Immanuel Kants Philosophie: Erkenntnistheorie, Vernunft & Einflüsse
Kants kritisches Problem
Immanuel Kant stellte vier grundlegende Fragen:
- Was kann ich wissen?
- Was soll ich tun?
- Was darf ich hoffen?
- Was ist der Mensch?
Die erste Frage behandelt Kant in der Kritik der reinen Vernunft, die zweite in der Kritik der praktischen Vernunft, die dritte in der Kritik der Urteilskraft und die vierte in seinem gesamten Werk.
Kant stellte diese Fragen, weil er in der kulturellen Bewegung der Aufklärung lebte, die argumentierte, dass der Mensch durch Vernunft mündig geworden ist.
Der theoretische Gebrauch der Vernunft
Kant unternimmt einen Versuch, die Grenzen des Wissens zu bestimmen. Dabei verfolgt er zwei Hauptziele:
- Zu erkennen, was keine Wissenschaft ist.
- Zu prüfen, ob die Metaphysik eine Wissenschaft sein kann.
Ausgangspunkt: Der Status der Metaphysik
Es gibt drei Gründe, warum an der Wissenschaftlichkeit der Metaphysik gezweifelt wird:
- Die Metaphysik hat sich nicht weiterentwickelt.
- Es gibt keine Einigung unter den Philosophen.
- Die Metaphysik verwendet eine ungeeignete Methode: Versuch und Irrtum.
Bedingungen der Möglichkeit von Wissenschaft
Es gilt zu definieren, was Wissenschaft ist und was nicht. Damit etwas als Wissenschaft gelten kann, müssen drei Bedingungen erfüllt sein:
- Universell: Gilt für alle.
- Notwendig: Das Gegenteil ist unmöglich zu behaupten; andernfalls würde man in einen Widerspruch fallen.
- Progressiv: Das Wissen sollte sich stetig erweitern.
Die Urteile der Wissenschaft
Die Urteile der Wissenschaft sind synthetische Urteile a priori. Sie sind die einzigen, die sowohl universell und notwendig (a priori) als auch progressiv (synthetisch) sein können. Eine Wissenschaft muss demnach synthetische Urteile a priori enthalten.
Die Struktur des Wissens: Kants kopernikanische Revolution
Für Kant ist Wissen die Summe aus zwei Teilen: einem a priori und einem a posteriori Element. Das a priori Element ist allgemein und notwendig, während das a posteriori Element partikulär ist und durch Erfahrung vermittelt wird. Das a priori Element stammt vom Subjekt (Verstand), während das a posteriori Element der sinnlichen Erfahrung entstammt.
Kant überwindet damit die Einseitigkeit von Rationalismus (Descartes) und Empirismus (Hume), da für ihn ohne die Verbindung beider Elemente kein Wissen möglich ist. Der Weg zum Wissen führt über das Subjekt, das die Erfahrung des Objekts strukturiert. Die Philosophie vor Kant konzentrierte sich auf das Objekt; Kant hingegen konzentriert sich auf das Subjekt. Diese grundlegende Änderung wird als kopernikanische Revolution bezeichnet. Das Subjekt konstruiert das Wissen über das Objekt.
Einflüsse auf Kants Philosophie
Kants Denken wurde von verschiedenen Strömungen und Persönlichkeiten geprägt:
- Einfluss des Rationalismus (Wolff): Kant übernimmt die Idee, dass Wissen universell sein muss und daher einen a priori Faktor vom Subjekt erfordert.
- Einfluss des Empirismus: Dieser machte Kant die Bedeutung der Erfahrung bewusst.
- Rousseau: Durch Rousseau erkannte Kant, dass wissenschaftliche Erkenntnis allein das menschliche Glück nicht gewährleistet und eine Ergänzung durch die Ethik notwendig ist.
- Pietismus: Der Einfluss dieser strengen protestantischen Sekte ist besonders in Kants Ethik spürbar.
- Platon: Platons Ideen werden in Kants Begriff des Noumenon umgedeutet. Auch der platonische Intellektualismus in der Ethik steht in Einklang mit Kants formaler Ethik.