Kommunikationsprobleme und Informationskanäle im Unterricht
Probleme des Kommunikationssystems
Weaver (1959) unterscheidet drei Ebenen bzw. Arten von Problemen bei der Nutzung des Kommunikationssystems:
Weaver (1959): Drei Ebenen von Problemen
- Technische Probleme: Können die gewünschten Informationen exakt übermittelt werden?
- Bedeutungsprobleme (semantisch): Trägt die Botschaft die beabsichtigte Bedeutung?
- Effizienzprobleme (Wirkung): Wie effektiv beeinflusst die Nachricht das Verhalten der Empfänger wie gewünscht?
Zusammenfassung: Informationsgesellschaft im Lehr-Lern-Prozess
- Zielorientiert, fehlerfrei beschreibend oder konzeptionell – es löst das Bedeutungsproblem.
- Die Menge der Informationen in der Nachricht muss für die Lehrenden ausreichend sein. (Löst das Effizienzproblem durch Datenspeicherung.)
- Informationen müssen organisiert und gut strukturiert sein. Die Struktur sollte progressiv sein, die wichtigsten Aspekte hervorheben, die Lernenden fokussieren und bei der richtigen Interpretation helfen. (Löst Effizienz- und Bedeutungsprobleme.)
- Die Ausdrucksweise und Sprache müssen an die Kapazitäten und das Verständnis der Lernenden angepasst sein. (Löst technische Probleme und Effizienzfragen.)
- Medienformen und Kanäle der Nachrichtenübermittlung
Für Lehre und Animation: Drei einfache Kanäle
- Visuell
- Auditiv (Hör-)
- Kinästhetisch-taktil
1. Visueller Kanal
- Schnelle und direkte Mittel zur Informationsvermittlung.
- Bietet viele Informationen in kurzer Zeit.
- Erleichtert das Lernen durch Nachahmung.
- Form der nonverbalen Kommunikation.
- Ausdrucksformen der Nachricht durch den visuellen Kanal:
a) Demonstrationen
Erreichen der angestrebten Lehrziele durch den Lehrer oder durch eine andere Person (z. B. einen Schüler).
Vorteile:
- Ermöglichen ein schnelles und genaues Gesamtbild davon, was die Lernenden tun sollen.
- Spart Zeit und ersetzt langwierige Erklärungen.
- Wirkt sich positiv auf die Wahrnehmung der Lernenden aus.
- Motivation beim Lernen (Imitation, Bewunderung).
- Stärkt den Status des Demonstrierenden als Expertin bzw. Experte.
- Schafft eine vorteilhafte Nähe zu Gleichaltrigen.
- Fördert Selbstachtung oder Anerkennung innerhalb der Gruppe.
Nachteile:
- Demonstratorinnen und Demonstratoren sind nicht immer verfügbar.
- Kann das "Gefühl" oder die Angewohnheiten des Demonstrators übertragen, einschließlich Fehlern.
- Kann zu global sein und einen bestimmten Aspekt nicht betonen.
- Benötigt eine geeignete Lehrstrategie.
- Die Lage und Position des Demonstrators muss für die ganze Gruppe sichtbar sein.
- Profil- oder Seitenansichten können aus anderen Blickwinkeln nötig sein.
- Weniger effektiv bei sehr feinen, komplexen Bewegungen, weniger bei einfachen, gut ausführbaren Aufgaben.
b) Visuelle Hilfsmittel
Alle visuellen Informationen, die der Trainer direkt gibt, um die Lernenden bei der Ausführung der zu erlernenden Bewegung zu unterstützen. Im Vergleich zur Demonstration sind sie eher analytisch und beziehen sich meistens auf komplexe Bewegungen; sie laufen nicht immer im Tempo der realen Bewegung.
Vorteile:
- Der Lehrer muss kein großer Künstler sein, um Hilfsmittel zu erstellen.
- Erlaubt dem Lehrer, eine Vielzahl von Aktivitäten zu unterrichten, auch wenn er sie nicht perfekt selbst ausführen kann.
- Fördert selektive Aufmerksamkeit (analytische Fokussierung auf betonte Aspekte; kann individuell unterschiedlich wirken).
Nachteile:
- Die gesamte Bewegung ist nicht immer auf einen Blick zu erfassen.
