Eigenschaften von Mineralien: Morphologie, Glanz und Härte
Morphologie der Kristalle
Habitus: Die Morphologie der Kristalle wird so beschrieben, wie sie vorkommen, wenn die Kristalle zusammengefasst oder einzeln betrachtet werden.
Mineralische Aggregate:
- Dendritisch: baumartig verzweigte, dünne Zweige und Pflanzenähnliche Formen.
- Drusen: divergierende Gruppen von Kristallen, in denen eine Fläche kreuzweise verbunden ist und kleine Hohlräume bedeckt.
- Radialstrahlig: Einzelkristalle oder Kristallgruppen, die von einem Zentrum ausstrahlen.
- Säulenförmig: Kristalle ähneln Säulen.
- Faserig: dünne Faserkristalle, die parallel oder radial angeordnet sind.
- Kugelig (globulär): kugelförmige oder halbkugelförmige Gruppen.
- Sternförmig: konzentrisch angeordnete, sternförmige Kristalle.
- Traubig (botryoidal): kugelsternhaufenartige Formen wie Trauben.
- Brustförmig (mamillär): abgerundete, brustähnliche Massen.
- Kolloform: Sammelbegriff für alle Formen mit ± runder Gestalt.
- Nierenförmig: nierenähnliche Kristalle.
- Blättrig bzw. schuppig: Flocken oder Blätter, die sich leicht in einzelne Blätter oder Platten trennen lassen.
- Federig (plumos): feine, faserige oder schaumige Struktur, wie beim Glimmer, der sich in kleine Blätter zerlegen lässt.
- Tafelig bzw. tabellarisch: lässt sich leicht in Bögen spalten.
- Stalaktitisch: kegel- oder zylinderförmige Bildungen.
- Oolithisch: fischrogenartige Bereiche, kleine kugelige Körner.
- Pisolithisch: Massen aus erbsengroßen Körnern.
- Bandförmig: als schmales Band mit verschiedenen Farben oder Texturen.
- Geodenförmig: Hohlraum mit Kristallen, der nicht vollständig bedeckt ist.
Physikalische Eigenschaften
I. Spezifische Dichte
Die Zahl, die das Verhältnis zwischen dem Gewicht und dem Volumen bei 4 °C angibt.
II. Mechanische Eigenschaften
Bruch (Fraktur)
- Muschelig: Die Oberfläche bricht in schalenförmigen Stücken, ist weich und geschmeidig.
- Uneben: Bruch in unregelmäßiger, unebener Form, z. B. bei Tetraedrit.
- Splittrig: Bruch in spitzen oder hakenförmigen Bruchstücken, z. B. bei Asbest, Gips, Markasit, gediegen Kupfer, Silber und Gold.
Härte
Die Widerstandsfähigkeit eines Minerals gegen Ritzen und Kratzen. Die Mohs-Skala reicht von 1 bis 10 (z. B. Talk 1, Kalkspat 3, Stahl ca. 5,5 bis 6,5).
Zähigkeit
- Spröde: Mineralien brechen oder zerbrechen leicht zu Pulver, z. B. Zinkblende und Bleiglanz.
- Sektil: Das Mineral lässt sich mit einem Messer in dünne Späne schneiden.
- Schmiedbar (Temperguss): Graphit bildet dünne Bleche unter Schlag mit dem Hammer.
- Duktil: Verformbar zu Drähten, z. B. gediegen Gold, Silber und Kupfer.
- Biegsam (flexibel): Das Mineral kann verformt werden und bleibt in der neuen Form, z. B. Talk und Chlorit.
- Elastisch: Das Mineral kehrt nach der Verformung wieder in seine ursprüngliche Form zurück, z. B. Biotit und Muskovit.
Optische Eigenschaften
1. Optische Oberflächeneigenschaften
Diese hängen von der Art der Lichtreflexion an der Oberfläche ab:
- Glasglanz: glänzend oder brillant, wenn die Bilder klar erscheinen.
- Weicher Glanz: Bilder erscheinen nicht klar.
- Diamantglanz: brillant und lebhaft.
- Matt: keine Reflexion des Lichts.
- Metallglanz: bei Metallen, die poliert sind.
- Nichtmetallischer Glanz: weniger brillant als bei Metallen, z. B. harzartig, perlmuttartig oder seidenartig.
- Farbe: Die Farbe ergibt sich aus der Kombination der absorbierten und reflektierten Strahlen. Weiß, Gelb, Grau, Rot, Blau, Grün, Schwarz und braune Töne sind möglich.
- Strich: Die Farbe des Pulvers auf einer Strichplatte.
- Spiel der Farben: verschiedene Farben erscheinen beim Drehen des Minerals.
- Opaleszenz: milchige, schimmernde Reflexion im Inneren des Minerals.
- Iridiszenz: Erscheinen prismatischer Farben an der Oberfläche.
2. Optische Eigenschaften im Inneren
Diese beschreiben die Ausbreitung des Lichts durch das Mineral:
- Isotrop: Das Licht breitet sich in alle Richtungen gleich aus.
- Anisotrop (doppelbrechend): Das Licht wird je nach Richtung unterschiedlich gebrochen.
- Phosphoreszenz: Nachleuchten nach Bestrahlung.
- Fluoreszenz: Lichtemission, wenn das Mineral von ultraviolettem Licht getroffen wird.
Thermische Eigenschaften
- Schmelzbarkeit: Die Schmelzbarkeit wird auf einer Skala angegeben, z. B. Stibnit 525 °C, Natrolith 965 °C, Almandin 1200 °C, Aktinolith 1296 °C, Orthoklas 1300 °C.
- Wärmeleitfähigkeit: Gute oder schlechte Wärmeleitung des Minerals.
- Ausdehnung: Die Ausdehnung bei Erwärmung hängt von den kristallographischen Konstanten ab.
- Diathermie: Durchlässigkeit für Wärmestrahlen. Diathermane Minerale lassen Wärmestrahlen passieren, athermane nicht.
Elektrische und magnetische Eigenschaften
- Elektrische Leitfähigkeit: Gute Leiter und Nichtleiter der Elektrizität.
- Pyroelektrizität: Bestimmte Kristalle laden sich beim Erwärmen an gegenüberliegenden Enden entgegengesetzt elektrisch auf.
- Piezoelektrizität: Kristalle laden sich durch Druck oder Reibung elektrisch auf.
- Magnetismus: Bestimmte Minerale wie Magnetit werden von einer Magnetnadel angezogen.
Organoleptische Eigenschaften
a) Geschmack und Geruch
- Zusammenziehend (adstringierend): Geschmack von Sulfaten.
- Alkalisch: Geschmack von Carbonaten.
- Bitter: Geschmack von Bittersalz (Epsomit).
- Salzig: Geschmack von Kochsalz.
- Kühlend: Geschmack von Nitraten.
- Sauer: Geschmack von Säuren wie Schwefelsäure.
b) Geruch
- Knoblauchartig: z. B. Arsen.
- Schwefelartig: z. B. Pyrit.
- Rettichartig: bei Zersetzung.
- Öl- bzw. erdölartig: z. B. Bitumen.
- Stinkend (faulig): z. B. bei Schwefelwasserstoff.
- Tonig (erdig): z. B. Schlamm.
c) Tastgefühl
- Glatt: z. B. Sepiolith.
- Fettig: z. B. Talk.
- Rau: rau anzufühlen.