Grundlagen der Betriebswirtschaft und Unternehmensführung
T-9: Merkmale der KMU
1. Allgemeine Merkmale
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) beschäftigen den Großteil der Arbeitskräfte. In Spanien sind 95 % der Unternehmen klein oder mittelständig (pymes) und haben eine große soziale sowie wirtschaftliche Bedeutung. Die Hauptmerkmale sind:
- Markteinfluss: Aufgrund ihrer geringen Größe beeinflussen sie den Markt kaum direkt.
- Eigentum: Das Kapital gehört meist einer oder wenigen Personen.
- Autonomie: Entscheidungen werden autonom getroffen, was ihren Charakter und ihre Entwicklung prägt.
- Homogenität: Wenige Entscheidungsträger erleichtern die Einigkeit bei Kriterien.
- Nähe: Die Nähe zwischen Eigentümern und Mitarbeitern fördert die Erreichung betrieblicher Ziele und spart Überwachungs- sowie Kontrollkosten.
- Arbeitsbeziehungen: Ein gutes Arbeitsklima stärkt das Potenzial der Beschäftigten.
2. Vorteile und Nachteile
a) Vorteile
- Konfliktarmut: Weniger interne Konflikte durch direkte Beteiligung der Führung.
- Flexibilität: Hohe Anpassungsfähigkeit an konjunkturelle Änderungen.
- Kundenbindung: Direkte Beziehungen und Wissen über Kundenwünsche senken die Ausfallquoten.
- Reaktionszeit: Schlanke Strukturen ermöglichen schnelle Änderungen.
- Krisenfestigkeit: In Rezessionen können sie oft besser agieren als Großunternehmen, da sie weniger strukturelle Fixkosten haben.
- Zulieferfunktion: Sie dienen oft als wichtige Hilfsbetriebe für Großunternehmen.
b) Nachteile
- Skaleneffekte: Die geringe Größe verhindert oft optimale Bedingungen und die Nutzung von Economies of Scale.
- Finanzierung: Mangel an ausreichendem Kapitalpotenzial; Banken stellen oft hohe Anforderungen.
- Technologie: Sie verfügen nicht über die technischen Kapazitäten großer Unternehmen.
- Verhandlungsmacht: Sie können ihre Politik gegenüber Kunden oder dem System kaum erzwingen.
- Rechtliche Schwäche: Sozial- und Arbeitsrecht sowie steuerliche Lasten können die Autonomie gefährden, besonders wenn sie von Großen übernommen werden.
T-8: Multinationale Unternehmen
Als multinationale Unternehmen werden Firmen bezeichnet, die aus einer Muttergesellschaft bestehen, welche eine Reihe von Tochtergesellschaften in verschiedenen Ländern kontrolliert. In der Muttergesellschaft befinden sich die zentrale Leitung und das Design der internationalen Expansionsstruktur.
Die Globalisierung wird durch folgende Faktoren begünstigt:
- Schaffung von Freihandelszonen für Waren, Kapital und Mitarbeiter.
- Verringerung von Zollschranken und Handelsbeschränkungen.
- Außergewöhnliche Entwicklung der Kommunikation (Internet, Telefonie).
- Globalisierung der Finanzmärkte und Investitionsfreiheit weltweit.
1. Faktoren der multinationalen Entwicklung
- Markteroberung: Wunsch, in Märkten präsent zu sein, in denen man zuvor nicht war.
- Überwindung von Barrieren: Umgehung von protektionistischen Zollschranken durch lokale Tochtergesellschaften.
- Wettbewerbsvorteile: Nutzung niedriger Löhne oder geringerer Umweltauflagen in anderen Ländern.
- Produktlebenszyklus: Transfer von Technologien oder Produkten, die in Industrieländern bereits im Rückgang sind, in weniger entwickelte Länder.
2. Struktur der Multinationalen
Die Organisation kann über eine zentrale globale Kontrolle oder über regionale Zentren erfolgen. Man unterscheidet:
- Zweigstellen: Direkt von der Muttergesellschaft abhängig, oft zentralisiert und mit geringer Autonomie.
- Tochtergesellschaften: Eigenständigere Einheiten im jeweiligen Gastland.
3. Soziale Verantwortung
Die Ansiedlung in anderen Ländern kann positive Effekte wie Wohlstand und Arbeitsplätze haben, aber oft schaden sie der Gesellschaft oder Umwelt durch:
- Umweltmissbrauch: Industrieanlagen in Ländern mit schwachen ökologischen Gesetzen.
- Delokalisierung: Verlagerung der Produktion in Billiglohnländer, was im Ursprungsland zu Arbeitslosigkeit führt.
Konsequenterweise müssen Staaten Gesetze schaffen, die Investitionen flexibilisieren, aber auch den gesellschaftlichen Nutzen garantieren.
