Grundlagen der Philosophie: Mythen, Sprache und Symbole
1. Mythen und Wissenschaft: Eine philosophische Einordnung
Der Mythos ist nicht die Wissenschaft. Während die Wissenschaft nach dem „Wie“ der Dinge fragt, sind Mythen Gedanken über den Sinn der Dinge. Sie sind keine Wissenschaft, sondern eine „erzählte“ Philosophie. Auch indigene Völker besitzen ihre eigene Wissenschaft; Mythen dienen dazu, den Sinn der menschlichen Existenz innerhalb der Realität zu reflektieren.
2. Intentionalität in der tierischen Kommunikation
Die Aussage, dass Tiere zu intentionaler Kommunikation fähig sind, ist nur bedingt wahr. Zwar gibt es Ausnahmen, wie etwa bei Koko (dem Gorilla) oder Pavianen in freier Wildbahn, doch diese sind selten. Da Tiere stark von Instinkten geleitet werden, ist ihre Kommunikation meist reaktiv. Im Gegensatz dazu ist menschliche Kommunikation überwiegend vorsätzlich.
3. Analytische vs. spekulative Sprachphilosophie
Die analytische Sprachphilosophie konzentriert sich auf die Analyse von Nachrichten und prüft, ob diese den Kriterien der Wahrheit entsprechen. Die spekulative Sprachphilosophie hingegen fokussiert sich auf den Emittenten – den Menschen – und reflektiert darüber, was es bedeutet, in einer Sprache zu existieren.
4. Der Mensch als „Homo Symbolicus“
Wie E. Cassirer feststellte, ist das Merkmal, das uns von den meisten Tieren unterscheidet, unsere Fähigkeit, uns durch Symbole in der Wirklichkeit zu verorten und ihr Sinn zu verleihen. Der Mensch kann die Realität nicht ohne diese symbolische Verknüpfung erfassen. Daher ist der Mensch in seinem Wesen ein Homo symbolicus.
5. Abgrenzung: Dekoration, Symbol, Kunst und Ästhetik
Der Prozess der Symbolisierung lässt sich in vier Stufen unterteilen:
- Dekoration: Eine rein ästhetische Gestaltung.
- Symbol (Icon): Ein Objekt, das eine spezifische Bedeutung trägt.
- Kunst: Ein Symbol, das zusätzlich ein Gefühl hervorruft.
- Ästhetik: Soziale Richtlinien, die definieren, welche Gefühle und Ausdrucksformen als Kunst gelten.
6. Die Kreativität der menschlichen Sprache
Menschen besitzen kaum angeborene Kommunikationszeichen; die meisten sind erlernt und kreativ gestaltet. Wir kombinieren Zeichen und Klänge zu unendlich vielen, neuen Nachrichten. Tiere hingegen sind in ihrer Kommunikation weitgehend instinktgesteuert. Wie Chomsky betont, ist Sprache für den Menschen nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern ein Werkzeug, das Kultur schafft.
7. Schöpfungsmythos vs. anthropogener Mythos
- Kosmogonischer Mythos: Erklärt den Sinn der Realität durch die Entstehung der Welt.
- Anthropogener Mythos: Erklärt den Sinn des Lebens durch den Ursprung des Menschen.
Beide Mythenformen nutzen die Geschichte als Ursprung, um metaphysische Wahrheiten über das Wesen des Menschen zu vermitteln.