Grundlagen der Textlinguistik: Kohärenz und Kohäsion
Definition und Grundprinzipien der Textualität
Der verbale Text ist eine Einheit, da er nicht nur aus Wörtern besteht, sondern eine semantische Einheit darstellt. Er ergibt Sinn und fungiert als Kommunikationseinheit, die in bestimmten kommunikativen Situationen genutzt wird. Damit ein Text als solcher gilt, muss er drei Grundprinzipien erfüllen:
- Eignung (Angemessenheit): Sie sorgt dafür, dass der Text der kommunikativen Situation entspricht. Beispiel: Ein Student grüßt den Direktor mit „Guten Morgen, Herr Direktor“; es wäre jedoch falsch zu sagen „Wie geht’s?“.
- Kohärenz: Sie organisiert die verschiedenen Bedeutungsteile des Textes. Ein Text ist kohärent, wenn eine zentrale Idee vorhanden ist, die den Text als Ganzes beantwortet. Elemente wie Titel und Untertitel zeigen die Organisation; der Text sollte mit entsprechenden Schlussfolgerungen abgeschlossen werden.
- Zusammenhalt (Kohäsion): Dieser entsteht aus der Beziehung zwischen Wörtern und Sätzen, die einen Text bilden. Diese Beziehung beruht auf sprachlichen Ressourcen wie Satzzeichen, Konnektoren, Pronomen usw.
Phänomene des Zusammenhalts (Kohäsion)
Referenz und Ellipse
Phänomene der Kohäsion:
- Referenz (Bezugnahme): Ein Verfahren, bei dem ein Wort an einer Position durch ein Pronomen an einer anderen ersetzt wird. Dank dieses Bezugs kann man Wiederholungen vermeiden, ohne den Leser zu verwirren (z. B. ein Wort durch „ihn“ oder „welches“ ersetzen).
- Ellipse: Durch dieses Verfahren können wir ein Wort weglassen, das bereits genannt wurde, und es beim Lesen gedanklich ergänzen. Das implizite Subjekt und das nonverbale Prädikat sind die häufigsten Formen der Ellipse.
Lexikalische Kohäsion und Substitution
- Lexikalische Kohäsion: Eine weitere Möglichkeit, semantische Relationen zwischen Wörtern in einem Text zu erreichen, ist die Beziehung zwischen Aktionen, Objekten etc.
- Der Gegenbegriff (Antonymie): Manchmal werden Wörter verwendet, die untereinander durch das Benennen von Objekten oder Aktionen mit gegensätzlichen Zuständen in Beziehung stehen.
- Verallgemeinerung: Wörter, die ein weites Feld von Objekten, Situationen oder Personen synthetisieren. Häufige Beispiele im Text sind: Ding, Fakten, Thema, Person, Fall, alles.
- Substitution (Synonymie): Ein Weg, um Wortwiederholungen zu vermeiden, indem ein Wort durch ein anderes ersetzt wird, das sich auf denselben Gegenstand, dieselbe Handlung oder denselben Zustand bezieht.
Arten von Konnektoren im Text
Konnektoren: Diese dienen dazu, Ideen (Propositionen und Sätze) miteinander zu verknüpfen. Sie stehen in der Regel am Anfang der zweiten Idee. Wir unterscheiden folgende Gruppen:
- Kopulative Konnektoren: Werden verwendet, um Ideen zu sammeln (z. B. und, sowie).
- Disjunktive Konnektoren: Zeigen Optionen auf (z. B. oder).
- Adversative Konnektoren (Gegensatz): Drücken eine Opposition oder eine unerwartete Auffassung aus; die häufigsten sind „aber“ und „jedoch“.
- Kausale und konsekutive Konnektoren: Verknüpfen Bedingungen als Ursache oder Folge (z. B. weil, da, deshalb, folglich).
- Temporale und lokale Konnektoren: Verorten Operationen in Zeit und Raum. Die zeitliche Beziehung kann vorher, nachher oder gleichzeitig sein (z. B. dann, während, zuvor).
- Konditionale Konnektoren: Drücken die Notwendigkeit einer Bedingung für eine andere Aktion aus (z. B. wenn, falls).
Globale Kohärenz und Makrostrukturen
Lexikalische Kohäsion: Sie ist eine grundlegende Unterstützung für die semantischen Beziehungen von Lexemen (Wörtern) innerhalb des Textes. Diese Beziehungen dienen dazu, die Themen und Unterthemen des Textes zu entdecken.
Makroregeln zur Informationsreduktion
Globale Kohärenz: Die Makrostruktur wird aus Sequenzen gebildet, die sich auf dasselbe Thema beziehen. Um die Makrostruktur zu erhalten, wenden wir Makroregeln an:
- Unterdrückung (Auslassen): Informationen ausschließen, die für das Verständnis der Sequenz nicht relevant sind.
Beispiel: „Ein fremdes Auto mit 6 Türen und einem Dachgepäckträger fuhr vorbei.“ -> Makrostruktur: „Ein Auto fuhr vorbei.“ - Verallgemeinerung: Eine Reihe von Begriffen durch einen Oberbegriff ersetzen.
Beispiel: „Marisa rutscht, Nicolas baut mit Zügen, Cecilia springt Seil.“ -> Makrostruktur: „Die Kinder spielen.“ - Konstruktion: Mehrere Handlungen durch Weltwissen ersetzen.
Beispiel: „Personen drangen in ein Geschäft ein und stahlen Fernseher, DVDs und Mikrokomponenten.“ -> Makrostruktur: „Personen stahlen Heimelektronik.“
Der Aufbau und die Superstruktur
Aufbau: Die Superstruktur entspricht dem Diagramm oder Schema, das sich in Texten derselben Art wiederholt. Sie analysiert die Form eines Textes. Jeder Texttyp hat seine eigene Superstruktur, wie zum Beispiel die argumentative, konversationelle oder narrative Struktur.