus diesem Grund wird der Text als ein Objekt verstanden, das von jemandem produziert wurde, beobachtet werden kann und aus verschiedenen Blickwinkeln interpretiert wird – jedoch nie von allen Seiten gleichzeitig.
Beispiel: „Schieß!“ (Verschiedene Kontexte führen zu anderen Interpretationen und Standpunkten: Jagd, Sport, Fotografie etc.).
Nach diesen Überlegungen sollte der Text als materieller Ausdruck der Sprache angesehen werden. Ein weiteres Problem bei der Definition von Diskurs sind das Medium (in dem er erscheint) und die Form (die Einheit, die ihn enthält). Da die Rede Sprache ist und das Medium den Ausdruck bestimmt, kann sie auch durch non-verbale Zeichen (Bilder, Individuen etc.) vermittelt werden. Die Rede reicht vom Gebet bis hin zu einer Menge von Sätzen, welche die interne Kohärenz und Konsistenz dieser Einheit festlegen.
Trotz aller Schwierigkeiten können wir die Rede als Gegenstand der Forschung bestimmen, durch den die Untersuchung und das Verständnis der gesellschaftlichen Wirklichkeit erfolgt.
2. Rede und qualitative Forschungsmethoden
Der dominante gesellschaftliche Diskurs besitzt einen empirischen Wert in der Forschungsarbeit und Feldarbeit. Die verschiedenen Methoden und Verfahren der Sozialforschung sind Instrumente, um Informationen für die Analyse der untersuchten diskursiven Wirklichkeit bereitzustellen. Das resultierende Produkt dieser Erfahrung – die Kommunikation – ist das Ergebnis eines Dialogs zwischen Forscher und Subjekt im Rahmen eines Gesprächs oder Beobachtungen in Bezug auf wissenschaftliche oder soziale Zwecke.
Jedes menschliche Verhalten oder Handeln kommuniziert potenziell etwas. Die Forschung versucht, diese kommunikative Erfahrung zu interpretieren: Was bedeutet es? Was ist damit gemeint? Wer sagt was? Das, was gesagt wurde, die Absicht oder die Wirkung bilden das Fundament der wissenschaftlichen und sozialen Forschung. Dies ist die umfassende Orientierungshilfe, welche die Diskursanalyse verwendet.
In der quantitativen Forschung geht diese Funktion oft verloren, da durch die Übersetzung in Zahlen der Kontext der Reaktionen verloren geht (Dekontextualisierung). Daher ist die Diskursanalyse direkt mit der qualitativen Forschung verknüpft, da dieser Ansatz ein qualitatives Verständnis und die Auslegung von Texten erfordert, die von Personen in einer zwischenmenschlichen Kommunikationssituation produziert wurden.
3. Die Rede als soziale Praxis
Reden sind eine Form der gesellschaftlichen Praxis. Sie sind mehr als einfache Sprache (verbal oder non-verbal), da die Wörter oder Ausdrücke einer Rede mit der Absicht und Fähigkeit verbunden sind, die soziale Wirklichkeit zu beeinflussen oder zu verändern (z. B. wenn ein Richter sagt: „Die Sitzung ist unterbrochen“ – hier sind Wort und Handlung nicht zu trennen).