Grundlagen der Linguistik und Sprachwissenschaft
Doppelte Artikulation und Sprachfunktionen
Die doppelte Artikulation der Sprache ermöglicht es, aus kleinsten Einheiten (Phonemen) unendlich viele Nachrichten zu konstruieren. Die Funktionen der Sprache gliedern sich wie folgt:
- Sender (Emitter): expressive oder emotionale Funktion; sie manifestiert Gefühle, Emotionen und Meinungen.
- Bezug (Referenz): referenzielle oder repräsentative Funktion; es wird objektiv über einen Sachverhalt berichtet.
- Empfänger: appellative oder konative Funktion; der Empfänger wird zu einer Reaktion oder Antwort aufgefordert.
- Code: metasprachliche Funktion; der Bezugspunkt ist der eigentliche Code.
- Kanal (Channel): phatische Funktion oder Kontaktfunktion; sie prüft, ob der Kontakt hergestellt ist.
- Botschaft (Message): poetische oder ästhetische Funktion; die Aufmerksamkeit liegt auf der Gestaltung der Nachricht mit sprachlichen Mitteln.
Das sprachliche Zeichen
Der Linguist Saussure charakterisiert das sprachliche Zeichen als eine Einheit mit zwei Seiten: Signifiant (akustisches Bild) und Signifikat (Konzept).
Einheit und Vielfalt in der Sprache
Eine Sprache hat trotz ihrer Einheit, die sie von anderen Sprachen unterscheidet, stets interne Varietäten:
- Diatopische Varietäten: Diese treten entlang der geografischen Ausdehnung auf (Dialekte). Im spanischen Staat gibt es beispielsweise nördliche und südliche Varietäten sowie den Kontakt zu spanisch-amerikanischen Varietäten.
- Diastratische Varietäten: Diese hängen vom soziokulturellen Niveau der Sprecher ab (Soziolekte). Man unterscheidet zwischen der gehobenen Sprache (größere Kontrolle und Korrektheit) und anderen Niveaus.
- Diaphasische Varietäten: Diese beziehen sich auf den Ausdrucksmodus und die Register (Stile). Faktoren sind das Thema (z. B. Medizin vs. Fußball), die Teilnehmer (z. B. Teenager unter Freunden vs. im Beruf) und die Situation (z. B. SMS als Übergangsform zwischen mündlich und schriftlich).
Jargon und Argot
Mitglieder bestimmter Gruppen nutzen Fachsprachen (Jargon), die für Außenstehende schwer verständlich sind (z. B. medizinische Fachsprache). Der Begriff Argot bezeichnet oft die Sprache Randständiger (z. B. Gaunersprache).
Verfahren der Wortbildung
- Zusammensetzung (Komposition): Ein neues Wort entsteht durch die Vereinigung von zwei oder mehr Wörtern (z. B. Untersetzer).
- Ableitung (Derivation): Bildung neuer Wörter durch Hinzufügen von Morphemen an eine lexikalische Basis (z. B. Blume > Vase).
- Präfixe: Derivationsmorpheme, die der Basis vorangestellt werden und meist die grammatische Kategorie nicht ändern.
- Parasynthese: Gleichzeitiges Hinzufügen eines Präfixes und eines Suffixes zu einer lexikalischen Basis (z. B. Falle > umzingeln).
- Weitere Verfahren: Lexikalische Verkürzung (z. B. Professor > Prof), Akronyme (z. B. AVE, Renfe) und Akronymie (Wörter, die aus Teilen anderer Wörter bestehen, z. B. Telenovela).
Satzverbindungen: Koordination
- Kopulativ: Die Schüler verbesserten ihre Noten und gingen.
- Adversativ: Er sieht viele Bücher, aber findet die Daten nicht.
- Distributiv: Einige Schüler sprachen, andere studierten.
- Disjunktiv: Bleibst du zu Hause oder kommst du mit uns?
- Explikativ: Juan ist lakonisch, das heißt, er fasst sich kurz.
Semantik: Bedeutung und Beziehungen
Denotation ist die objektive Grundbedeutung eines Begriffs. Konnotation umfasst die ergänzenden, emotionalen oder kontextuellen Nebenbedeutungen.
- Polysemie: Ein Zeichen hat mehrere Bedeutungen (z. B. Menü als Speisenfolge oder Festpreis).
- Homonymie: Wörter mit gleicher Form, aber unterschiedlicher Bedeutung (z. B. Band als Buchrücken vs. Musikgruppe).
- Synonymie: Wörter mit identischer oder ähnlicher Bedeutung.
- Antonymie: Gegensätzliche Beziehungen wie Komplementarität (männlich/weiblich) oder Abstufung (hoch/niedrig).
Etymologie und Wortschatz
- Erbwörter (Patrimonial): Wörter, die sich aus dem Lateinischen lautlich und morphologisch weiterentwickelt haben (z. B. filium > Sohn).
- Kultismen: Begriffe aus dem Lateinischen oder Griechischen, die fast unverändert übernommen wurden.
- Neologismen: Neu eingeführte Wörter für neue Realitäten oder Konzepte (z. B. DVD).