Grundlagen der Anatomie und Physiologie des Menschen
Einführung in die medizinischen Fachbereiche
Anatomie: Die Wissenschaft von den Strukturen des Körpers und ihren Komponenten, einschließlich Form, Größe und Position.
Physiologie: Die Wissenschaft, welche die Funktionen dieser Strukturen und die körperlichen Abläufe untersucht. Sie befasst sich damit, wie die Körperteile arbeiten.
Pathologie: Der Zweig der Medizin, der Krankheiten im Allgemeinen, ihre Ursachen und Erscheinungsformen studiert.
Biochemie: Die Wissenschaft, welche die biologischen Prozesse auf molekularer Ebene untersucht.
Hierarchische Struktur des menschlichen Körpers
- Die chemische Ebene: Atome und Moleküle kombinieren sich, um Strukturen auf zellulärer Ebene zu bilden.
- Die zelluläre Ebene: Die grundlegende strukturelle und funktionelle Einheit.
- Die Gewebeebene: Cluster ähnlicher Zellen. Es gibt vier grundlegende Arten von Gewebe: Epithel-, Binde-, Muskel- und Nervengewebe.
- Die Organebene: Strukturen, die aus zwei oder mehr Gewebearten bestehen und spezifische Funktionen sowie erkennbare Formen besitzen.
- Die Systemebene: Verschiedene Organe arbeiten zusammen, um die gleiche Funktion zu erfüllen. Ein Organ kann dabei Teil von mehr als einem System sein.
Chemische Struktur und Klassifikation
Die lebende Materie ist durch ihre Organisation und Eigenschaften gekennzeichnet, die von der Zusammensetzung und der molekularen Struktur abhängen.
Bioelemente und Biomoleküle
Moleküle, die Teil des biologischen Materials sind, werden als Biomoleküle bezeichnet. Diese entstehen durch den Zusammenschluss spezifischer chemischer Elemente, den Bioelementen.
Bioelemente werden nach ihrer Häufigkeit geordnet:
- Primäre Bioelemente: Machen bis zu 95 % der Gesamtmasse aus.
- Sekundäre Bioelemente: Machen rund 4,5 % der Gesamtmasse aus.
- Spurenelemente: Obwohl sie nur in Spuren vorkommen, ist ihre Anwesenheit essenziell. Ihr Fehlen führt zu Mangelkrankheiten oder Defizitsymptomen.
Biomoleküle werden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Anorganische Biomoleküle: Inerte Materialien wie Wasser und Mineralsalze.
- Organische Biomoleküle: Moleküle, die nur in Lebewesen vorkommen: Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Vitamine und Nukleinsäuren.
Funktionen der Biomoleküle
- Strukturfunktion: Aufbau biologischer Strukturen.
- Energiefunktion: Freisetzung oder Speicherung von Energie.
- Dynamische Regulation: Beteiligung an biologischen Reaktionen.
Wasser als Lebensgrundlage
Wasser ist das wichtigste Molekül für Lebewesen, da der Großteil unseres Körpers daraus besteht. Es:
- löst die meisten Biomoleküle im Körper auf.
- dämpft Änderungen der Umgebungstemperatur.
- erleichtert chemische Reaktionen.
Kohlenhydrate, Lipide und Proteine
Kohlenhydrate (Zucker)
Bestehen aus Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoffatomen. Quellen sind:
- Exogen: Über die Ernährung (Getreide, Knollen etc.).
- Endogen: Vom Körper selbst synthetisiert.
Funktionen: Energiequelle (4 kcal/g), Struktur (Pflanzen, Pilze) und Ballaststofflieferant (Zellulose).
Klassen:
- Monosaccharide: Einfachzucker wie Ribose, Glucose, Fructose oder Galaktose.
- Oligosaccharide: Bestehen aus 2 bis 10 Monosacchariden (z. B. Saccharose, Lactose, Maltose).
Lipide (Fette)
Chemische Verbindungen aus C, O und H. Funktionen: Regulation, Energie, Struktur und Wärmedämmung. Einteilung:
- Einfache Lipide: Bestehen aus einem Molekül (z. B. Steroide, Cholesterin).
- Zusammengesetzte Lipide: Bestehen aus zwei oder mehr Molekülen (z. B. Triglyceride, Phospholipide).