- Schaffen bei manchen Lernenden keine besondere Motivation.
- Können Desinteresse hervorrufen.
c) Sehhilfen
Gute Informationsquellen (Videos, Dias, Diagramme, Grafiken an der Tafel etc.). Sie können für Demonstrationen einer Gesamtbewegung oder in analytischer Weise zur Unterstützung einzelner Lernender eingesetzt werden.
Vorteile:
- Bieten umfassende Informationen (global) oder analytische Unterstützung (Sehhilfe).
- Ermöglichen es, die Aufmerksamkeit der Lernenden auf schwierige Punkte einer Gesamtbewegung zu lenken.
- Helfen, ein korrektes Bild in den Köpfen der Lernenden zu formen.
- Sind sehr motivierend.
Nachteile:
- Erfordern den Einsatz von Medien und Materialien.
- Benötigen Zeit zur Vorbereitung und Bedienung.
2. Auditiver Kanal
- Informationen können mit oder ohne verbale Inhalte über den auditiven Kanal übermittelt werden.
- Ausdrucksformen der Nachricht über das Gehör:
a) Beschreibung
Ausdruck mittels Sprache, um ein Bild dessen zu vermitteln, was ausgeführt werden soll. Durch Worte entsteht beim Lernenden ein mentales Bild, eine mehr oder weniger detaillierte, sequenzielle Darstellung der Bewegung.
Vorteile:
- Kann umfassend oder teilweise informieren (polarisierte Aufmerksamkeit).
- Bei einfachen Übungen aus globaler Sicht nützlich.
Nachteile:
- Nicht geeignet für sehr komplizierte Übungen.
- Übermäßige Erklärungen können kontraproduktiv sein.
b) Erklärung
Gibt dem Lernenden Gründe, Ursachen und Motive dafür, warum die Trainerin bzw. der Trainer eine bestimmte Ausführung wünscht. Sollte einfach und klar sein und sich auf die gesamte Bewegung beziehen sowie auf das Gefühl, das bei der Ausführung entstehen soll.
Vorteile:
- Hilfreich, wenn Erklärungen wirklich notwendig sind.
- Sprache und Niveau der Erklärung müssen an die Fähigkeiten der Person (Alter, Vorwissen etc.) angepasst sein.
Nachteile:
- Kann zeitaufwendig sein.
c) Unterstützende Geräusche
Formen des Ausdrucks über das Gehör ohne verbale Inhalte (Worte). Geräusche werden gezielt eingesetzt, wenn sie mit der Ausführung verbunden sind. Dafür ist es notwendig, die Ausführung genau zu kennen, da Geräusche alleine weniger Präzision bieten als ein Bild.
Vorteile:
- Sehr nützlich, wenn die korrekte Ausführung der Geste mit unverwechselbaren Geräuschen einhergeht.
- Hilfreich, um die Idee einer inneren rhythmischen Struktur der Bewegung zu vermitteln.
Nachteile:
- Erfordern sorgfältigen Einsatz, da sie sonst Verwirrung oder Missverständnisse verursachen können.
3. Kinästhetisch-taktiler Kanal
- Beinhaltet Informationen über die interne sensorische Rückmeldung, also wie die Ausführung empfunden wurde. Es handelt sich um existentielle, eigenständige Informationen.
- Taktil-kinästhetische Rückmeldungen sind für die Lehrenden oft leichter direkt zu beeinflussen. Sie können auf zwei Arten erfolgen.
- Ausdrucksformen der Nachricht im kinästhetisch-taktilen Kanal:
a) Manuelle Hilfen
Direkte Unterstützung durch die Lehrkraft, um dem Lernenden die Bewegung, einen Teil der Bewegung oder die damit verbundenen Empfindungen näherzubringen. Die Handführung steht im Zusammenhang mit dem erfolgreichen Ausführen (Führung). Wird vor allem bei riskanten Aktivitäten verwendet.
b) Automatische Rückmeldung (kinästhetisch)
Jede kinästhetische Information entsteht indirekt, zum Beispiel durch eine Störung im normalen Ablauf, und markiert für die Lernenden bestimmte Elemente der Ausführung. Solche Rückmeldungen lenken die Aufmerksamkeit auf relevante Informationen.