Grundlagen der Literatur: Gattungen, Metrik und Formen
Was ist Literatur?
Literatur ist eine Kunstform, deren Hauptinstrument das Wort ist. Sie wird verwendet, um Emotionen auszudrücken oder Geschichten zu erzählen. Literatur unterscheidet sich durch den besonderen Gebrauch der Sprache: Die Schriftsprache nutzt Stilmittel wie Metaphern, Gleichnisse, Antithesen und Parallelismen, um der Nachricht Schönheit und Ausdruckskraft zu verleihen.
Literarische Gattungen
- Lyrik: Der Autor drückt Gedanken und Gefühle in der Ich-Form aus. Die Sprache ist kunstvoll gestaltet und besitzt einen besonderen Rhythmus (Verse).
- Epik (erzählende Gattung): Der Autor nutzt die Stimme eines Erzählers, um eine Geschichte zu vermitteln. Er beschreibt Situationen, Ereignisse in Raum und Zeit, Orte sowie Personen und verwebt Dialoge zu einer Handlung. Meist in Prosa verfasst, umfasst sie Formen wie das Epos, die Romanze (in Versen oder Prosa), den Roman, Märchen und Legenden.
- Dramatik (theatralische Gattung): Werke in Dialogform, die für die Darstellung auf einer Bühne bestimmt sind. Der Autor fügt Regieanweisungen (Nebentext) hinzu, die Hinweise zu Licht und Darstellung geben. Wichtige Formen sind die Komödie, die Tragödie, das Drama, die Farce und das Vorspiel (Intermezzo).
Phonetik und Silbenlehre
- Diphthong: Die Vereinigung von zwei Vokalen in derselben Silbe (z. B. i, o, u).
- Triphthong: Die Vereinigung von drei Vokalen in einer Silbe, wobei der mittlere Vokal immer geschlossen ist (z. B. in „apaciguais“, „Paraguay“ oder „miau“).
- Hiat (Pause): Zwei Vokale, die aufeinanderfolgen, aber zu verschiedenen Silben gehören (z. B. „Kanu“).
Prosa und Verslehre
Prosa wird normalerweise in fortlaufenden Zeilen geschrieben. Verse hingegen haben einen besonderen Rhythmus, der durch die Anzahl der Silben, die Wiederholung von Versen, die Verteilung der Akzente sowie Konsonanz und Assonanz (Reime) gebildet wird.
Metrische Maße und Lizenzen:
- Maß: Die Anzahl der Silben im Vers. Bei einem betonten Versende (Akzent auf der letzten Silbe) wird eine Silbe hinzugezählt, bei einem proparoxytonen Ende (Akzent auf der drittletzten Silbe) wird eine abgezogen.
- Synalöphe (Sinalefa): Verschmelzung des Endvokals eines Wortes mit dem Anfangsvokal des nächsten zu einer Silbe (auch bei H-Lauten).
- Diärese: Die Trennung eines Diphthongs in zwei Silben.
- Hemistichon: Jeder Teil eines durch eine Zäsur geteilten Verses.
Strophenformen
Strophen sind metrische Kombinationen mit einer festen Struktur in Bezug auf die Anzahl der Zeilen und die Reimverteilung:
- Zweizeiler: Zwei Verse der Arte Mayor oder Arte Menor, die sich im Gleichklang oder als Vokalreim reimen.
- Terzett (Trio): Eine Strophe aus drei Versen der Arte Mayor mit Konsonantenreim (z. B. Kettenreim ABA BCB).
- Quartett: Eine Strophe aus vier Versen der Arte Mayor (Reimschema ABBA). Die Entsprechung in der Arte Menor ist die Redondilla.
- Serventesio: Vier Verse der Arte Mayor mit dem Reimschema ABAB. In der Arte Menor nennt man dies Quatrain (Vierzeiler).
- Lira: Eine fünfzeilige Strophe, die Verse mit 7 und 11 Silben kombiniert (Schema: 7a 11B 7a 7b 11B).
Gedichtformen nach Struktur
- Sonett: Besteht aus 14 Hendekasyllaben (Elf-Silblern), unterteilt in zwei Quartette und zwei Terzette.
- Gedichte mit Refrain: Kleinkunst-Gedichte mit einem wiederkehrenden Teil (Kehrreim). Dazu gehören das Zejel und das Carol (Villancico), bestehend aus Einleitung (Kopf), dem wichtigsten Teil und dem Schlusschor.
- Romanze: Eine Folge von Versen, die nicht in feste Strophen unterteilt sind, besonders typisch für die Romantik.