Intravenöse Zugänge, Infusionstherapie und Säure-Basen-Haushalt
Intravenöser Zugang: Faktoren zur Auswahl
Folgende Faktoren bestimmen die Auswahl eines geeigneten intravenösen Venenzugangs:
- Alter und Bewusstseinszustand des Patienten
- Dominanter Arm (möglichst die nicht-dominante Extremität wählen)
- Hautzustand: Läsionierte oder verletzte Areale konsequent meiden
- Venenmerkmale: Gute Palpierbarkeit, gerader Verlauf und adäquate Füllung; Venen in Beugezonen (Flexionsbereichen) sowie vorgeschädigte Gefäße meiden
- Zustand der Extremitäten: Extremitäten mit arteriovenösen Shunts (FAVI / Hämodialyse-Shunt) unbedingt schonen und meiden
- Präferenz: Obere Extremitäten (Arme) gegenüber unteren Extremitäten bevorzugen (u. a. zur Erhaltung der Mobilität und des Toilettengangs)
- Lokalisation: Distale Venen bevorzugen, um proximale Abschnitte für spätere Punktionen zu erhalten
- Therapieparameter: Dauer der Behandlung sowie Art und Viskosität der zu verabreichenden Medikamente
- Infusionsgeschwindigkeit
Komplikationen der Infusionstherapie
1. Infiltration und Extravasation
- Ursache: Dislokation des Katheters oder Venenperforation.
- Manifestation: Kalte Haut, Blässe im Punktionsbereich, lokale Beschwerden, Schmerzen, Ödembildung, kein Blutrückfluss aspirierbar, Verlangsamung oder Sistieren der Tropfrate.
- Interventionen: Infusion sofort stoppen, Katheter entfernen, betroffene Extremität hochlagern und überwachen, Neuanlage an einer anderen Extremität.
2. Phlebitis (Venenentzündung)
- Ursache: Zu großes oder zu kleines Katheterlumen im Verhältnis zur Vene, Infusion gewebereizender Substanzen, Kontamination.
- Manifestation: Rötung, lokale Überwärmung, Schmerzen, tastbare Verhärtung (Induration) entlang des Venenverlaufs.
- Interventionen: Extremität beurteilen, Katheter sofort entfernen und an einer anderen Extremität neu kanülieren; Areal nicht massieren; lokal heparinhaltige Salben anwenden.
3. Katheterdislokation (Herausrutschen)
- Ursache: Mangelhafte Fixierung, versehentliches oder unruhiges Ziehen durch den Patienten.
- Manifestation: Katheter befindet sich ganz oder teilweise außerhalb des Gefäßes.
- Interventionen: Niemals zurückschieben! Katheter entfernen, Einstichstelle mit steriler Gaze komprimieren und an anderer Stelle neu punktieren.
4. Katheterobstruktion
- Ursache: a) Flussunterbrechung durch externe Kompression, Abknicken des Schlauchs, Thrombenbildung/Koagulation oder hochviskose Infusionslösungen. b) Blutrückfluss in das System.
- Manifestation: Blut im Infusionssystem, Verlangsamung oder vollständiger Stillstand des Flusses.
- Interventionen: System aspirieren (niemals mit Druck spülen!), Infusionsleitung auf Knicke kontrollieren und Lagerung des Patienten anpassen.
5. Hämatom
- Ursache: Extravasation von Blut durch Venenperforation bei der Punktion oder unzureichende Kompression nach Entfernen des Katheters.
- Manifestation: Schmerzen, livide (bläuliche) Verfärbung, Schwellung.
- Interventionen: Katheter entfernen, Einstichstelle komprimieren, heparinoide Cremes auftragen.
Volumen- und Natriumhaushalt
Störungen des Natriumhaushalts stehen in engem Zusammenhang mit Veränderungen der Osmolalität und der Wasserverteilung. Natrium ist das bestimmende Ion der Osmolalität im Extrazellulärraum (EZR) und steuert maßgeblich das Flüssigkeitsvolumen. Zudem ist es essenziell für die Erregungsbildung, die Nervenleitung sowie die Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts.
Über den Verdauungstrakt wird Natrium aus der Nahrung resorbiert, während die Nieren die Ausscheidung und das Gleichgewicht regulieren. Ein Ungleichgewicht des Natriumspiegels geht typischerweise mit Störungen des Volumens der extrazellulären Flüssigkeit einher.
Hyponatriämie
Eine Hyponatriämie entsteht durch den Verlust natriumreicher Flüssigkeiten oder durch exzessive Zufuhr freien Wassers, was zu Hypoosmolalität führt. Zu den häufigsten Ursachen gehört die inadäquate Zufuhr natriumfreier Infusionslösungen, was insbesondere bei postoperativen Patienten beobachtet wird.
Symptome: Die Beschwerden resultieren primär aus dem Einstrom von Wasser in die Zellen mit resultierendem Zellödem und manifestieren sich zuerst im zentralen Nervensystem (ZNS).
Säure-Basen-Haushalt
Der Organismus hält das Säure-Basen-Gleichgewicht unter physiologischen Bedingungen konstant. Im intermediären Stoffwechsel anfallende Säuren werden durch Puffersysteme neutralisiert und renal sowie pulmonal ausgeschieden. Die Mehrheit akuter Störungen führt zu einer Azidose.
Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichts
- 1. Respiratorische Azidose (Überschuss an Kohlensäure): Entsteht durch Hypoventilation mit konsekutivem CO2-Anstieg. Das retinierte CO2 bildet Kohlensäure im Blut, dissoziiert und senkt den pH-Wert. Zur renalen Kompensation halten die Nieren Bicarbonat zurück und scheiden vermehrt H+-Ionen über den Urin aus.
- 2. Respiratorische Alkalose (Kohlensäuremangel): Entsteht durch Hyperventilation mit Abfall des pCO2. Diese Störung tritt seltener auf.
- 3.盆Metabolische Azidose (Bicarbonatdefizit): Wird respiratorisch kompensiert, indem die Lungen die Ventilation steigern und vermehrt CO2 abgeben.
- 4. Metabolische Alkalose (Bicarbonatüberschuss): Tritt infolge eines Säureverlusts oder Bicarbonatanstiegs auf. Die Kompensation erfolgt über eine Dämpfung des Atemantriebs (Hypoventilation), um CO2 im Plasma zu retinieren.
Normalwerte der Blutgasanalyse (BGA)
- pH-Wert: 7,35 – 7,45
- pCO2: 35 – 45 mmHg
- Bicarbonat (HCO3-): 20 – 30 mmol/l
- pO2: 80 – 100 mmHg
- Sauerstoffsättigung (sO2): 96 – 100 %
- Basenabweichung (Base Excess, BE): ± 2 mmol/l