Landwirtschaft und industrielle Umstrukturierung in Spanien
Landwirtschaftliche Produktionsformen
Die intensive Landwirtschaft nutzt fortgeschrittene Techniken auf kleinen Flächen. Durch hohe Investitionen in Technologie und Betriebsmittel werden hohe Erträge erzielt. Im Gegensatz dazu erfordert die extensive Landwirtschaft große Flächen und bietet aufgrund geringerer Investitionen sowie der Nutzung traditioneller Techniken niedrigere Erträge.
Viehhaltung und geografische Verteilung
Die extensive Viehhaltung ist stark von der physischen Umwelt abhängig. Die Tiere werden auf natürlichem Grünland im feuchten Norden Spaniens (Iberische Halbinsel und Bergregionen) oder auf Brachflächen und Stoppelfeldern im trockenen Spanien geweidet. Sie ist meist mit einheimischen Rassen und traditionellen Methoden verbunden.
Die intensive Viehhaltung hingegen ist unabhängig von der physischen Umgebung. Die Tiere werden in Ställen gehalten und vollständig oder teilweise mit Futtermitteln versorgt. Diese Betriebe befinden sich oft in der Nähe städtischer Verbrauchszentren im Nordosten und an der Mittelmeerküste, wobei der Fokus auf Schweinen und Geflügel liegt. Diese Form nutzt ausgewählte Rassen, moderne Techniken und ist stark von importierten Futtermitteln abhängig, deren Preise zuletzt kräftig gestiegen sind.
Agrarlandschaft und die GAP
Die Agrarlandschaft beschreibt die Morphologie und das Erscheinungsbild landwirtschaftlicher Nutzflächen. Sie resultiert aus der Kombination natürlicher (physischer) und menschlicher Faktoren. Die Vielfalt dieser Kombinationen erklärt die abwechslungsreichen Landschaften Spaniens.
Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ist die 1961 gegründete Agrarpolitik der EU, der Spanien 1986 beitrat. Ihr Ziel ist es, den Lebensstandard der Landwirte zu sichern, Märkte zu stabilisieren und die Versorgung der Verbraucher zu angemessenen Preisen zu gewährleisten.
Industrielle Umstrukturierung in Spanien
Zur Bewältigung industrieller Krisen hat die OECD seit 1975 Sanierungsmaßnahmen vorgeschlagen. In Spanien verzögerten sich diese Maßnahmen aufgrund politischer Umstände bis in die 1980er Jahre. Die Industriepolitik umfasst zwei komplementäre Aspekte:
- Industrielle Umstrukturierung: Ziel war es, rückläufige Branchen kurzfristig anzupassen, um Wettbewerbsfähigkeit und Lebensfähigkeit zu sichern.
- Reindustrialisierung: Ziel war der Wiederaufbau betroffener Gebiete durch neue wirtschaftliche Aktivitäten und die Schaffung von Arbeitsplätzen, um die durch den Umbau freigesetzten Arbeitskräfte zu absorbieren.
Der Staat unterstützte dies durch Finanzhilfen, Kredite, Steuervergünstigungen sowie arbeitsrechtliche Maßnahmen wie Vorruhestandsregelungen.
High-Tech-Industrie und Tertiarisierung
Die High-Tech-Industrie umfasst Sektoren mit hoher technologischer Intensität und starker Produktdifferenzierung, wie Elektronik, Computertechnik sowie feinmechanische und optische Geräte. Parallel dazu führt der Prozess der Tertiarisierung dazu, dass der Dienstleistungssektor gegenüber dem primären und sekundären Sektor an Bedeutung gewinnt – sowohl beim BIP als auch bei der Beschäftigung.
Nachhaltigkeit und Offshoring
Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wurde 1987 im Brundtland-Bericht ("Our Common Future") der Vereinten Nationen definiert. Es beschreibt ein Modell, das die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigt, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen einzuschränken.
Offshoring bezeichnet die Verlagerung industrieller Prozesse an Standorte mit geringeren Kosten (Löhne, Steuern). In Spanien betrifft dies vor allem die Automobil- und Elektronikbranche sowie die Textil- und Schuhindustrie, die oft in andere EU-Länder oder nach Asien und Nordafrika abwandern.
Landwirtschaftliche Betriebe
Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist eine technisch-wirtschaftliche Einheit unter der Verantwortung eines Unternehmers. Man unterscheidet zwischen Flächenbetrieben (ab 0,1 ha) und landlosen Betrieben, die diese Mindestfläche nicht erreichen.