Kindergeschichten erzählen: Merkmale, Aufbau und pädagogischer Wert

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Kurzgeschichten: Merkmale und Abgrenzung

Kurzgeschichten unterscheiden sich stark von Romanen, die eine größere Ausdehnung haben. Sie sind die literarische Gattung par excellence in der Kinderliteratur.

Etymologie und Ursprung

Der Begriff "Geschichte" (im Sinne von "Erzählung") hat seine Wurzeln in der Zählung, dem Numerischen. Er ersetzte ältere Bezeichnungen wie Märchen, Fabel oder Beispiel.

Abgrenzung: Fabeln und Legenden

Kurzgeschichten zeichnen sich durch ihre Kürze aus. Sie stellen die Fabel mit ihren Charakteren dar und haben im Wesentlichen einen moralisierenden Charakter, der sie von Fabeln unterscheidet.

Eine Legende hingegen ist eine Erzählung, die aus der Tradition eines Volkes stammt und ein Ereignis mit historischen Wurzeln beschreibt, dem jedoch im Laufe der Zeit imaginäre Elemente hinzugefügt wurden.

Merkmale von Kindergeschichten

1. Altersgerechtigkeit

Die Geschichte sollte dem Alter der Kinder angemessen sein. Diese Angemessenheit zeigt sich in verschiedenen Merkmalen:

  • Äußere Merkmale: Format (Größe, Materialien), Abbildungen, Abstände, Schrift.
  • Innere Merkmale: Die Geschichte selbst (Handlung, Plot).

2. Sprachliche Gestaltung

Es gibt zwei Hauptüberlegungen zur Sprache:

  1. Sprache als Referenzwert: Die Verwendung von Wörtern muss einen realen Bezug haben und dem Kenntnisstand des Kindes sowie seinem Alter entsprechen. Obwohl die Sprache den Horizont des Kindes erweitern sollte, ist es wichtig, dass Namen von Charakteren einen Referenzwert haben und ihre Bedeutung leicht zu merken ist.
  2. Sprache als Ausdrucksmittel: Die Geschichte wird in einer literarischen Sprache erzählt.

Wiederholung als Stilmittel

Die Wiederholung von Wörtern oder Wortgruppen ist niemals Zeitverschwendung. Sie ist äußerst wichtig, um das Zuhören und die Betrachtung des Bildes durch Wiederholung zu fördern. Dies kann verbessert werden, wenn bei der Bildung des Chors wiederholte Elemente verwendet werden, was dem Kind hilft, die Struktur der Geschichte zu erkennen. Sie wird auch durch die Präsenz von Lautmalerei und wiederholten Strukturen intensiviert.

Vergleiche und Metaphern

Das Beziehen einer Sache auf eine andere ist für Kinder wichtig, besonders angesichts der oft begrenzten Sprachkenntnisse von Kindern. Dies ist notwendig.

Symbolik und Zahlen

Abbildungen, die eine beträchtliche Anzahl von Elementen enthalten, haben oft eine kulturelle Bedeutung (z.B. die drei kleinen Schweinchen). Die Zahl Drei steht oft für den Gewinner oder das Herausragende. Die Zahl Zwei symbolisiert Dualität, Sieben (z.B. 7 Tage die Woche) oder Zwölf (z.B. 12 Schläge) haben ebenfalls symbolische Bedeutung.

Diminutive

Diminutive sind gebräuchlich und vermitteln oft Zuneigung oder eine andere Bedeutung.

Personifikation

Tiere und Gegenstände, die sprechen, fühlen oder handeln wie Menschen, sind sehr häufig in Märchen.

3. Aufbau der Handlung

Die Handlung muss dem Alter der Kinder angemessen sein und ist in drei Teile gegliedert:

  • Einleitung (Präsentation): Ein kurzer Teil, in dem die Hauptfigur(en), andere Charaktere, Ort und Zeit vorgestellt werden.
  • Hauptteil (Knoten): Der umfangreichste und erfolgreichste Teil der Geschichte hängt weitgehend von einem Aktionsprogramm und dem Verlauf des Lebens ab. Hier treten verschiedene Handlungen, Probleme und dramatische Elemente auf.
  • Schluss (Ergebnis): Ein kurzer Abschnitt, der in Kindergeschichten, besonders mit einem glücklichen Ende, oft improvisiert oder zufällig zum Ergebnis führt.

