Leitfaden zur Analyse einer Agrarlandschaft
Agrarlandschaften sind eine Kombination aus natürlicher Umgebung und der landwirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen. Bei ihrer Analyse müssen daher beide Aspekte berücksichtigt werden.
Räumliche Verortung
- Bestimmung, ob es sich um eine Binnen-, Küsten- oder Gebirgslandschaft handelt, sowie Angabe der genauen geographischen Lage.
Analyse der natürlichen Gegebenheiten
- Relief: Höhe, Neigung, Landschaftsformen (z. B. Hügel, Täler).
- Natürliche Vegetation: Ausdehnung, Lage, Vegetationsform (z. B. Wald, Buschland) und Arten (z. B. Eichen).
- Gewässer: Art (z. B. Flüsse, Seen) und Lage in der Landschaft.
- Klima: Niederschlag, Temperatur, Trockenheit. Auf Fotos oder Karten kann das Klima oft aus der Vegetation, den Anbaupflanzen und den Gewässern abgeleitet werden, da diese stark klimatisch beeinflusst sind.
- Boden: Bodenart und -qualität, die eng mit Klima und Gestein zusammenhängen.
Analyse der menschlichen Einflüsse
Allgemeine Merkmale der Agrarstruktur
- Eigentums- und Nutzungsstruktur: Größe, Form und Grenzen der Parzellen (z. B. offene Felder oder durch Hecken, Zäune getrennt).
- Produktionstechniken: Traditionell oder modern (z. B. traditionelle Werkzeuge vs. Maschinen, organischer Dünger vs. Chemikalien, Gewächshäuser).
Ländliche Siedlung und Habitat
- Siedlungsform: Art der Siedlung (Streu-, Haufen- oder Mischsiedlung), Lage des Siedlungskerns, Größe, Anordnung (z. B. linear, gebündelt) und jüngste Veränderungen (z. B. Tendenz zur Aufgabe, Entstehung neuer Siedlungsformen, Zweitwohnsitze).
- Ländliches Habitat: Merkmale der ländlichen Bebauung (z. B. Materialien, Bauweise) und die mögliche Einführung moderner Hausmodelle, die sich in die Umgebung einfügen.
Politische Maßnahmen
- Wasserbauliche Maßnahmen, Flurbereinigung, Bau von Landstraßen.
Analyse der Raumnutzung
Lage und Umfang der Landnutzung
- Lage und Ausdehnung der jeweiligen Nutzungsformen: Landwirtschaft, Viehzucht, Forstwirtschaft.
Analyse der einzelnen Landnutzungsformen
- Landwirtschaftliche Nutzung:
- Art der Anbaufrüchte, der gehaltenen Nutztiere und der Waldarten.
- Landwirtschaftliche Produktionssysteme:
- Fruchtfolge: Brache, Teilbrache oder kontinuierlicher Anbau.
- Anbauweise: Regenfeldbau oder Bewässerungsfeldbau (erkennbar an Dämmen, Gräben etc.).
- Tierhaltung: Weidehaltung oder Stallhaltung.
- Leistung und Produktivität:
- Ertrag (Leistung pro Hektar) und Produktivität (Ertrag im Verhältnis zum Arbeitseinsatz).
- Extensive Landwirtschaft: System, das nicht den maximal möglichen Ertrag anstrebt (kann hohe oder niedrige Produktivität aufweisen).
- Intensive Landwirtschaft: System, das den höchstmöglichen Ertrag anstrebt (kann hohe oder niedrige Produktivität aufweisen).
- Bestimmung der landwirtschaftlichen Produktion:
- Selbstversorgung, Marktorientierung oder industrielle Verarbeitung.
- Rückschlüsse können gezogen werden auf:
- Den Entwicklungsgrad der Landschaft.
- Die Spezialisierung auf bestimmte Produkte.
- Die Bedeutung von Verkehrsnetzen und die Präsenz von Agrarindustrie.
- Sonstige Nutzungen: Wohnen, Industrie, Tourismus etc.
Politische Maßnahmen
- Wasserbauliche Maßnahmen, Flurbereinigung, ländliche Straßen.
Probleme und Herausforderungen
Im Bezug auf die landwirtschaftliche Tätigkeit
- Probleme bezüglich der Art der Tätigkeit, Betriebsgröße, Infrastruktur, Ausrüstung etc.
Im Bezug auf die Umwelt
- Probleme, die durch menschliche Aktivitäten oder deren Aufgabe (z. B. Brachfallen von Flächen) verursacht werden.
Zukunftsperspektiven
- Bewertung des aktuellen Entwicklungsgrades unter Berücksichtigung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP).
- Möglichkeiten der ländlichen Raumplanung.