Katalanische Literatur des 15. Jahrhunderts: Martorell und March
Joanot Martorell und Tirant lo Blanc
Leben von Joanot Martorell (ca. 1410–1465)
Joanot Martorell wurde um 1410 in Valencia geboren. Seine wohlhabende Familie geriet nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1435 in Ungnade. Joanot wurde Erbe und musste lebenslang mit den Schulden fertigwerden. Er starb 1465.
Seine Erfahrungen als Ritter, Soldat, Höfling und Diplomat flossen in die Ausarbeitung des Romans ein, der tiefes Wissen über menschliche Beziehungen und das reale militärische Leben zeigt.
Der Roman Tirant lo Blanc
Martorell schrieb Tirant lo Blanc in Barcelona zwischen 1460 und 1464. Die erste gedruckte Ausgabe erschien 1490 in Valencia, 25 Jahre nach dem Tod von Joanot. Tirant lo Blanc gilt als einer der ersten großen modernen Romane.
Die Romane Martorells sind der höchste Ausdruck ritterlicher Ideale, durchdrungen von innovativen Werten wie Vernunft, Weisheit, Freude und Humor. Die Szenen sind lebendig und zeigen alltägliche Sinnlichkeit und Ironie.
Curial e Güelfa
Das lange und komplexe Werk Curial e Güelfa spielt ebenfalls im fünfzehnten Jahrhundert. Die Handlung beginnt mit den Abenteuern von Guillem de Varoic.
Ausiàs March (ca. 1400–1459)
Leben und Karriere
Ausiàs March wurde um 1400 geboren. Als Edelmann nahm er an den ersten Feldzügen Alfons V. des Großmütigen in Korsika teil. Er besaß Ländereien im Herzogtum Gandia und hatte eine herausragende Stellung am Hof als königlicher Falkner. Im Laufe seines Lebens gab es zahlreiche Streitigkeiten und Klagen.
Im Jahr 1437 heiratete er Elisabeth Martorell, die Schwester des Autors von Tirant lo Blanc. Er starb 1459 in Valencia.
Das lyrische Werk
Seine Dichtung ist umfangreich und umfasst 127 Gedichte. Sie ist in Katalanisch verfasst, enthält aber gelegentliche Provenzalismen. Marchs Werk ist geprägt von einer Persönlichkeit voller Widersprüche. Der Dichter richtet sich an jene, für die Liebe ein geistiges Leiden erzeugt.
Thematische Zyklen
- Liebe und moralische Fragen: Diese Zyklen enthalten Signale, die jede Komposition kennzeichnen, wie zum Beispiel:
- „Lilie unter Dornen“
- „Voll der Weisheit“
- „Liebe, Liebe“
- „O törichte Liebe“
- Lieder des Todes: Hier erscheint die Frage nach dem Schicksal der Seele und der Beziehung zur Liebe nach dem Tod.
- Religiöses Thema: Dieses ist in den spirituellen Liedern an Gott präsent. Marchs Dichtung übersteigt die bloße Liebeswissenschaft und zeigt einen tiefen lyrischen Rahmen.