T-5: Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
1. Wettbewerbssituation
Wettbewerb ist die Situation, in der verschiedene Firmen die gleichen Güter und Dienstleistungen auf dem Markt anbieten und versuchen, eine möglichst große Anzahl an Verbrauchern zu gewinnen. Das kapitalistische System ist durch den Kampf um Marktanteile geprägt.
Situationen wie vollkommener Wettbewerb oder Monopole sind selten; normal sind Oligopole oder monopolistische Konkurrenz. Nur effiziente und wettbewerbsfähige Firmen sichern ihr Überleben.
2. Strategien und Wettbewerbsvorteile
Ein Unternehmen muss seine Wettbewerbsfaktoren kennen:
- Rivalität unter bestehenden Wettbewerbern.
- Bedrohung durch neue Konkurrenten.
- Bedrohung durch Substitutionsgüter.
- Verhandlungsmacht von Käufern und Verkäufern.
Strategische Linien für den Erfolg:
- Kostenführerschaft: Geringere Kosten ermöglichen reduzierte Preise.
- Differenzierung: Besseres Design, Image oder Markenwert.
- Segmentierung: Ausrichtung auf spezifische Nischen.
Ein Wettbewerbsvorteil entsteht durch den Wert, den ein Unternehmen schafft. Wert bedeutet die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Je größer die Differenz zwischen dem wahrgenommenen Wert und dem Preis, desto größer der Vorteil.
3. Schutz des Wettbewerbs
Um illegale Absprachen (Kartelle) zu verhindern, die Verbrauchern schaden, sind missbräuchliche Praktiken verboten:
- Preiskoordinierung oder Produktionsbeschränkungen.
- Marktaufteilung oder Kontrolle von Bezugsquellen.
Wichtige Organe sind das Wettbewerbsregister, die Aufsichtsdienste und das Wettbewerbsgericht.
T-3: Das Unternehmensumfeld
Das Umfeld besteht aus Personen, Institutionen und Akteuren, die das Unternehmen beeinflussen oder von ihm beeinflusst werden. Man unterscheidet das allgemeine Umfeld (politisch, sozial, ökonomisch) und das spezifische Umfeld.
1. Merkmale des Umfelds
- Dynamik: Schnelle Änderungen im Konsumverhalten erfordern rasche Reaktionen.
- Komplexität: Es wird viel Wissen und Information benötigt, um richtige Entscheidungen zu treffen (Steuern, Finanzierung, Arbeitsrecht, Sicherheitsstandards).
- Hostilität (Feindseligkeit): Verursacht durch harten Preis- und Qualitätswettbewerb sowie gesetzliche Beschränkungen.
2. Externe Akteure
- Aktionäre: Streben nach Wertsteigerung und hohen Dividenden.
- Kunden: Wünschen niedrige Preise, hohe Qualität und Garantien.
- Finanzinstitute: Achten auf Liquidität und Rückzahlung von Krediten.
- Regierung: Erzwingt Gesetze, Steuern und Beschäftigung.
- Gewerkschaften: Kämpfen für gute Löhne und Arbeitsbedingungen.
- Wettbewerber: Das Verhalten der Konkurrenz beeinflusst die eigene Strategie.
T-1: Geschichte der ökonomischen Theorien
Große Ökonomen wie Adam Smith, David Ricardo und John Stuart Mill legten die Basis im Kapitalismus. Spätere Autoren prägten das Bild des Unternehmers:
- Richard Cantillon: Unterschied zwischen festen Gehältern und dem unsicheren Einkommen des Unternehmers.
- Jean-Baptiste Say: Definierte den Unternehmer als Koordinator von Produktionsfaktoren zur Wertschöpfung.
- Alfred Marshall: Sah die Unternehmensleitung als eigenständigen Produktionsfaktor.
Wichtige Ansätze des 20. Jahrhunderts
- Schumpeter: Der Unternehmer als Innovator. Durch Innovation entsteht ein temporäres Monopol mit Extraprofiten, bis Nachahmer den Markt stabilisieren.
- Frank Knight: Der Unternehmer als Risikoträger. Er zahlt Faktoren im Voraus, ohne das Ergebnis sicher zu kennen.
- Werner Sombart: Der Unternehmer als Eroberer, Organisator und Verhandler.
- Max Weber: Charakterisiert durch die Erwartung von Gewinn auf Basis von Wahrscheinlichkeiten und rationalem Streben.
- John Kenneth Galbraith: In Großunternehmen übernimmt die Technostruktur (Expertenstab) die Führung.
Unternehmen müssen heute Konsumwünsche analysieren, Ressourcen effizient koordinieren und Kontrollfunktionen etablieren.