Proteine (Eiweiße)
Bestehen aus Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, oft auch Schwefel, Phosphor oder Eisen. Sie sind Ketten aus 20 Aminosäuren, die durch Peptidbindungen verknüpft sind. Ihre Rolle ist vielfältig, primär dienen sie als Baustoffe für lebende Materie.
Vitamine und Nukleinsäuren
Vitamine
Organische Verbindungen, die für lebenswichtige Funktionen notwendig sind (Coenzyme, Antioxidantien). Sie liefern keine Energie und sind keine Baustoffe.
- Hypovitaminose: Partieller Mangel.
- Avitaminose: Totaler Mangel.
- Hypervitaminose: Überschuss.
Einteilung nach Löslichkeit:
- Wasserlöslich: Vitamine der B-Gruppe und Vitamin C.
- Fettlöslich: Vitamine A, D, E und K.
Nukleinsäuren
Große Moleküle aus Nukleotidketten. Ein Nukleotid besteht aus einer Pentose, Phosphorsäure und einer stickstoffhaltigen Base. Unterschieden werden:
- DNA: Besteht aus einer Doppelhelix (Doppelkette).
- RNA: Besteht aus einer einfachen Kette.
Struktur und Funktion der Zelle
Die Zelle ist die kleinste strukturelle und funktionelle Einheit des Lebens. Man unterscheidet:
- Prokaryoten: Kein Zellkern; das genetische Material liegt frei im Zytoplasma (z. B. Bakterien).
- Eukaryoten: Besitzen eine Kernmembran, die das genetische Material umschließt. Sie sind größer und besitzen viele Organellen (Pflanzen und Tiere).
Anatomie der eukaryotischen Zelle
- Zellmembran: Flexible Hülle aus einer Lipiddoppelschicht mit Proteinen. Sie reguliert den Stofffluss.
- Zellkern: Enthält die Gene auf den Chromosomen und steuert die Zellaktivitäten.
- Zytoplasma: Bereich zwischen Membran und Kern, bestehend aus Zytosol, Zytoskelett und Organellen.
Wichtige Zellorganellen
- Ribosomen: Proteinsynthese.
- Endoplasmatisches Retikulum: Netzwerk für Transport und Synthese.
- Golgi-Apparat: Sortierung und Versand von Proteinen.
- Mitochondrien: Kraftwerke der Zelle (Energiegewinnung durch Oxidation).
- Lysosomen: Verdauung von biologischem Material.
- Zentrosom: Organisation der Mikrotubuli (in Tierzellen).
Zellphysiologie
- Ernährung: Stoffwechselreaktionen zur Energiegewinnung und zum Wachstum.
- Interaktion: Reaktion auf externe Reize (Licht, Chemie) zur Anpassung.
- Fortpflanzung: Zellvermehrung durch Mitose (identische Kopien) oder Meiose (geschlechtliche Fortpflanzung mit halbiertem Chromosomensatz).
Gewebearten des Körpers
Gewebe sind Gruppen von Zellen und einer Matrix, die spezifische Aufgaben erfüllen. Man unterscheidet vier Grundtypen:
1. Epithelgewebe
Auskleidung von Außenflächen (Haut) und Innenflächen (Schleimhäute). Es dient dem Schutz, Transport und der Sekretion.
- Oberflächenepithel: Einfach (eine Schicht) oder mehrschichtig (Laminat).
- Drüsenepithel: Exokrin (mit Ausführungsgang) oder endokrin (Abgabe ins Blut).
2. Binde- und Stützgewebe
Das am weitesten verbreitete Gewebe. Es verbindet, unterstützt und schützt Organe. Dazu gehören:
- Lockeres und dichtes Bindegewebe.
- Fettgewebe (Speicherung von Fett in Adipozyten).
- Knochen- und Knorpelgewebe.
- Blut (Flüssiges Bindegewebe mit Plasma als Matrix).
3. Muskelgewebe
Erzeugt Kraft und Bewegung. Es gibt drei Typen:
- Skelettmuskulatur: Gestreift, willkürlich steuerbar.
- Glatte Muskulatur: In Organwänden, unwillkürlich.
- Herzmuskulatur: Spezialisiertes Gewebe der Herzwand.
4. Nervengewebe
Besteht aus Neuronen (Reizleitung) und Neuroglia (Schutz und Ernährung der Neuronen). Es bildet das zentrale und periphere Nervensystem.