Grundlagen der Politik: Macht, Staat und Gesellschaft
1 Was ist Politik?
Politik ist die Tätigkeit, bei der Gruppen, Organisationen und Gesellschaften kollektive Entscheidungen treffen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Entscheidungsfindung in einer Gruppe:
- Entscheidung des Gremiums nach Beratung (Argumentation) aller Mitglieder.
- Delegation der Entscheidung an eine einzelne Person.
- Ein Mensch erzwingt seine Entscheidung durch Drohungen.
1.1 Kooperation und Konflikt
- Für Aristoteles war Politik die Form der Zusammenarbeit.
- Für Machiavelli wird Politik durch Konflikt definiert.
Politik als Zusammenarbeit
Für Aristoteles ist der Mensch ein soziales Wesen, das nicht isoliert leben kann. Daher ist es natürlich, dass Menschen in Gruppen und Gesellschaften leben. Die rationale menschliche Natur erlaubt es, zu kommunizieren, sich zu organisieren und über das individuelle Interesse hinaus Recht und Unrecht zu definieren. Politik nutzt den Dialog, um das höchste Gut für alle zu erreichen.
Politik als Konflikt
Machiavelli gibt in seinem Werk „Der Fürst“ Ratschläge, wie man Macht erlangt und erhält:
- Politik ist von Moral getrennt. Der Zweck heiligt die Mittel.
- Der Herrscher muss Macht durch Berechnung und Ehrgeiz sichern, da Fehler zum Machtverlust führen können.
2 Politische Macht
Macht ist die Fähigkeit, den eigenen Willen anderen aufzuzwingen. Laut Max Weber gibt es drei Formen der Macht: wirtschaftliche, ideologische und politische.
- Politische Macht ist eine Beziehung zwischen Personen, bei der Befehle gegeben und befolgt werden. Dies kann durch Gewalt oder Drohung geschehen.
- Legitime Macht wird ausgeübt, wenn sie auf der Zustimmung und Anerkennung der Mehrheit der Bevölkerung beruht. Heute gilt Gewalt als legitim, wenn sie auf demokratisch beschlossenen Gesetzen basiert.
3 Der Staat
Der Staat ist die Gesamtheit der staatlichen Organe in einem souveränen Land. Er weist folgende Merkmale auf:
- Territoriale Grenzen: Alle Personen innerhalb dieser Grenzen unterliegen den Gesetzen.
- Administrative Organisation: Eine rechtliche Struktur, die das Funktionieren des Landes sichert.
- Gewaltmonopol: Der Staat ist die einzige Instanz, die legal Gewalt zur Durchsetzung von Gesetzen anwenden darf.
- Souveränität: Der Staat unterwirft sich keinem anderen Willen.
3.1 Einstufung des Staates
A. Nach der Art der Regierung und der Beteiligung an der Macht:
- Autokratie: Die Macht liegt in den Händen einer Person.
- Diktaturen: Eine Person besitzt alle politischen Befugnisse ohne gesetzliche Begrenzung.
- Monarchien: Eine Person regiert nach festgelegten Gesetzen.
- Oligarchien und Aristokratien: Eine kleine Gruppe regiert, die sich als die „Besten“ präsentiert.
- Demokratien: Alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich an der Politik.
B. Nach der Beachtung von Gesetzen:
- Autoritärer oder despotischer Staat: Die Autorität des Despoten oder Diktators steht über dem Gesetz.
- Totalitärer Staat: Kontrolliert alle Organe und die Privatsphäre des Einzelnen.
- Rechtsstaat: Der Staat schützt die Rechte der Bürger und hält sich an Gesetze.
4 Autorität und Legitimität
Autorität ist eine institutionalisierte Macht. Wenn Macht institutionalisiert ist, wird das Verhältnis von Befehl und Gehorsam von der Gesellschaft akzeptiert. Diese Vereinbarung bedeutet, dass die Macht legitimiert wurde.
4.1 Autorität und Gehorsam
Gehorsam beruht auf zwei Gründen:
- Soziale Überzeugungen: Eine gegenseitige Anerkennung von Befehlenden und Gehorchenden.
- Angst vor Strafe: Sanktionen bei Ungehorsam.
4.2 Legitimität
Es gibt drei Möglichkeiten der Legitimation politischer Macht:
- Traditional: Die Macht basiert auf Traditionen oder Abstammung.
- Charismatisch: Die Macht basiert auf den persönlichen Fähigkeiten, Bürger zu mobilisieren.
- Rechtlich: Die Macht basiert auf Gesetzen, die aus dem Willen des Volkes hervorgehen (Bürokratie).
5 Der Gesellschaftsvertrag
Im 17. und 18. Jahrhundert stellten Philosophen die Frage nach der Notwendigkeit des Staates. Die Antwort ist der Gesellschaftsvertrag. Die klassischen Theoretiker (Hobbes, Locke, Rousseau) sind sich einig, dass staatliche Macht das Ergebnis eines Pakts zwischen Bürgern ist.
5.1 Thomas Hobbes
- Naturzustand: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Ein Zustand des Krieges und der Unsicherheit.
- Staat: Absolut. Er sorgt für Sicherheit und Frieden.
- Gesellschaftsvertrag: Individuen geben ihre Freiheit zugunsten einer souveränen Macht auf.
5.2 John Locke
- Naturzustand: Menschen haben natürliche Rechte, die jedoch nicht immer geschützt sind.
- Staat: Demokratisch-liberal. Die Macht ist fragmentiert und dient dem Schutz der Bürgerrechte.
- Gesellschaftsvertrag: Die Bürger wählen einen Herrscher, um ihre Grundrechte zu garantieren.
5.3 Jean-Jacques Rousseau
- Naturzustand: Der Mensch ist von Natur aus gut, aber Privateigentum schuf Ungleichheit.
- Staat: Die politische Macht geht vom Gemeinwillen aus.
- Gesellschaftsvertrag: Der Staat ist verpflichtet, Gleichheit und Freiheit wiederherzustellen.