Lese- und Schreibprozesse: Eine umfassende Zusammenfassung
Lese- und Schreibprozesse: Zusammenfassung
Was ist Lesen?
Lesen ist ein interaktiver Prozess zwischen Leser und Text, bei dem der Leser versucht, seine individuellen Ziele zu erreichen. Der Leser konstruiert aktiv Bedeutung basierend auf Vorkenntnissen, Erfahrungen und dem Leseziel.
Glossar der Fachbegriffe
- Gesichtsfeld: Der Bereich, den der Leser bei einer Fixierung erfasst.
- Fixierung: Die Intervalle, in denen das Auge ruht, um Informationen aufzunehmen.
- Wissen (Schemata): Mentale Strukturen, die Informationen organisieren und bei neuen Inhalten reorganisiert werden.
- Lesestrategien: Systeme zur Erfassung, Auswertung und Nutzung von Informationen.
Faktoren der Lesekompetenz
Der Leseprozess basiert auf zwei Informationsquellen:
- Visuelle Informationen: Werden über die Augen aus dem Text aufgenommen.
- Nicht-visuelle Informationen: Das Vorwissen des Lesers über die Welt und die Sprache.
Es besteht eine wechselseitige Beziehung: Je mehr nicht-visuelles Wissen vorhanden ist, desto weniger visuelle Informationen sind notwendig.
Gedächtnis und Lesen
Das Lesen nutzt zwei Arten des Gedächtnisses:
- Kurzzeitgedächtnis (Arbeitsgedächtnis): Begrenzte Kapazität; dient der unmittelbaren Verarbeitung.
- Langzeitgedächtnis: Speichert Wissen dauerhaft und organisiert es in Netzwerken.
Strategien zur Sinnkonstruktion
1. Vorhersage-Strategie
Die Fähigkeit, den Textverlauf basierend auf grammatikalischen oder logischen Hinweisen zu antizipieren.
2. Inferenz-Strategie
Die Fähigkeit, Lücken im Text durch eigenes konzeptionelles Wissen zu ergänzen.
3. Selbstkontrolle
Metakognitive Überwachung des Leseprozesses. Bei Verständnisproblemen nutzen gute Leser Strategien wie:
- Ignorieren unwichtiger Fehler.
- Abwarten auf weitere Informationen.
- Erneutes Lesen (Re-Reading).
- Externe Hilfsmittel (Wörterbuch) nutzen.
Was ist Schreiben?
Schreiben ist ein komplexer Prozess zur Erstellung eines bedeutungsvollen Textes. Er umfasst nicht nur die Kalligrafie oder die Laut-Buchstaben-Zuordnung (Graphophonetik), sondern auch die soziale und instrumentelle Dimension der Kommunikation.
Der Schreibprozess nach Flower und Hayes
Der Schreibakt besteht aus drei Grundelementen:
- Planung: Analyse des rhetorischen Problems (Thema, Zielgruppe, Zweck).
- Entwurf (Textproduktion): Umsetzung der Ideen in eine verständliche Sprache.
- Überprüfung: Überarbeiten und Verbessern des Textes durch erneutes Lesen.
Herausforderungen beim Schreiben
Schreiben erfordert sowohl motorische Fähigkeiten (Stiftführung) als auch kognitive Leistungen (Strukturierung von Wissen). Es ist wichtig, Kinder frühzeitig zum Schreiben zu ermutigen, ohne sie durch zu hohen Druck bei der Formgebung der Buchstaben zu demotivieren.