Pädagogischer Wert von Geschichten

Geschichten bieten zahlreiche Vorteile:

  • Sie schaffen eine entspannte und positive Atmosphäre im Unterricht.
  • Sie ermöglichen eine Annäherung zwischen Schülern und Lehrern, fördern Vertrauen.
  • Sie bilden und stärken Konzentrationsgewohnheiten, was für das Lernen durch Zuhören sehr wichtig ist. Sie schaffen Aufmerksamkeitsgewohnheiten, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Handlung lenken und die Konzentration auf den Plot polarisieren.
  • Sie bieten die Möglichkeit, neuen Wortschatz und sprachliche Strukturen zu erwerben.
  • Sie helfen, die Realität als Ganzes zu sehen, wo verschiedene Teile miteinander verbunden sind. In Geschichten sind alle Elemente miteinander verbunden und strukturiert, was dem Kind hilft, zu organisieren, zu sortieren und zu kategorisieren. Dies ist im Grunde eine Klassifizierung, die sich aus der Struktur der Erzählung ergibt.
  • Sie verknüpfen Fakten und Werte. Jede Handlung in einer Geschichte hat ihre Konsequenzen, die das Kind nachvollziehen kann.
  • Sie vermitteln bestimmte Vorstellungen oder Überzeugungen. Kinder lernen aus Geschichten, dass Triumphe auf Regeln basieren und dass Schwache oder Starke Hindernisse überwinden können.

Tipps zum Erzählen von Geschichten

Beim Erzählen von Geschichten sollten folgende Punkte beachtet werden:

  • Auswahl der Geschichte: Wählen Sie eine Geschichte, die etwas zu sagen hat, aber das Kind nicht überfordert.
  • Verinnerlichung: Wenn Sie die Geschichte erzählen, müssen Sie sie verinnerlichen und "verkaufen". Es ist nicht notwendig, sie auswendig zu lernen, aber man sollte sie gut kennen. Es darf keine Szenen geben, in denen man sich nicht erinnert oder sagen muss: "Ich habe vergessen", da dies den Erzählfluss unterbricht.
  • Raumgestaltung: Schaffen Sie einen bestimmten Raum für die Geschichte. Kinder können ihre Kissen mitbringen. Es ist wichtig, dass sie sich bewusst sind, dass sie sich in einen "Geschichtenraum" begeben. Die beste Lösung ist, die Kinder in einem Halbkreis zu platzieren, damit jeder den Erzähler sehen kann.
  • Aufmerksamkeitsförderung: Die Aufmerksamkeit wird verstärkt und unterstützt, wenn körperlicher Kontakt besteht und der Raum mit den Kameraden geteilt wird. Dies gibt den Kindern Sicherheit.
  • Einleitung und Abschluss: Beginnen Sie die Geschichte mit Eröffnungsformeln, die dem Kind erlauben, in den Ort der Handlung einzutauchen. Wenn Sie das Buch schließen, verwenden Sie einen Schlusssatz, um den Übergang zurück in die reale Welt zu markieren.
  • Umgang mit Bildern: Beim ersten Erzählen einer Geschichte wird nicht empfohlen, die Bilder zu zeigen, da es interessant ist, dass das Kind seine eigenen Bilder aus der Vorstellungskraft rekonstruiert. Nach dem ersten Mal können die Bilder gezeigt werden.
  • Stimme und Gestik: Verwenden Sie keine schreiende Stimme in der Geschichte, sondern modulieren Sie Ihre Stimme, wo es angebracht ist. Leben Sie die Geschichte mit Gesten und Mimik. Unterbrechen Sie die Geschichte nicht, wenn Sie erzählen.

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