Leitfaden zur kritischen Textanalyse und Kommentierung
Zusammenfassung
Der Text bietet eine Anleitung, wie ein Sachtext kritisch analysiert und kommentiert wird. Behandelt werden Thema, kommunikativer Zweck, äußere und innere Struktur, Zielgruppe sowie die persönliche kritische Stellungnahme. Außerdem werden Argumenttypen, Trugschlüsse und typische Textsorten-Kontexte vorgestellt.
Kernpunkte
- Zuerst das Thema bzw. die Hauptidee des Textes identifizieren.
- Den kommunikativen Zweck bestimmen (informativ, überzeugend, ästhetisch, präskriptiv oder normativ) und mit Textbeispielen belegen.
- Die äußere Struktur nach vorherrschender Sequenz einordnen: narrativ, expositorisch, deskriptiv, deliberativ, instruktiv, konversationell, argumentativ oder lyrisch.
- Die innere Struktur als deduktiv (These am Anfang) oder induktiv (These am Ende) bestimmen.
- Die Zielgruppe als spezialisiert oder allgemein einordnen und das verwendete Vokabular analysieren.
- In der persönlichen Kritik Gültigkeit der Argumente, Genauigkeit, Widersprüche und formale Mittel bewerten, stets begründet.
- Argumenttypen erkennen, z. B. Autoritätsargument, Beispielargument oder Trugschlüsse wie falsche Verallgemeinerung.
Critical Review: Teil 1
Zu Beginn des Kommentars sollten Sie das Thema oder die Hauptidee des Textes identifizieren.
Zweitens müssen wir den kommunikativen Zweck des Textes analysieren (informativ, überzeugend, ästhetisch, präskriptiv oder normativ), also die Intention des Autors. Jeder Text verfolgt ein wesentliches kommunikatives Ziel, das gegenüber anderen nachrangig sein kann. Der Zweck sollte nicht nur genannt, sondern anhand von Beispielen aus dem Text begründet werden.
Analyse der äußeren Struktur
Der dritte Schritt ist die Analyse der äußeren Struktur und der vorherrschenden Sequenz des Textes:
- Narrativ: Erzählung von Handlungen.
- Expositorisch: Charakterisierung von Objekten oder Konzepten.
- Deskriptiv: Errichtung einer physischen Welt oder eines Objekts.
- Deliberativ: Darstellung von Ideen, Gedanken oder Konzepten des Sprechers.
- Instruktiv: Ziel ist es, den Zuhörer zu einer Handlung zu ermutigen.
- Konversationell: Dialogische Struktur.
- Argumentativ: Organisation von Gründen, die zu einer Schlussfolgerung führen.
- Lyrisch: Texte mit poetischer Intention.
In diesem Abschnitt ist es ratsam, Mechanismen des Textzusammenhalts zu benennen (z. B. Konnektoren, Ellipsen, Wiederholungen).
Analyse der internen Struktur
Hier untersuchen wir die Ordnung, die der Autor bei der Präsentation seiner Ideen verfolgt:
- Deduktive Struktur: Die These oder zentrale Idee steht am Anfang, gefolgt von Daten oder Argumenten.
- Induktive Struktur: Die These oder Hauptidee steht am Ende als Ergebnis der vorangegangenen Argumentation.
Weitere Strukturen sind die Fragestruktur (der Autor stellt Fragen und beantwortet diese) oder die gerahmte Struktur (die These wird entwickelt, argumentiert und am Ende bereichert wieder aufgegriffen).
Überblick über die Zielgruppen
Abschließend erfolgt eine Einordnung der Zielgruppe:
- Spezialisiert: Erfordert Vorwissen zum Verständnis des Inhalts.
- Outreach (Allgemein): Für alle Zielgruppen verständlich, erfordert keine Vorkenntnisse. Hier sollte auch das Vokabular (technisch vs. allgemein) analysiert werden.
Persönliche kritische Anmerkung
Für diesen Abschnitt sollten mehrere Aspekte berücksichtigt werden:
- Aktualität und Interesse: Begründen Sie die Aussagen und verknüpfen Sie die Ideen des Textes mit aktuellen Problemen.
- Gültigkeit der Argumente: Bewerten Sie die Argumente und begründen Sie, falls diese unzureichend sind.
- Kritische Prüfung: Identifizieren Sie potenzielle Widersprüche, Unklarheiten oder Manipulationen.
- Genauigkeit: Hinterfragen Sie Ungenauigkeiten oder Verallgemeinerungen.
- Angemessenheit: Bewerten Sie die Originalität und die Fähigkeit, neue Einsichten zu gewinnen. Zeigen Sie, dass Sie in der Lage sind, Informationen und Meinungen mit Fachwissen zu verknüpfen.
- Formale Mittel: Beurteilen Sie syntaktische Korrektheit, Wortschatzvielfalt und Klarheit der Darstellung.
Der Text dient nicht nur als Vorwand für die eigene Meinung. Es gilt, die Werte und Argumente des Textes zu würdigen oder zu widerlegen. Achten Sie auf eine strenge Subjektivität, die jedoch stets durch Argumente und Begründungen gerechtfertigt sein muss.
Typen von Argumenten
Bei der Erläuterung der Struktur sollten die vom Autor verwendeten Argumentationstypen identifiziert werden:
- Autoritätsargument: Berufung auf das Ansehen einer wichtigen Persönlichkeit auf dem Fachgebiet.
- Beispielargument: Verwendung von Ereignissen oder Fakten zur Untermauerung.
- Trugschlüsse:
- Fehlende statistische Grundlage: Daten ohne beweisbare Basis.
- Falsche Verallgemeinerung: Beispiel: „Ronaldinho ist gut im Fußball, weil alle Brasilianer gut sind.“
Textsorten-Kontext:
- Journalistisch: Deskriptive, argumentative und narrative Sequenzen.
- Juristisch: Instruktiv, narrativ, erklärend, beschreibend oder deliberativ.
- Administrativ: Erklärend und argumentativ.
- Technisch-humanistisch: Expositorisch, deliberativ oder argumentativ.
Hinweis: Diese Übersicht informiert über die verbreitetsten Sequenzen in Texten. Sie ist indikativ, da verschiedene Sequenzen auch in anderen Textarten auftreten können.
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PDF Word HTMLHäufige Fragen
Was gehört zur Analyse der äußeren Struktur eines Textes?
Man bestimmt die vorherrschende Sequenz des Textes, etwa narrativ, expositorisch, deskriptiv, deliberativ, instruktiv, konversationell, argumentativ oder lyrisch. Zusätzlich sollen Mechanismen des Textzusammenhalts wie Konnektoren, Ellipsen und Wiederholungen benannt werden.
Was ist der Unterschied zwischen deduktiver und induktiver Struktur?
Bei der deduktiven Struktur steht die These am Anfang, gefolgt von Daten oder Argumenten. Bei der induktiven Struktur steht die These am Ende als Ergebnis der vorangegangenen Argumentation.
Was ist ein falsche Verallgemeinerung als Trugschluss?
Eine falsche Verallgemeinerung schließt von einem Einzelfall auf eine ganze Gruppe. Der Text nennt als Beispiel: „Ronaldinho ist gut im Fußball, weil alle Brasilianer gut sind.“
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