Atemwegsinfektionen und Mononukleose: Diagnose & Therapie
Infektionen der Atemwege
Obere Atemwegsinfektionen
Pharyngotonsillitis
Die meisten Fälle sind viral bedingt. Antibiotika sollten nur verabreicht werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Fieber > 38 °C, Exsudat, vordere zervikale Lymphadenopathie und das Fehlen von Husten. Mittel der Wahl: Amoxicillin 500 mg alle 8 Stunden für 10 Tage.
Rhinitis
Meist viral bedingt. Mukopurulente Sekrete erfordern nur dann Antibiotika, wenn die Dauer 7 Tage überschreitet und eine Beteiligung der Nebenhöhlen vorliegt.
Sinusitis
Ursachen: S. pneumoniae, H. influenzae oder Viren. Klinisches Bild: Stirnkopfschmerz, eitrige Sekretion und Fieber. Therapie: Amoxicillin-Clavulansäure für 10–14 Tage oder Makrolide (Clarithromycin, Azithromycin).
Akute Otitis media
Ätiologie wie bei Sinusitis. Symptome: Schmerzen, Rötung, Vorwölbung des Trommelfells, Sekretion. Therapie: Amoxicillin/Clavulansäure plus Makrolid oder NSAR.
Untere Atemwegsinfektionen
Akute Bronchitis
Im Allgemeinen viral bedingt. Symptome: Husten, Auswurf, Fieber und Rasselgeräusche. Therapie: NSAR und Hustenmittel; bei Bronchospasmus Bronchodilatatoren. Antibiotika nur bei Anzeichen einer eitrigen Sputum-Verschlechterung oder Schweregrad.
Ambulant erworbene Lungenentzündung (Pneumonie)
Häufigste Erreger: S. pneumoniae und M. pneumoniae. Empirische Therapie: Amoxicillin 1g alle 8h, Procain-Penicillin 1.200.000 U alle 12h oder Erythromycin 500mg alle 6h für bis zu 14 Tage. Bei Verdacht auf Beta-Laktam-Resistenz (z. B. nosokomiale Infektion, Krankenhausaufenthalt vor 3 Monaten, Pneumonie im Vorjahr, Grunderkrankung, Kontakt zu Kindern unter 5 Jahren) erfolgt die Umstellung der Therapie:
- Levofloxacin: 500 mg alle 24h.
- Moxifloxacin: Hohe Aktivität gegen Pneumokokken, breites Spektrum, Dosis 400 mg für 5–10 Tage (wenig Erfahrung, Wechselwirkungen beachten).
- Telitromycin: Ein Ketolid, 800 mg alle 24h (nicht unter 12 Jahren).
Die Mortalität steigt bei: Alter, Begleiterkrankungen, multilobulärem Befall, Leukozytose > 30.000 oder Leukopenie < 4.000, Hypotonie oder respiratorischer Insuffizienz.
Mononukleose-Syndrom (Pfeiffersches Drüsenfieber)
Ätiologie: Diverse Erreger, Epstein-Barr-Virus (EBV) ist mit ca. 90 % am häufigsten. Weitere Ursachen (10 %): CMV, Toxoplasma, humanes Herpesvirus 6, HIV und andere (selten: Röteln, Listerien, Windpocken; sehr selten: Adenoviren, Brucellose, Mumps, Syphilis, Q-Fieber, Herpes).
Klinische Symptome und Diagnose
Klinische Trias: Fieber (10–14 Tage, hoch und anhaltend), Lymphadenopathie (Nacken, Okzipital oder Retroaurikulär, schmerzhaft) und Halsschmerzen (Pharynx erythematös mit grauem, pultaceum Exsudat, sehr schmerzhaft).
Laborwerte: Charakterisiert durch Leukozytose mit > 50 % mononukleären Zellen (Lymphozyten) im peripheren Blut und einem Anteil atypischer Lymphozyten von > 10 %. Häufig leichte Neutropenie und veränderte Leberwerte.
Epidemiologie: Inkubationszeit 4–6 Wochen. EBV ist ein Herpesvirus; 95 % der Erwachsenen sind seropositiv. Die Übertragung erfolgt über Speichel („Kissing Disease“). Das Virus persistiert bis zu 18 Monate im Mund-Rachenraum.
Diagnostik und Verlauf
Diagnostik: Paul-Bunnell-Test (heterophile Antikörper, positiv ab Titern > 1:56). 10 % der Patienten sind negativ. Serologisch können Anti-VCA, Anti-EBNA und Anti-EA Antikörper bestimmt werden.
Verlauf und Komplikationen: Die Mehrheit heilt spontan in 2–3 Wochen aus. Selten chronische Asthenie. Komplikationen: Milzruptur, Meningitis, Enzephalitis oder Obstruktion der oberen Atemwege.
Therapie: Symptomatisch mit Paracetamol oder NSAR, reichlich Flüssigkeit und Ruhe. Kortikosteroide nur bei Komplikationen. Wichtiger Hinweis: Bei Gabe von Aminopenicillinen (wie Amoxicillin) während einer Mononukleose tritt häufig ein charakteristischer Hautausschlag auf.
Andere Ursachen
- CMV: Längeres Fieber, weniger ausgeprägte Lymphadenopathie, höheres Alter (25–35 Jahre), Übertragung sexuell oder durch Blut.
- Toxoplasmose: Fieber und Lymphadenopathie, jedoch keine Pharyngitis.