Analyse des Schelmenromans: Lazarillo de Tormes
Inhalt und Entwicklung von Lazarillo de Tormes
Lazarus beginnt seine Erzählung mit seiner Geburt und schildert seinen Werdegang bis zur Gegenwart, wobei er die gesellschaftlichen Umstände kritisch beleuchtet, die ihn geprägt haben. Lazarus ist ein bescheidener, verwaister Junge, dessen Mutter ihn in die Obhut anderer gab, während sie selbst auf der Suche nach einem Ehemann war. Der Leser verfolgt die Wandlung des Protagonisten vom naiven Kind zum Schelm, der List als Überlebensstrategie nutzt. Diese Entwicklung vollzieht sich durch verschiedene Dienstherren, bis Lazarus schließlich eine Anstellung als Prediger in der Kirche von San Salvador findet und die Magd des Erzpriesters heiratet. Trotz der Untreue seiner Frau und des Verlusts seiner Ehre endet der Brief mit einem zynischen Argument des Erzpriesters, der behauptet, trotz der Umstände das Glück gefunden zu haben.
Verlag und Autorschaft
Die ersten drei Ausgaben von Lazarillo de Tormes erschienen im Jahr 1554 (in Burgos, Antwerpen und Alcalá de Henares). Über das genaue Datum der Entstehung lässt sich lediglich sagen, dass das Werk nach 1525 verfasst wurde. Da der Autor unbekannt bleibt, wird das Werk als anonym geführt. Im Laufe der Zeit gab es zahlreiche Vermutungen zur Autorschaft:
- 1605: Zuschreibung an Fray Juan de Ortega.
- 1607: Zuschreibung an Diego Hurtado de Mendoza.
- 20. Jahrhundert: Vermutungen im Umfeld des Erasmianismus, wie die Brüder Valdés oder Sebastián de Orozco.
Es gibt jedoch keinen endgültigen Beweis für eine dieser Theorien.
Der Schelmenroman: Merkmale
Der Schelmenroman (Pikarischer Roman) zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Der Protagonist: Ein Schelm aus der Unterschicht, der ohne Ehre aufwächst und versucht, durch Betrug und List sozial aufzusteigen.
- Autobiografische Form: Die Geschichte wird in der ersten Person erzählt, was eine subjektive Sichtweise ermöglicht.
- Offene Struktur: Der Roman besteht aus losen Episoden ohne festes Ende.
- Soziale Herkunft: Die Unterschicht ist gezwungen, ein Leben am Rande der Legalität zu führen.
- Erzähltechnik: Einbindung von volkstümlichen Elementen und Sprichwörtern.
- Rechtfertigung: Der Protagonist versucht, seine moralisch fragwürdige Situation zu legitimieren.
- Satire: Starke Kritik an allen gesellschaftlichen Schichten.
- Realismus: Die Wirklichkeit wird ungeschönt und ohne Idealisierung dargestellt.
Zusammenfassung: Lazarillo
Der Roman ist als autobiografischer Brief verfasst, der aus einem Prolog und sieben Kapiteln besteht. Der Protagonist schreibt seine Geschichte an einen Adressaten („Euer Gnaden“), um seine aktuelle Lebenssituation – insbesondere die Ehe mit der Geliebten des Erzpriesters – zu erklären.