Industrialisierung in Spanien: Katalonien und Baskenland
Modernisierung der Landwirtschaft und Industrie
Die Modernisierung der Landwirtschaft in Katalonien wurde durch die Desamortisationen (Säkularisierung) vorangetrieben. Diese schafften es jedoch nicht, die Stände der Bauern, die als dominante Pächter (Eufemites) agierten, vollständig aufzulösen.
1832–1833: Die Fabrik „El Vapor“
Die Gebrüder Bonaplata waren wichtige Partner bei der Gründung der ersten Fabrik, die mit Dampfkraft betrieben wurde: „El Vapor“. Die Dampfkraft hielt Einzug in alten Ställen, und Joan Güell errichtete mit der „España Industrial“ das größte und modernste Werk jener Zeit – eines der ersten Symbole der katalanischen Industriekultur.
Die industriellen Kolonien
Die Textilindustrie folgte ursprünglich dem englischen Modell, das auf der Nutzung von Kohle basierte. Ab 1860 führten jedoch die hohen Kosten für Kohle dazu, dass man Fabriken an Flussläufen errichtete, um die Wasserkraft zu nutzen. So entstand eine Vielzahl von industriellen Kolonien.
Protektionismus und technologische Erneuerung
Der katalanische Protektionismus war kein Hindernis für die technologische Erneuerung, besonders in der Periode von 1830 bis 1855, in der die zerspanende Industrie schrittweise wuchs. Ein deutliches Beispiel ist die Erfindung der „Berguedana“, einer katalanischen Version der Spinning Jenny. Ein weiteres Beispiel für die Modernisierung war die Einführung von Selfaktoren (Selfactines), also Maschinen, die den Spinnprozess automatisierten.
Wirtschaftliche Phasen
Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in mehreren Etappen. Politische Gründe und Kriege führten phasenweise zu niedrigeren oder höheren Preisen für Textilwaren.
Die Eisen- und Stahlindustrie im Baskenland
Das Baskenland ist reich an Eisengruben. Diese Betriebe exportierten Eisen in den Rest Spaniens und in die amerikanischen Kolonien. Als die Kolonien jedoch ihre Unabhängigkeit erlangten, gerieten diese Fabriken in eine Krise. Baskische Eisenhändler nutzten diese Zeit, um neue Industrien aufzubauen.
Sie strebten die Beseitigung protektionistischer Rechtsordnungen an, um den freien Handel mit dem Rest Spaniens zu ermöglichen. Diese Politik war einer der Gründe für die Unterstützung des liberalen Staates durch die kommerzielle Bourgeoisie in San Sebastián und Bilbao. Dies führte zur Feindschaft gegenüber den Karlisten, die im Baskenland die Wiedereinführung der alten Sonderrechte (Fueros) forderten.
Ab 1860 bereicherte der Abbau von Eisen und dessen Export nach Großbritannien die baskischen Händler. In der Folge wurden wichtige Werften (Drasanes) an der Mündung von Bilbao gebaut, wo das Erz gewonnen wurde. Später entstanden Hochöfen und viele metallurgische Unternehmen zur Stahlbearbeitung. Der wirtschaftliche Aufschwung des Baskenlandes basierte auf zwei Säulen: der protektionistischen Politik und der Expansion der Stahlindustrie.
Sonstige Industriezweige und Bergbau
- Lebensmittelindustrie: Hier sind besonders die herausragenden Mehlfabriken zu nennen.
- Chemische Industrie: Herstellung von Farbstoffen und Bleichmitteln.
- Maschinenbau: Die Produktion von Dampfmaschinen durch die Gebrüder Bonaplata.
- Bergbau: Der Sektor wurde durch den Zustrom starker ausländischer Investitionen gestärkt.
Die Schaffung des Gemeinsamen Marktes
Spanien arbeitete an der Schaffung eines gemeinsamen Marktes. Dieser Prozess wurde durch den Ausbau der Handels- und Verkehrsnetze, ein neues Handelsrecht sowie die Vereinheitlichung des Finanz- und Steuersystems ermöglicht.
Kommunikation und Verkehrswege
König Karl (Charles) ließ sechs königliche Straßen (Carreteras Reales) bauen. Im Jahr 1850 wurde der Postdienst und 1852 der Telegrafendienst eröffnet. Während des Bienio Progresista (progressiver Zweijahreszeitraum) lag der Fokus auf dem Bau von Eisenbahnen.
Ein neues Handelsrecht
In Spanien existierte zuvor eine unüberschaubare Menge an Handelsregeln. Im 19. Jahrhundert erließen verschiedene Regierungen neue Gesetze. Das System der Aktiengesellschaften (SA) wurde etabliert. In Bezug auf den Außenhandel gab es zwei Perioden:
- 1841–1875: Der Export war relativ freihändlerisch (Lliurecanvista), wobei bestimmte Produkte zum Schutz der spanischen Wirtschaft reguliert wurden.
- 1854–1856: Diese Phase war durch starken Tarif-Protektionismus geprägt, der im Jahr 1892 seinen Höhepunkt erreichte.
Vereinheitlichung des Währungssystems
Früher hatten Währungen in Spanien je nach Gemeinde unterschiedliche Werte. Die Regierung wollte dies vereinheitlichen. Der Finanzminister Laureano Figuerola führte die Peseta als einheitliche Währung ein, deren Wert an Gold und Silber gekoppelt war. Schließlich wurden auch Banknoten und Bankchecks eingeführt.
Vereinheitlichung des Steuersystems
Ein weiteres Problem waren die unkontrollierten Steuern auf Produkte, die in jeder Gemeinde variierten. Die Regierung musste dies organisieren und führte das Stempelpapier für Staatseinnahmen ein. Im Jahr 1845 erfolgte die Mon-Reform, die das System vereinfachte und die Steuern in fünf Gruppen unterteilte: Gebäude, Pflanzen/Tiere (Landwirtschaft), Industrie/Handel, Konsum sowie Mieten/Hypotheken.
Die katalanische Wirtschaft im 19. Jahrhundert
Die Bevölkerung in Katalonien wuchs erheblich. Viele Dorfbewohner zogen in die Städte, um in der Industrie und in Fabriken zu arbeiten.
Umgestaltung der Landwirtschaft in Katalonien
Die Liberalisierung des Handels mit Flächen begünstigte die Modernisierung vieler Gebiete. In Katalonien gab es den besonderen Umstand der Masoveria-Pachtverträge und der Rabassa Morta. Diese sorgten dafür, dass Felder über Generationen in den Händen der Mieter blieben, was die Transformation des Eigentums erleichterte.
Zudem wurde für den Anbau von bewässertem Land Wasser benötigt, weshalb der Canal de la Infanta (Prinzessinnen-Kanal) gebaut wurde. Auch die Arbeitsgeräte wurden modernisiert, beispielsweise durch die Einführung des Brabanter Pflugs.